Wie steht es wirklich um die Energiewende?

Deutschland hat seit dem Kyoto-Abkommen ambitionierte Klima-Ziele und will wie die anderen EU-Mitgliedsstaaten den Ausstoß von klimaschädigendem CO2 reduzieren. Bis 2050 soll das ehrgeizige Ziel von Null-Emissionsausstoß erreicht werden. Die …

Deutschland hat seit dem Kyoto-Abkommen ambitionierte Klima-Ziele und will wie die anderen EU-Mitgliedsstaaten den Ausstoß von klimaschädigendem CO2 reduzieren. Bis 2050 soll das ehrgeizige Ziel von Null-Emissionsausstoß erreicht werden. Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien soll in Zukunft helfen, CO2 einzusparen und die Klima-Bilanzen aufzupolieren. Doch wie sauber und umweltverträglich sind die erneuerbaren Energien wirklich? Und können CCS-Techniken oder Klima-Zertifikate helfen, die ehrgeizigen Ziele zu erreichen?

Die Biomasse-Nutzung boomt
Einen wichtigen Beitrag zu den erneuerbaren Energien sollen Biogasanlagen leisten. Hier entsteht aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Raps sowie landwirtschaftliche Abfälle Biogas und dieses wird wiederum in elektrischen Strom verwandelt. Während es ursprünglich galt, vor allem Abfälle aus der Landwirtschaft zu verwenden und den Strom auf den Höfen und der Umgebung zu nutzen, sieht die aktuelle Lage etwas anders aus. Das Geschäft mit der Biomasse boomt und daher reichen die regional verfügbaren Rohstoffe nicht mehr aus. Teilweise wird Biomasse aus großer Entfernung herbeigeholt und damit unnötiger Benzin bzw. Diesel verbraucht. Lkws und Maschinen verbrauchen für die derzeit 7.500 Biogasanlagen allein 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, die in keiner Klima-Statistik auftauchen. Neben diesem CO2-Ausstoß durch den Transport können Biogasanlagen auch selbst ein Umwelt-Problem darstellen. So wird staatlicherseits nicht kontrolliert, ob alle Biogasanlagen absolut dicht sind. Undichte Stellen führen aber dazu, dass Methan entweicht und dieser Stoff ist um den Faktor 25 gefährlicher als CO2.
Noch gravierender ist allerdings der Landverbrauch durch den Betrieb von Biogasanlagen. So werden sogar Moorflächen zum Anbau von Mais genutzt, der schließlich zu Biogas vergoren wird. Und die Bauern mit Nutztieren haben das Nachsehen. Schon heute können sich viele den Anbau von Kraftfutter nicht mehr leisten und kaufen es aus anderen Ländern. Gerade Brasilien mit seiner fragwürdigen Anbaupolitik hat sich hier zum größten Mais-Exporteur aufgeschwungen. Während in Deutschland also Mais in Biogasanlagen vergast wird, importieren wir immer mehr Kraftfutter, das auf ehemaligen Regenwaldflächen angebaut wird. Sicherlich kein durchdachtes Klima- und Umwelt-Konzept, aber auf den ersten Blick ist Biogas ja CO2-neutral.
Und wie sieht dies bei der direkten Nutzung von Biomasse aus? Können Holzöfen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Gerade bei Pelletheizungen ist ein großer Boom zu verzeichnen. Auch hier heißt es, dass die zu kleinen Pellets gepressten Holzabfälle CO2-neutral wären. Kommen die Holzabfälle aus der Region des Heizungsbesitzers und werden nachhaltig gewonnen, kann man sicherlich von einer guten Lösung sprechen. Oft kommen die Pellets aber von weit her und aus Kahlschlagforsten. Gerade hier zeigen sich große Probleme. Zudem verbrennen nicht nur Privatbraucher Holz, sondern auch die Industrie stellt teilweise von Kohle auf Holz um. In den nächsten Jahren sollen in Europa etwa 35 Millionen Tonnen Holz verfeuert werden. Bei den dafür notwendigen Kahlschlägen entweicht aber nicht nur aus dem Holz bei den Verbrennung CO2, sondern auch aus dem Erdboden, indem viel CO2 gespeichert ist. Eine solche Bewirtschaftung kann also nicht als nachhaltig und klimaneutral bewertet werden.
Mit der CCS-Technik CO2 wegzaubern?
Energieunternehmen geben sich gern einen grünen Anstrich. So werben sie einerseits mit sauberen und erneuerbaren Energien – auch wenn sie wie im Fall RWE nur ein Prozent der Energie aus regenerativen Energien wie Wind und Sonne gewinnen. Andererseits versuchen sie, mit neuen Technologien ihre gewinnbringenden Kohlekraftwerke grün zu waschen. Das Zauberwort heißt dabei „Carbon Catcher and Storage“, kurz CCS. Mithilfe dieses Verfahrens soll CO2 abgeschieden und in geologischen Strukturen gespeichert werden. Millionen Tonnen an CO2 sollen in Form von hochkonzentriertem Flüssiggas unter die Erde gebracht werden. Bislang ist das Verfahren aber noch in der Erprobungsphase und viele Kritiker haben Zweifel an dem System und befürchten, dass zum Beispiel bei Erdbeben das Gas austreten könnte. Hinzu kommt, dass die Technologie äußerst energiezehrend ist.
Während die CCS-Technik in Deutschland selbst vielleicht nie zum Einsatz kommt, haben die Chinesen schon Zuschläge für die Realisierung der CCS-Technologie gemacht. Steinkohle wird also auch weiterhin der Hauptenergielieferant für das Reich der Mitte bleiben – nur dass sie in Zukunft wahrscheinlich mit der umstrittenen CCS-Technologie reingewaschen wird. Die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Kohlebergwerken, wo nach inoffiziellen Zahlen jährlich etwa 2.500 Menschen ums Leben kommen, werden sich dagegen wohl nicht ändern. Auch die Landzerstörung wird noch weiter voranschreiten, schließlich sind in China 350 neue Kraftwerke im Bau oder Planung.
Hat der CO2-Zertifikate-Handel dem Klima geholfen?
Ein wichtiges Instrument zur Klima-Politik sollte einst Emissionshandel sein. Über Börsenspekulationen sollten hier ganz marktwirtschaftlich Klima-Zertifikate gehandelt werden und energiesparende Unternehmen belohnt werden. 2005 trat der einst in Kyoto beschlossene Emissionshandel in Kraft und die Emissionen sollten so um fünf Prozent gesenkt werden. Da seitdem die Emissionen aber um 40 Prozent gestiegen sind, zeigt, dass der Mechanismus nicht funktioniert. Zu einem gewissen Teil dürfte dies auf zahlreiche gefälschte Zertifikate zurückzuführen sein. Andererseits sind aber einfach zu viele dieser Zertifikate im Handel und dadurch der Preis zu billig. Ein Versuch der EU, Zertifikate aus dem Markt zu nehmen, um neue Marktanreize für die Einsparung von CO2-Emissionen zu schaffen, scheiterte allerdings vor Kurzem. Angebot und Nachfrage werden also weiterhin im Ungleichgewicht bleiben und die Industrie hat wenig Gründe ihre Energiestrategie zu ändern. Die ehrgeizigen Klimaziele dürften damit in weite Ferne rücken. (sq/sfr)