Afrika kommt! Sind mehr als 600.000 afrikanische junge Männer in den Startlöchern?

Mehr und mehr machen sich Migranten aus Afrika auf den Weg nach Europa. Aus dem kleinen ostafrikanischen Eritrea flüchten Menschen vor der Unterdrückung durch das Regime. Aus Nigeria kommen viele, die vor der islamistischen Terror-Miliz Boko Haram flüchten und die Leute aus Somalia fürchten Hunger und Gewalt in ihrem Land. Letzte Woche kamen 5.000 Afrikaner von Libyen aus nach Sizilien. Diese Woche sollen es schon 10.000 sein. Laut UNHCR sind 76 Prozent von ihnen junge Männer. Doch in Libyen warten 800.000 weitere Afrikaner auf die Überfahrt, so Frankreichs Verteidigungsminister.

"Das Wetter ist in der Mittelmeerregion jetzt gut, diese Woche werden die Schlepper an der afrikanischen Nordküste Dutzende Boote Richtung Italien losschicken", erfuhr die "Krone" von einem militärischen Nachrichtendienst.

Dabei müssten sich die Frontex- und Nato-Schiffe, die in der Region patroulierten, auf das Retten von verunglückten Migranten und Melden der Boote beschränken. Das Stoppen und Zurückbringen der Schlepperboote sei politisch immer noch nicht genehmigt, würde aber vermutlich Hunderte Leben retten können, so das Blatt.

Die Preise der Schlepper sind deutlich höher als in der Ägäis. Für eine Fahrt kostet hier 3.000 bis 5.000 Euro, wie die DWN schreibt. Dabei stehen die afrikanischen Migranten in Libyen unter großem Druck. Die Lebensbedingungen sind schlecht, viele landen in Gefängnissen oder werden von Kriminellen zu Sklavenarbeit gezwungen.

Eine weitere Ausweichroute kommt über Albanien auf Italien und Zentraleuropa zu. Wie die "Krone" meldet, habe die albanische Mafia bereits Millionen in Schnellboote investiert, um die Migranten künftig übers Meer nach Italien zu bringen.

Doch der große Run wird aus Libyen erwartet.

Lange und gefährliche Überfahrt

Wie "ProAsyl" schreibt, ist die Zentrale Mittelmeerroute von Libyen nach Italien ein einträgliches Geschäft für die Schlepper. Für die Migranten ist sie allerdings äußerst gefährlich. Im vergangenen Jahr starben fast 3.000 Menschen beim Versuch, auf dieser Route nach Europa zu kommen.

Während die Überfahrt von der Türkei auf die griechischen Inseln in der Ägäis mit um die 20 Kilometern relativ überschaubar ist, sind es von Tripolis aus zur kleinen italienischen Insel Lampedusa schon fast 300 Kilometer, nach Malta 350 und nach Sizilien schon 450 Kilometer. Je weiter östlich in Libyen der Startpunkt liegt, umso weiter ist der Weg. Vom libyschen Bengasi nach Sizilien sind es schon fast 700 Kilometer. [Fluchtrouten-Grafik]

Die in diesem Jahr bisher auf Sizilien eingetroffenen etwa 16.000 Afrikaner kommen zu einem Drittel aus Nigeria und Gambia, ein weiteres Drittel kommt aus Senegal, Mali, Guinea und der Elfenbeinküste. Das letzte Drittel kommt aus Marokko, Somalia, dem Sudan, Kamerun und anderen Ländern. Laut UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sind 76 Prozent von ihnen junge Männern, wie die "Krone" schreibt. Die österreichische Zeitung veröffentlichte eine ihr zugespielte aktuelle Infografik des Krisenstabes über die Herkunft der auf Sizilien angekommenen Migranten.

Doch das ist nur ein winzig kleiner Teil der wartenden 800.000 afrikanischen Migranten in Libyen und, sollte sich die altersmäßige Zusammensetzung nicht grundlegend von der jener bisher 2016 in Sizilien gelandeten Migranten unterscheiden, würde es sich um mehr als 600.000 junge afrikanische Männer handeln.

Eine Zahl, die sehr wahrscheinlich ist. Die Flucht auf dem afrikanischen Kontinent ist lang, gefährlich und strapaziös und wird hauptsächlich von jungen Männern in Angriff genommen. Auch aus den Krisengebieten im Nahen Osten kamen mehrheitlich junge Männer nach Europa.

Österreich zur Grenzsicherung "fest entschlossen"

Derweil im nicht ganz so fernen Österreich: Alarm im Krisenstab der österreichischen Bundesregierung mit "Lage 7". Inoffiziell heißt es aus dem Krisenstab: "In etwa einer Woche haben diese Migranten Italien durchquert und treffen am Brenner ein. Da die deutsche Regierung schon jetzt Marokkaner und Menschen aus Westafrika zu uns nach Österreich zurückschiebt, müssen wir annehmen, dass dies wieder passiert. Somit wäre Österreich in der Zwickmühle zwischen Italien, das die afrikanischen Migranten weiterschickt, und Deutschland, das diese Menschen zurückschickt."

Bundeskanzler Werner Faymann sieht bereits eine Katastrophe auf den Brenner zukommen. Er erwartet, dass "im Sommer der Flüchtlingsstrom über die Italienroute besonders groß" werde. Österreich könne aber die Migranten nicht unkontrolliert einreisen lassen. Das Innenministerium wurde entsprechend angewiesen.

Die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sagte vor wenigen Tagen im "Münchner Merkur", dass Österreich "fest entschlossen" sei, die Brennergrenze zu sichern. Auch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil kündigte in der Tageszeitung "Die Welt" eine verschärfte Gangart an. Es werde "massive Grenzkontrollen am Brenner, auch mit Soldaten" geben.

Libyen und die Dschihadisten des IS

Und aus Libyen kommt noch eine weitere Gefahr auf Europa zu: Schon im September schrieb der ehemalige österreichische Verfassungsschutzchef Gert Polli: " In Libyen kontrolliert die IS inzwischen drei Küstenregionen und hat sich jetzt auch in Sirte festgesetzt. […] Der IS in Libyen überwacht nach Informationen der Sicherheitsbehörden den Menschenschmuggel nach Europa."

Zum einen profitiert die Terrororganisation dadurch finanziell (bis 50 Prozent) am Menschenschmuggel, zum anderen ist es für die Dschihadisten relativ einfach, Kämpfer als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schmuggeln.

In der Hafenstadt Sirte sollen sich bis zu 6.000 IS-Kämpfer unter direktem Kommando der IS-Führung in Syrien und dem Irak aufhalten, meldete die "New York Times".

Doch auch die Rekrutierung von Kämpfern ist ein Thema in der Hafenstadt, wie der französische "Le Figaro" schreibt: "Wenn Lastwagen mit Migranten Sirte passieren, hält der I.S. sie an und bietet den Illegalen große Geldsummen, wenn sie sich ihm anschließen", sagten Milizionäre aus der westlibyschen Hafenstadt Misrata in dem Blatt.

Noch weiter westlich, in der Hauptstadt Tripolis kommen, werden regelmäßig Dschihadisten aufgegriffen, "die per Flugzeug aus Istanbul anreisen", zitiert der "Bayernkurier" den französischen "Le Figaro". (sm)

Siehe auch:

10.000 Afrikaner unterwegs nach Sizilien – keine Kriegsflüchtlinge laut UNHCR

800.000 Flüchtlinge in Libyen warten auf Weiterreise