Graz: Gefängnis-Imam plante Aufstand der Dschihadisten – Wie gefährlich sind muslimische „Seelsorger“?

Epoch Times7. December 2017 Aktualisiert: 7. Dezember 2017 15:59
Den Wolf im Schafspelz in Form eines Imams hatte sich die Grazer Gefängnisleitung ins Haus geholt. Statt die kriminellen Dschihadisten zu deradikalisieren, plante der Geistliche eine Revolte gegen die Wachen.

Früher arbeitete der gebürtige Ägypter als Taxifahrer in Graz. Doch der Job erschien dem Mann offenbar nicht als einträglich genug. In einem Blitz-Kurs ließ er sich über die fünf Säulen des Islam „weiterbilden“. Dies genügte, um als Imam arbeiten zu dürfen, so auch als Seelsorger für verurteilte Dschihadisten im Gefängnis der Stadt.

Doch nicht nur auf kriminelle und radikale Muslime hatte der sogenannte Geistliche Zugriff. Auch an steirischen Schulen unterrichtete der Imam der Islamischen Glaubensgemeinschaft, der zudem Mitglied der radikalen Muslimbruderschaft sein soll.

Aufstand der Dschihadisten

Die Leitung der Justizanstalt in Graz-Karlau deckte das Komplott des „Seelsorgers“ auf, welches sich nach „Krone“-Angaben wie das Drehbuch zu einem Thriller liest. Gerade noch rechtzeitig konnte der gewalttätige Aufstand gegen das Wachpersonal vereitelt werden.

Der dunkle Plan des Imams sah es vor, dass die verurteilten Dschihadisten des Grazer Gefängnisses bei ihrem Spaziergang im Hof plötzlich laut schreiend anfangen sollten zu „beten“. Wenn dann das Wachpersonal eingeschritten wäre, sollte dieses brutal angegriffen werden, auch mit selbst gebastelten Waffen.

Die Justizbeamten wurden im letzten Moment von unbekannter Seite gewarnt.

Radikale Schriften in Gefängnis-Bibliothek

Im niederösterreichischen Korneuburg wurde in der Bibliothek des Gefängnisses von einem Gefangenen, einem verurteilten Salafisten, ein in kyrillischer Schrift verfasstes Hetzwerk gefunden. Er meldete es seinem Betreuer.

Wie die „Krone“ berichtete, soll seit 2010 die Kontrolle über den Bibliotheksbestand der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) unterliegen. Dies sollte eine Radikalisierung in Haft verhindern.

Schließlich wurden rund 30 fragwürdige Bücher entfernt – kein Einzelfall, vermutet Justizminister Brandstetter (ÖVP).

Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte, dass die Verantwortung an die Organisation Derad (Initiative für sozialen Zusammenhalt, Prävention und Dialog) übergeben und der Buchbestand intensiv geprüft werde.

IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun beklagte den Entzug der Zuständigkeit beim Justizminister und sieht die „jahrelange qualitätsvolle Deradikalisierungsarbeit der islamischen Gefängnisseelsorge infrage“ gestellt.

Auch Österreichs oberster muslimischer Gefängnis-Imam, Ramazan Demir, deutete Unverständnis mit der Maßnahme an. Er sagte dem Blatt: „Nur weil ein Einzelner einen Fehler gemacht hat, darf man nicht die gesamte Glaubensgemeinschaft an den Pranger stellen.“

In Österreich sind derzeit rund ein Viertel der inhaftierten 9.000 Kriminellen Muslime, Tendenz steigend. Die meisten sitzen wegen Raub- und Einbruchsdelikten, hätten sich in der Vergangenheit kaum mit Religion beschäftigt, erklärte Österreichs höchster Gefängnis-Imam, Ramazan Demir, wie die „Krone“ Ende November berichtete.

Doch hinter Gittern würden immer mehr Häftlinge in die Fänge von Hetzern geraten, jene, die den IS verherrlichen und während ihrer Haft nach Mitstreitern suchen. Demir warnt: „Unsere Haftanstalten sind Brutstätten für Extremisten“ und die „systematische Gehirnwäsche“ habe erschreckende Folgen:

Häftlinge, die sich zunächst unauffällig verhalten, mutieren zu tickenden Zeitbomben. Sind plötzlich von Hass getrieben, sprechen davon, Morde begehen zu wollen.“

(Ramazan Demir, Gefängnis-Imam)

Doch das Vertrauen ist reichlich angekratzt: Wer meint es ehrlich? Wer fürchtet nur um seinen Einfluss? Wer ist ein Wolf im Schafspelz?

Dies alles ist schwer zu unterscheiden.

Wie Demir berichtet, hat er in den sieben Jahren als Gefängnis-Imam einiges erlebt: „Es geht um unser aller Zukunft.“ Auch sein Name sei auf Todeslisten, so Demir: „Weil ich Frieden predige und deshalb für gewaltbereite Islamisten als Ungläubiger gelte.“

Er habe Angst. Oft habe er bei den Behörden Alarm geschlagen. „Ohne Erfolg. Die Verantwortlichen wollen die Probleme in den Gefängnissen und die damit verbundene Gefahr für unsere Gesellschaft nicht sehen.“

Laut Ramazan Demir ist die Lösung recht einfach: die Extremisten in Einzelzellen isolieren und gleichzeitig deradikalisieren. Denn die „selbst ernannten Gotteskrieger“ würden den Koran falsch interpretieren …

Gefängnis-Imam, Militär-Imam, …

Im Koran hat der Imam die ursprüngliche Bedeutung von „Vorsteher, Vorbild, Richtschnur, Anführer““, so Wikipedia.

Im Fall des missglückten Aufstandes im Gefängnis Graz wäre die Bedeutung von „Anführer“ wohl die treffendste…

Es stellt sich eine Frage: Entspricht ein Gefängnis-Imam einem Gefängnis-Seelsorger aus christlicher Sicht? Eine ähnliche Fragestellung beschäftigte bereits das Militär in diversen Ländern Europas:

Nach westlichem Denken entspräche der Militär-Imam einem dem Militär-Seelsorger für die christlichen Soldaten. Wenn da nicht fundamentale Unterschiede in den Denkweisen und Verständnissen der unterschiedlichen Kulturen wären, die eigentlich nur ein Insider wissen kann …

Im Islam gibt es gar keine „Seelsorger“

Am 16. Juni 2015 wurde in Österreich die Position eines „Militär-Imams“ in das Bundesheer integriert, entgegen allen Warnungen, auch von Seiten liberaler Muslime. So schrieb die Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) einen Brandbrief an den damaligen sozialdemokratischen Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) und forderte die sofortige Absetzung des Imams.

In ihrem „Offenen Brief“ weist die Vereinigung unter anderem auf folgende Punkte hin:

  • Eine solche Funktion gibt es sonst nirgends, mit Ausnahme weniger Länder, die nach dem Scharia-Recht beherrscht werden.
  • Es gibt keine Hierarchie und Priestertum im Islam, weil der Glaube Privatsache ist und es zwischen Mensch und Gott keinen Vermittler gibt. Im Islam sind „Geistliche“ unbekannt.
  • Es gibt auch keine Seelsorger im Islam. Bei einer aktuellen Angelobung neuer Soldaten sprach dieser „Militärimam“ einen Segen. Auch das gibt es nicht im Islam.

Nach diesen Aussagen stellt sich die Frage, welche noch verbleibenden Aufgaben dann ein Militär-Imam im Heer ausüben soll.

Auch in Deutschland …

Auch in Deutschland wird immer wieder ein Militär-Imam für die Bundeswehr gefordert, vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). Dessen Vorsitzender, Aiman Mazyek sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir brauchen muslimische Seelsorger in der Bundeswehr“. Mazyek erklärte weiterhin: „Es ist an der Zeit, über eine muslimische Beteiligung an Sozialeinrichtungen zu reden.“ Dies wurde 2014 im „Bundeswehr-Journal“ berichtet.

Auch die Grünen hatten 2013 einen Vorstoß im Bundestag mit dem Papier „Gesellschaftliche Vielfalt in der Bundeswehr anerkennen“ gewagt. Er wurde abgelehnt.

Uwe Junge, Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz, zum Thema Gefängnis-Imame

In der Schweiz wurde die Forderung der Föderation islamischer Dachorganisationen zur Einsetzung eines Militär-Imams 2009 vom Chef der Armee-Seelsorge des Schweizer Militärs, Oberst Urs Aebi, abgelehnt.

Obwohl der Präsident der Islam-Dachorganisation, Hisham Maizar, argumentierte: „Es braucht in der Armee Imame, die das Thema ,Integration‘ zusammen mit der katholischen und evangelischen Militärseelsorge konstruktiv angehen“, war Aebi anderer Auffassung.

Anders sieht es in Großbritannien und Frankreich aus. Dort sind Militär-Imame schon seit Längerem im Heer angesiedelt.

Siehe auch:

Beziehungen zum IS: Islam-Expertin klagt über Imame als „Seelsorger“ in Schweizer Gefängnissen

NRW: Viele Ditib-Imame verweigern Sicherheitsüberprüfung in Gefängnissen

Auferstanden aus dem Mittelalter: Ahmad Abul Baraa – Der Salafistenprediger aus der Berliner Moschee

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