„Herkommen war ein Fehler“: Flüchtlinge kehren nach Irak zurück

Die Zahl der aus Österreich in ihre Heimat zurückkehrenden Migranten steigt beständig. Unerfüllte Erwartungen, langatmige Asylverfahren, demütigende Behandlungen - Gründe gibt es viele. Im September wurden 9.000 Asylanträge gestellt. Derzeit reisen im Schnitt 260 Personen monatlich wieder ab, etwa drei Prozent, Tendenz steigend. Die freiwilligen Rückkehrer sind meist Iraker, die Optionen in ihrer Heimat haben.

Morgen geht ihr Flug zurück, 14 Uhr, ab Wien. Die letzten drei Monate im Notquartier in Wien waren ein Alptraum. "Wir wurden nur gedemütigt", so Omer im österreichischen "Kurier". "Es war ein Fehler herzukommen."

Vor drei Monaten kamen sie aus dem Irak nach Österreich: Muqdad (23), Omer (29) und Ali (27), drei Computer-Ingenieure.
Sie hofften, sich hier ein neues Zuhause aufbauen zu können. Nun sind sie enttäuscht. 

Die Rückkehrer mehren sich

Ein anderer Iraker, Dia (30) meint auch, dass es ein Fehler war, aber ein noch größerer sei es, wieder zurück zu gehen.
Viele kehren inzwischen in ihre Heimat zurück, vor allem jene aus dem Irak und Afghanistan. Auch Migranten aus dem Kosovo gehen lieber freiwillig heim. Ihre Heimat ist ein sogenannter sicherer Staat. Ihnen droht die Abschiebung.
Viele der Migranten melden sich beim Verein für Menschenrechte Österreich (VMÖ), der Caritas und der Diakonie. Sie wollen freiwillig gehen – manche aus Sorge um Angehörige in der Heimat, manche aus enttäuschten Erwartungen, viele aus Angst: "Sie fürchten sich vor der drohenden Abschiebung und dem damit verbundenen Gesichtsverlust", erklärt Caritas-Sprecher Martin Gantner. "Der Aufenthalt in Österreich ist mit vielen Fragezeichen verbunden. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert und bräuchten einfach Gewissheit", so Gantner.

Das Innenministerium zählt mit

Wie das Innenministerium mitteilte, verließen von Januar bis November 530 Iraker, 120 Afghanen und 1.100 Kosovaren Österreich wieder. "Dieser Trend ist seit Mitte September spürbar", so Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums. Laut der Caritas gingen vom 1. September bis 14. Dezember 257 Iraker, 35 Afghanen und 53 Leute aus dem Iran zurück. Im Jahr 2014 waren es lediglich 2 Iraker, 9 Afghanen und 1 Iraner.

Um es auf eine Quote zu bringen: Der VMÖ zählte im ersten Halbjahr im Schnitt 150 Rückkehrer im Monat, jetzt seien es 260. "Bei den Irakern haben sich viele eine bessere soziale Versorgungssituation erwartet", so Günter Ecker vom VMÖ. Ein weiterer Grund sei die Länge der Asylverfahren. "Dass sie ein Jahr oder länger warten müssen, um ihre Familie nachzuholen, damit haben viele Flüchtlinge nicht gerechnet."
Auch Muqdad, Omer und Ali nicht, die drei Computer-Ingenieure. "In Österreich sieht man uns an, als wären wir Terroristen, dabei wollten wir Frieden", sagt einer der drei. Morgen geht ihr Flug zurück, 14 Uhr, ab Wien. (sm)