Kritik an Schwedens Abschiebepraxis nach Suiziden afghanischer Flüchtlinge

Drei minderjährige Flüchtlinge haben sich in Schweden das Leben genommen, vier weitere haben es versucht. Der Grund: die bevorstehende Abschiebung nach Afghanistan. Flüchtlingshelfer forderten die schwedischen Behörden am Mittwoch auf, die umstrittenen Abschiebungen abgelehnter Bewerber nach Afghanistan auszusetzen.

Eine Serie von Suizidversuchen unter minderjährigen afghanischen Flüchtlingen in Schweden hat Kritik an der Abschiebepraxis der Behörden geweckt. In den vergangenen zwei Wochen wurden sieben Suizidversuche von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in schwedischen Asylheimen registriert. Drei von ihnen endeten tödlich, betroffen waren jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan.

Flüchtlingshelfer forderten die schwedischen Behörden am Mittwoch auf, die umstrittenen Abschiebungen abgelehnter Bewerber nach Afghanistan auszusetzen. „Sie hatten Angst vor der Abschiebung und hatten keine Hoffnung“, sagte die Flüchtlingshelferin Mahboba Madadi zu AFP über die betroffenen Jugendlichen.

Madadi befürchtet nach eigenen Angaben weitere Suizidversuche. Viele der unbegleiteten Minderjährigen fühlten sich in den Asylheimen einsam, ihnen fehle der emotionale Rückhalt. „Wir sind extrem besorgt, die schwedische Regierung muss hier etwas unternehmen“, sagte sie.

Die schwedische Einwanderungsbehörde verteidigte auf AFP-Anfrage die Praxis, abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan abzuschieben. „Es gibt Regionen in Afghanistan, in die man zurückkehren kann“, sagte ein Behördensprecher. Er betonte, dass Minderjährige nicht abgeschoben würden, wenn sie nicht in Begleitung erwachsener Bezugspersonen seien.

Die Debatte, ob Afghanistan sicher genug für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber ist, wird auch in Deutschland geführt. Das Bundesinnenministerium hatte nach Abschluss eines Rückführungsabkommens mit Afghanistan im Oktober die Bundesländer aufgefordert, abgelehnte Asylbewerber konsequent abzuschieben. Im Dezember wurde mit Sammelabschiebungen begonnen.

Das Vorgehen ist umstritten, weil sich in weiten Teilen Afghanistans Regierungstruppen und radikalislamischen Taliban bekämpfen. Auch die Anschlagsgefahr ist groß. Die Bundesregierung sieht dennoch keinen Grund für einen Abschiebestopp. (afp)