LIVESTREAM: 350.000 bis 950.000 Menschen – Großdemonstration für die Einheit Spaniens

LIVE: In Barcelona demonstrieren bis zu 950.000 Menschen für die Einheit Spaniens. Unter dem Motto "Es reicht! Lasst uns zur Vernunft zurückkehren" versammeln sich Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens.

An der Großdemonstration in Barcelona gegen eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien nehmen mehrere hunderttausend Menschen teil. Die städtische Polizei schätzt die Zahl der Kundgebungsteilnehmer am Sonntagnachmittag auf 350.000. Die Veranstalter sprechen sogar von bis zu 950.000 Teilnehmern.

Zu der Kundgebung unter dem Motto „Es reicht! Lasst uns zur Vernunft zurückkehren“ hat die Organisation Katalanische Zivilgesellschaft aufgerufen. Katalonien ist die größte Industrieregion in Spanien, würde es die Unabhängigkeit erklären, verlöre Spanien ein Sechstel seiner Wirtschaftsleistung.

Die Organisation Katalanische Zivilgesellschaft lehnt die Unabhängigkeit ab.

LIVESTREAM – Demo gegen die katalanische Unabhängigkeit in Barcelona

Auf dem zentralen Urquinaona-Platz in der katalanischen Regionalhauptstadt sangen die Menschen „Viva España“ und schwenkten rot-gelbe Fahnen.

An der Demonstration beteiligte sich auch der Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa. Der Peruaner mit spanischer Staatsangehörigkeit sagte in einer Rede, die spanische Demokratie werde jeder „Unabhängigkeitsverschwörung“ standhalten.

Katalonien ist die größte Industrieregion Spaniens

Katalonien ist die größte Industrieregion Spaniens, die Wirtschaftsleistung ist stärker als die von Schottland oder Griechenland. Die Region hatte 2015 ein Bruttoinlandsprodukt von 204,2 Milliarden Euro – das ist (als eigener Staat) Platz 48 der Welt. Vor Vietnam, Griechenland oder Schottland. Es ist etwa so starkt wie Portugal.

Andererseits ist das BIP so hoch wie (etwa) das von Düsseldorf und sein Umland, einige deutsche Bundesländer liegen noch davor.

Spanien würde 1/6 seiner gesamten Wirtschaftsleistung verlieren und auf Rand 15 der Weltrangliste zurückfallen. Die Industrie ist in Katalonien sehr stark. Es war eine der ersten industrialisierten Regionen Spaniens. VW produziert hier den Seat, die chemische und pharmazeutische Industrie ist um Barcelona herum sehr stark.

Bei dem Unabhängigkeitsreferendum am Sonntag vor einer Woche hatten 90 Prozent der Teilnehmer für eine Abspaltung von Spanien gestimmt, die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent.

Die spanische Zentralregierung hatte mit einem großen Polizeiaufgebot versucht, das vom Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärte Referendum in Katalonien zu verhindern. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Spaniens Staatschef Rajoy verhandelt nicht über die Einheit des Landes

Ministerpräsident Rajoy kündigte in einem Zeitungsinterview an, er werde „sicherstellen“, dass eine Unabhängigkeitserklärung Kataloniens „zu nichts führen wird“.

„Ich schließe nichts aus“, sagte Rajoy der Zeitung „El País“ auf die Frage, ob die Zentralregierung in Madrid Artikel 155 der Verfassung anwenden könnte. Damit könnte Madrid die Regionalregierung entmachten und Katalonien die Teilautonomie entziehen.

„Aber ich muss die Dinge zur rechten Zeit machen“, fügte Rajoy hinzu. Mit Blick auf die katalanische Führung sagte er, es sei „noch immer Zeit“, zurückzurudern und eine harte Reaktion Madrids zu verhindern.

Rajoy wiederholte zudem seine Weigerung, „über die Einheit des Landes zu verhandeln“. Madrid führe „keine Gespräche unter Drohungen“.

Es war Rajoys erstes Zeitungsinterview seit dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am Sonntag vor einer Woche. (ks/afp/dpa)