Mord an Journalistin: Für Maltas Regierungschef ist es das „Einfachste mit dem Finger auf die Opposition zu zeigen“

Maltas Regierungschef Joseph Muscat erhebt schwere Vorwürfe gegen die Opposition: Zwar wolle er nicht darüber spekulieren, wer hinter dem Anschlag auf die Journalistin stehen könnte, das "Einfachste" wäre aber für ihn, "mit dem Finger auf die Opposition zu zeigen", so Muscat.

Bei der Suche nach den Hintermännern des Mordes an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta hat Regierungschef Joseph Muscat schwere Vorwürfe gegen die Opposition erhoben.

Zwar wolle er nicht darüber spekulieren, wer hinter dem Anschlag auf die Journalistin und Bloggerin stehen könnte, das „Einfachste“ wäre aber für ihn, „mit dem Finger auf die Opposition zu zeigen“, sagte Muscat der italienischen Zeitung „La Repubblica“ vom Mittwoch.

Caruana Galizia habe sich in ihren letzten Artikeln mit dem Chef der oppositionellen Nationalistischen Partei, Adrian Delia, befasst, sagte Muscat. Der italienischen Zeitung „La Stampa“ sagte Muscat, die Journalistin habe Delia der „Geldwäsche, Prostitution und mehr“ bezichtigt. Überdies habe sie auf ihrem Blog geschrieben, dass sie Drohungen „von Leuten in der Opposition“ erhalten habe. Er könne dies aber nicht belegen, sagte Muscat.

In der „Repubblica“ bezeichnete Muscat Caruana Galizia erneut als seine „größte Gegnerin“. Die Journalistin habe ihn seit seiner Zeit als Oppositionsführer „angegriffen“. „Aber das war ihr Job“, betonte der Regierungschef. In einem Land wie Malta sei es „undenkbar, dass jemand wegen seines Jobs sterben muss“. Er verprach erneut, die Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu habe er die US-Bundespolizei FBI sowie europäische Sicherheitsbehörden zu den Ermittlungen hinzugezogen.

Caurana Galizia hatte mehrere Korruptionsaffären aufgedeckt. Die Vorwürfe im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ hatten sich auch gegen Vertraute von Muscat gerichtet.

Der Sohn der getöteten Journalistin hatte am Dienstag Muscats Regierung für den Anschlag verantwortlich gemacht. Oppositionsführer Delia forderte Muscat zum Rücktritt auf, weil er es versäumt habe, die Reporterin zu schützen. Muscat wies diesen Vorwurf im maltesischen Fernsehen zurück und sagte, er könne niemandem Polizeischutz geben, der dies nicht wolle.

Die 53-jährige Journalistin war am Montag durch eine Autobombe getötet worden. Am Dienstag trafen Forensik-Experten aus den Niederlanden auf Malta ein, um bei den Ermittlungen zu helfen. Nach Angaben aus Ermittlungskreisen setzten die Attentäter offenbar den Plastiksprengstoff Semtex ein, er häufig bei Terroranschlägen verwendet wird.

Der Mord an der Journalistin hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Zuletzt verurteilten auch die USA das „feige Attentat“. Außenamtssprecherin Heather Nauert versicherte, das FBI helfe bei der Aufklärung. (afp)