Täterschutz: Schweizer Gericht entschädigt untherapierbaren Kinderschänder – 100.000 Franken, weil er zu lange saß

Heute ist Selina 18 Jahre alt, als 8-Jährige wurde sie Opfer eines einschlägig vorbestraften Pädophilen. Im November wurde der Täter freigelassen, weil er als untherapierbar gilt. Zudem sprach ihm das Bundesgericht für eine unangemessene Sicherheitshaft von einem Jahr und fünf Monaten eine Entschädigung zu: 100.000 Schweizer Franken.

Heute ist Selina 18 Jahre alt. 2006 wurde die damals 8-Jährige vergewaltigt, in einer Baubaracke in Starrkirch-Wil.

Ich weiss noch alles, was er mit mir gemacht hat. Es gibt Nächte, da träume ich davon.“

(Selina heute)

Es gebe Tage, an denen sich das düstere Gedankenkarussell in ihrem Kopf nicht stoppen lasse, so die inzwischen 18-Jährige.

Kurz nach der Tat wird William W., ein Schweizer mit kolumbianischer Herkunft verhaftet. Der Mann ist einschlägig vorbestraft, wegen mehrfacher Schändung und mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern. Tatsächlich hatte William W. allein in den 90er Jahren mindesten 15 Mal Kinder missbraucht.

Er hat immer mir die Schuld gegeben, er sagte, dass ich ihn verführt habe und dass ich es wollte, sogar dass ich ihm die Hose runtergelassen habe.“

(Selina heute rückblickend)

Der Täter wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. 2010 wurde eine fünfjährige Therapie hinter Gittern angehängt, die im Mai 2015 abgelaufen war.

Die Behörden wollten eine Verlängerung erwirken, doch der Entscheid zögerte sich hinaus. Wegen fehlender Gutachten ging der Fall durch die gerichtlichen Instanzen. Währenddessen ordneten die Behörden Sicherheitshaft für den Mann an, um ein Freikommen vor dem Gerichtsentscheid zu verhindern.

 

Freigelassen, da untherapierbar

Bereits im August 2015 kam ein Gutachter zu einem eindeutigen Schluss:

Es muss weiterhin von einem deutlichen Rückfallrisiko ausgegangen werden. Besondere Risikosituationen ergeben sich dann, wenn William W. wieder unbeaufsichtigt Kontakt zu Kindern, namentlich minderjährigen Mädchen, haben kann.“

(Gutachter des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universität Bern)

Im September 2016 kam es dann zum Gerichtsentscheid. Es hieß, dass der Kinderschänder alle Therapien boykottiert hatte und erklärte, dass er gesund und keinesfalls pädophil sei. Nach 239 therapeutischen Einzelsitzungen sei man „keinen Zentimeter“ weitergekommen, so der Gutachter vor Gericht.

Laut Strafgesetzbuch dürfe eine Maßnahme nur dann verlängert werden, wenn damit die Gefahr des Täters gemindert werden könne, so der „Tagesanzeiger“. Weil der mehrfache Kinderschänder die Therapie jedoch verweigerte, urteilte das Gericht auf Freilassung. Somit gab es nach Ansicht des Gerichts auch für die Sicherheitshaft im Nachhinein keinen Grund mehr, der als rückfallgefährdet geltende Mann wurde im November freigelassen.

Kinderschänder erhält Entschädigung

Da die Strafe verlängert wurde, bevor ein Gutachten vorlag, forderte der Kinderschänder für diese Zeit vom Gericht eine Entschädigung von 200 Franken pro Tag.

Das Bundesgericht entschied in seinem Urteil vom 8. März 2017, dass der Kinderschänder ein Jahr und fünf Monate zu lange im Gefängnis gesessen habe. Laut Gericht soll nun der Kanton Solothurn dem Untherapierbaren eine Entschädigung von 100.000 Schweizer Franken (93.678 Euro) zahlen, wie die „Solothurner Zeitung“ berichtete.

Seit seiner Freilassung lebte der Schweizer mit kolumbianischen Wurzeln in einem Wohnheim, wurde GPS-überwacht und musste wöchentlich mit der Bewährungshilfe Gespräche führen und eine psychiatrische Behandlung besuchen. Mit der „engmaschigen Bewährungshilfe“ will man verhindern, dass William W. wieder Kinder missbraucht. Doch wie wirksam ist eine solche Maßnahme?

Ein solches Setting ist mit einem enormen Aufwand verbunden und es funktioniert praktisch nie.“

(Marc Graf, Direktor der Forensisch-Psychiatrischen Universitätsklinik Basel)

Für Selina ist die Entschädigung eine „Schweinerei“ und die Freilassung ein Albtraum:

Ich habe Angst, Angst, dass er mir wieder etwas antut. Oder einem anderen Kind.“

(Selina)

Auf der Facebook-Seite des TV-Senders Tele M1 hieß es zu dem Urteil: „Es sind nicht die Kinderschänder, die mir Angst machen, es sind unsere Bundesrichter und Gesetze. Es sollte mal eine Tochter von denen vergewaltigt werden. Mal sehen wie schnell sich die Gesetze dann ändern.“

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