Wiener Ehrenmord: U-Haft gegen 18-Jährigen verlängert – 14-jährige Schwester niedergestochen, weil sie westlich leben wollte

Sie musste Kopftuch tragen, durfte keine Freundinnen haben und lebte in einer schmutzigen und kalten Wohnung. Dann floh die 14-jährige Bakhti zum Jugendamt. Sie wollte wie ihre Schulkameradinnen leben, frei und westlich. Doch die afghanische Familie gönnte es dem Mädchen nicht. Der 18-jährige Bruder beendet das junge Leben seiner Schwester mit zahllosen Messerstichen.

+++UPDATE+++ Im Fall eines sogenannten Ehrenmords eines 18-jährigen Afghanen an seiner 14-jährigen Schwester Bakhti verlängerte das Landgericht Wien die Untersuchungshaft für weitere vier Wochen. Gerichtssprecher Thomas Spreitzer teilte mit, dass die bisherigen Haftgründe aufrecht blieben. Bei Mordverdacht sehe das Gesetz bedingt obligatorisch U-Haft vor, schreibt die „Krone“ dazu.

Weil sich die 14-Jährige offenbar in der nach dem Koran lebenden Familie eingeengt befühlt hatte, flüchtete sie ins Krisenzentrum des Jugendamtes.

Die 14-Jährige durfte keine Freundinnen haben und musste ein Kopftuch tragen. Doch Bakhti wollte ein westliches Leben führen, wie ihre Schulkameradinnen.

Der siebenfache Familienvater, der als Asylbewerber in Wien lebt, soll dem neuen Freund des Mädchens gedroht haben, ihn umzubringen und seiner Tochter soll er mit einer Zwangsheirat in Pakistan gedroht haben, wie zwei weiteren Töchtern.

Ein Leben ohne Wärme

Die Wohnung der Familie wird von der „Krone“ als desolat und kalt beschrieben: Altbau, zweiter Stock, 80 Quadratmeter, mit wenigen kaputten Kästen in den drei Zimmern. Die Türen schließen nicht, von den Schubladen fehlen die Abdeckungen. Vom Herd in der Küche funktioniert nur eine Herdplatte. Der Boden ist mit fleckigen Teppichen bedeckt, die Wände sind schmutzig, Sofas und alte Matratzen sind zu sehen.

Kaltes Neonlicht beleuchtet die Räume, nirgends Bilder, Vasen, Gemütlichkeit. Eine seltsame Art von Kälte sei in der Wohnung spürbar, eine Kälte, die nichts mit Armut zu tun habe, sondern mit Gleichgültigkeit. Der „Krone“ sagte der 46-Jährige, während Ehefrau Maimona S. (38) zur Decke starrt:

Schlecht geht es mir, meine Tochter ist tot, mein Sohn im Gefängnis.“

(Vater Hamedulla, 46)

Nur wenige Tage zuvor hatte der 18-jährige Sohn Hikmatullah S. seine 14-jährige Schwester Bakhti mit 28 Messerstichen ermordet. Sie habe die Ehre der Familie beschmutzt, so der junge Täter gegenüber der Polizei. „Es ist gut, dass sie tot ist.“

Auf dem morgendlichen Schulweg lauerte ihr ihr älterer Bruder mutmaßlich auf …

Tödlicher Schulweg

Montagmorgen, 18. September 2017, gegen 8 Uhr, in Wien-Favoriten: Ein 14-jähriges afghanisches Mädchen befindet sich auf dem Weg zur Schule. Der 18-jährige Bruder der Schülerin lauert ihr auf und verfolgt sie nach einem heftigen Streit in einen Innenhof in der Puchsbaumgasse.

Kurz darauf stirbt das Mädchen an zahlreichen Messerstichen, verblutet an Ort und Stelle. Reanimationsversuche der alarmierten Polizei und der anschließend ankommenden Sanitäter bleiben erfolglos.

Der zunächst vom Tatort geflüchtete Bruder stellt sich später auf einer Polizeidienststelle und gesteht die Tat.

Geplanter Mord?

Wie die „Krone“ berichtete, gab der Bruder Hikmatullah an, das Mädchen „zufällig“ an jenem Morgen des 18. September in der U-Bahn-Station getroffen zu haben. Den Ermittlern gegenüber behauptete der 18-Jährige auch, dass er seine Schwester habe überreden wollen, zur Familie zurückzukehren, was sie abgelehnt hätte.

Wir gingen dann spazieren, dabei kam es zu einem Streit. […] Plötzlich versetzte mir meine Schwester einen Stoß. Dadurch geriet ich in Rage und zog in einer Art Blackout mein Messer.“

(Hikmatullah S., 18)

Bilder einer Überwachungskamera belegten, dass der 18-Jährige seiner Schwester bereits von der Rolltreppe aus gefolgt war. Kurz vorher hatte er seinen roten Motorradhelm am Eingang der Station abgelegt. Diesen holte Vater Hamedulla (46) später dort ab.

Ein Zeuge der Mordtat bestätigte, dass der arbeitslose Hikmatullah S. über Ohrhörer laut telefoniert habe, während er auf das Mädchen einstach.

In Obhut des Jugendamtes

Bereits im Sommer nahm die 14-Jährige Kontakt zum Jugendamt auf, lebte vorübergehend im Krisenzentrum der Behörde. Sie ging jedoch zu ihrer Familie wieder zurück.

Die 14-Jährige war vergangene Woche wieder von zu Hause ausgezogen, weil sie sich zu sehr eingeengt und „unter Druck gesetzt“ gefühlt habe, berichtet die „Krone“.

Sie fand Unterschlupf im Krisenzentrum des Jugendamtes. Sie habe nicht fortgehen dürfen, um sich mit Freundinnen zu treffen, erklärte Petra Madl vom Jugendamt (MA11). Die Eltern der 14-Jährigen hatten sich mit der Unterbringung ihrer Tochter beim Jugendamt einverstanden erklärt und sich kooperativ gezeigt. Die Mutter brachte ihr sogar Kleidung vorbei.

Jugendamt: Attacke unvorhersehbar

Auch habe die 14-Jährige nie darüber gesprochen, dass sie Angst vor ihrer Familie gehabt habe oder sich körperlich bedroht fühle. Nichts habe dagegen gesprochen, dass das Mädchen alleine zur Schule geht. Mit dem 18-jährigen Bruder habe das Jugendamt keinen Kontakt gehabt.

Die Attacke war für uns nicht vorhersehbar und kam völlig überraschend. Hätte man gewusst, dass eine Gefahr besteht, hätten man sie nicht alleine gehen lassen.“

(Petra Mandl, Jugendamt)

Ein Leser der Zeitung kommentiert den Fall:

Das ist Wien im Jahre 2017. Zustände wie in anderen rückständigen Kulturen. Wie wird die Zukunft, wenn niemand gegensteuert. Das kann keiner mehr schön reden oder glauben, dass man solche Leute mit gut zureden westliche Werte vermitteln kann. Das ist unmöglich und die Zukunft wird es leider zeigen, wie naiv Verantwortliche gewesen sind und noch immer so denken. Was muss noch passieren, dass man umdenkt und handelt?“