„Afrikas Weltkrieg“ tötete fünf Millionen Menschen

Der blutige Krieg um das Metall „Koltan“ wartet darauf sich zu wiederholen
Titelbild
In der Playstation 2 von Sony ist eine Menge Koltan verbaut. Für dieses Metall wird im Kongo getötet – oft. (SONY)
Von 3. Juni 2009

In der Umgebung der verarmten Dörfer nahe Lake Kivu im östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo (DRK) erkennt man noch Hinweise auf den Boom. Behelfsmäßige Minen überziehen dort die Landschaft und erinnern ständig daran wie verzweifelt einmal nach einem metallischen Erz mit dem Namen „Koltan“ gesucht wurde.

Natürlich blieb kein bisschen davon im Land. Es wurde auf den Weltmarkt geschüttet, wo es als eine Schlüsselkomponente für die Herstellung von Computern, Handys, Videospielkonsolen und in anderen elektronischen Geräten Verwendung fand.

Auf der ganzen Welt, von Büros in Tokio bis in Kellerwohnungen in Toronto, kann man das Koltan aus dem Kongo in Geräten finden, die wir täglich verwenden. Wenige wissen von seiner Existenz, und noch weniger kennen seine Herkunft.

Aber in der Demokratischen Republik Kongo wird für Koltan gemordet.

Von 1998 bis 2003 kämpften ein halbes Dutzend afrikanische Länder und mehr als 25 Rebellengruppen erbittert um die Kontrolle über die Koltanminen des Landes. In dem als „Afrikas Weltkrieg“ bekannten Kampf wurden mehr als fünf Millionen Menschen getötet. Dorfbewohner wurden mit vorgehaltener Waffe entführt und zum Ausgraben gezwungen. Kinder wurden versklavt und Frauen zu Tausenden vergewaltigt, alles infolge der Jagd nach Koltan. Westliche Firmen empfingen Armeen und Rebellen mit offenen Armen und versuchten weltweit von der Elektroindustrie zu profitieren.

Dabei sollte schließlich Geld gemacht werden. Als die Welt z.B. gespannt auf die 2000er Ausgabe von Sonys Playstation 2 wartete, sprang der Preis für Koltan von 44 Dollar auf 275 Dollar pro Pfund.

Diese Zahlen kamen den Kriegsparteien gerade recht, denn es bedeutete mehr Geld für Waffen und mehr Anreize um die Minen zu kontrollieren. Alleine 1999 brachte Koltan der ruandischen Armee – einer Hauptpartei im Krieg in der Demokratischen Republik Kongo – 250 Millionen Dollar ein.

Die Playstation 2 wurde mittlerweile zur weltweit bestverkauften Spielkonsole.

Auf dem Höhepunkt des Krieges veröffentlichten die Vereinten Nationen einen vernichtenden Bericht, der den Zusammenhang zwischen unserem Koltanverbrauch und der Not in der DRK aufzeigte. Darin stand auch wie Armeen und Rebellen kämpften und töteten um unseren Bedarf zu decken. Der Bericht ging noch weiter und nannte bestimmte amerikanische und europäische Minengesellschaften, die entweder dem Töten gleichgültig gegenüberstanden oder sich direkt mitschuldig machten, indem sie mit den Rebellen zusammenarbeiteten.

Es wurden keine Anschuldigungen erhoben, weil vermutet wird, dass diplomatischer Druck die UN zwang den Bericht zu begraben. Es schien so als sei Habgier entschuldbar, solange sie profitabel war. Die Geschichte um Koltan wurde vergessen.

Wenn das alles bekannt klingt, dann deshalb, weil es altbekannt ist. Koltan ist nur eine von vielen Rohstoffquellen auf einer langen Liste, die für unseren eigenen Konsum aus den Entwicklungsländern geplündert werden. Die Nachfrage des Westens nach Diamanten, Gold und Öl hat eine Spur der Verzweiflung auf ihrem Weg hinterlassen.

Nur wenig scheint sich seit den Tagen von Afrikas Weltkrieg verändert zu haben ein – einschließlich unserer Gleichgültigkeit gegenüber der Not derer, die unsere Waren liefern. In der Demokratischen Republik Kongo sterben immer noch monatlich etwa 45.000 Menschen an Hunger und Krankheit. Der Preis für Koltan dürfte auf Vorkriegsniveau gefallen sein, aber die Menschen leiden dort immer noch.

Schlimmer ist, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis die Kongolesen die schlimmen Auswirkungen unserer Habgier wieder zu spüren bekommen. Wenn sich die nächste große technologische Neuheit ihren Weg bahnt – vielleicht ein neues iPhone oder Nintendo Wii – und unser Koltanvorrat abnimmt, wird der Westen wieder nach Afrika schauen, wo immer noch das meiste Koltan der Welt zu finden ist.

Am Ende des kongolesischen Krieges hatten nur 15 Prozent der Weltbevölkerung ein Handy bestellt. Heute liegt diese Anzahl schon bei über 60 Prozent. Riesige Märkte in China und Indien öffnen sich, wo Millionen Menschen Elektrogeräte in Rekordzahlen kaufen.
Für diejenigen, die vom ersten Koltan-Boom noch ganz benommen sind, ist dies eine tickende Zeitbombe. Niemand würde jemals vorschlagen, dass wir elektronische Waren boykottieren; es ist auch nicht gerecht den Durchschnittsverbraucher wegen der Not in Afrika anzuklagen. Aber ohne ein strenges regulierendes System ähnlich dem, das heute bei Blutdiamanten angewendet wird, wird Koltan Krieg und Tod wieder profitabel machen.

Außerdem müssen wir uns vom übertriebenen Profitstreben, das unsere Gesellschaften zu Partnern der blutdürstigen Rebellen machte, abwenden. Wenn Bernie Madoff und AIG uns die wirtschaftlichen Folgen der Habgier lehrten, dann sollten uns Koltan und die Demokratischen Republik Kongo die Folgen für das menschliche Leben lehren.

Vielleicht würde dann der Massenmord in Afrika die Art von Empörung auslösen wie es faule Hypotheken scheinbar tun.

Zur Person:

Chris Mallinos ist ein Journalist aus der kanadischen Großstadt Toronto, dessen Arbeit auf sechs Kontinenten und in sieben Sprachen erschienen ist. Sie erreichen ihn unter www.chrismallinos.com



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion