Aleppo: Mehrere Offiziere der US-Koalition von syrischer Spezialeinheit verhaftet

In Ost-Aleppo sollen mehrere Offiziere der US-geführten Koalition verhaftet worden sein. Es soll sich um Militärs aus den USA, Saudi-Arabien und sogar aus Deutschland handeln, sagen syrische Quellen.

Syrische Spezialeinheiten sollen bei Kämpfen um Aleppo mindestens 14 Offiziere der US-geführten Koalition in einem Bunker bei Ost-Aleppo verhaftet haben. Der UN-Sicherheitsrat habe daraufhin umgehend eine Tagung unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. Dies berichtete das französischen „Netzwerk Voltaire“ am Freitag.

Die Verhafteten sollen in der Mehrheit Saudis sein, aber auch US-amerikanische, israelische, türkische und katarische Staatsangehörige sollen darunter sein. Bisher konnten die Angaben nicht verifiziert werden. Laut eigenen Angabe hat „Voltaire“ Verbindungen nach Syrien.

Die Nachricht von der Verhaftung der Offiziere kam am Freitag morgen. Neben „Voltaire“ berichtete auch der unabhängige, auf geopolitische Analysen ausgerichtete Blog „21stCenturyWire“. Er machte nähere Angaben zu den Verhafteten und bezog sich dabei auf den Vorsitzenden der syrischen Handelskammer Fares Shehabi. Dieser hatte 14 Namen auf Facebook gepostet.

Als zweite Quelle nannte der Blog den syrischen Journalisten Said Hilal Alcharif. Er schrieb am 15. Dezember über den Vorfall eine auf Facebook. Laut seinen Informationen kommen die Offiziere neben den USA und Saudi-Arabien auch aus Deutschland, Frankreich und Marokko. Er schreibt:

Aufgrund erhaltener Informationen waren die syrischen Sicherheitsbehörden im Stande das unterirdische Hauptquartier hochrangiger westlicher NATO-Offiziere in der Region von Ost-Aleppo ausfindig zu machen und alle lebend gefangen zu nehmen. Einige Namen wurden bereits an syrische Journalisten wie mich weitergeleitet. Bei den Gefangenen handelt es sich um US-Amerikaner, Franzosen, Briten, Deutsche, Israelis, Türken, Saudis, Marokkaner, Kataris und weitere Nationalitäten. Im Lichte ihrer Staatsangehörigkeit und deren Ranges versichere ich Ihnen, dass es sich dabei um einen sehr wichtigen Schatz der syrischen Regierung handelt, der es dieser ermöglichen sollte, in direkte Verhandlungen mit den Ländern zu treten die Syrien zerstört haben.“

Angriff auf westliche Geheim-Zentrale schon im September

Bereits am 21. September 2016 hatte die iranische Nachrichten-Agentur „Fars New Agency“ von Angriffen auf eine ausländische Führungszentrale in Syrien berichtet, die geheimdienstmilitärisch operierte. Durch Raketen russischer Kriegschiffe wurden damals den Angaben zufolge 30 Offiziere getötet. Die Schiffe hatten aus syrischen Küstengewässern heraus gefeuert. Die Geheimzentrale lag in der Region Dar Ta`izzah im westlichen Teil von Aleppo nahe dem Berg Sam’an. Von dem getroffenen Objekt aus seien Angriffe auf Aleppo und Idlib koordiniert worden, so der Bericht.

Michael Chossudovsky, der bekannte kanadische globalisierungskritische Wirtschaftsprofessor aus Ottawa, erklärte zu dem Vorfall:

„Die USA und ihre Alliierten hatten in der Region Aleppos eine geheimdienstliche Operationszentrale eingerichtet. Bis zu dem Zeitpunkt als diese von russischen Raketen angegriffen wurde, wurde die ‚halb-geheime’ Einrichtung von Geheimdienstpersonal aus den USA, Großbritannien, Israel, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar geführt“.

Offiziell waren die Angaben über die zerstörte Führungszentrale weder von den sogenannten gemäßigten Rebellen, noch von der westlichen Militärallianz gegen den Islamischen Staat bestätigt worden.

Von USA trainierte Rebellen liefen zu Radikalen über

Der renommierte Prof. Günter Meyer vom „Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt“ an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz gab kürzlich im ZDF ein Interview bei „heute.de“. Darin sagte er, dass Rebellen, die von den USA ausgebildet und mit Waffen ausgestattet worden waren, größtenteils zu den radikalen Dschihadisten [Al-Kaida-Netzwerk und Al-Nusra-Front] übergelaufen seien.

Meyer forscht seit fast vier Jahrzehnten zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung in Syrien und ist Präsident der European Association for Middle Eastern Studies.

USA sandten Anfang Dezember Verstärkung

Offiziell befindet sich derzeit eine 300 Mann starke US- Spezialeinheit in Syrien. Zu deren Verstärkung war Anfang Dezember von der US-Regierung eine weitere Entsendung von 200 militärischen Spezialkräften beschlossen worden. Auf der offiziellen Webseite „Army- Technology“ wird US-Verteidigunsminister Ashton Carter wie folgt zitiert:

„Diese letzte Zusage zur Entsendung zusätzlicher Einheiten nach Syrien ist ein weiterer wichtiger Schritt um es unseren Partnern zu ermöglichen, dem IS eine nachhaltige Niederlage beizubringen“.

Unter Betrachtung der Analysen des Nahost-Experten Meyer erschließt sich die Aussage des amerikanischen Verteidigungsministers Carter nicht:

Sollten sich tatsächlich westliche Offiziere in syrischem Arrest befinden, dürfte Präsident Assad kein lang andauerndes Interesse an Geheimhaltung haben, denn der Ort der vermeintlichen Gefangenennahme – Aleppo – wäre nach westlichen Militärallianz-Angaben kein Gebiet des Islamischen Staates.

(mw / rf)