Aus Berlin verschleppter Vietnamese zu zweiter lebenslanger Haft verurteilt

Der aus Berlin entführte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist in seiner Heimat zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht befand den Ex-Chef eines Staatskonzerns der Unterschlagung für schuldig.

Der aus Berlin entführte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh ist in seiner Heimat zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht befand den ehemaligen Chef des Staatskonzerns PetroVietnam Construction (PVC) am Montag der Unterschlagung für schuldig, berichtete die staatliche Nachrichtenwebseite „VNExpress“. Bereits im Januar war Thanh in einem anderen Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der Ex-Chef des staatlichen Erdölförderanlagen-Unternehmens PVC veruntreute nach Auffassung des Gerichts bei einem Immobilienprojekt Staatsgelder in Höhe von 620.000 US-Dollar. Neben Thanh wurden bei dem zweiwöchigen Prozess in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi dem Medienbericht zufolge sieben weitere Angeklagte wegen Unterschlagung verurteilt. Sie erhielten Haftstrafen zwischen sechs und 16 Jahren.

Die Taten seien ein „Symbol für ethischen Niedergang und Korruption von Staatsbediensteten“, zitierte „VNExpress“ die Staatsanwaltschaft.

Thanh erhielt demnach als Hauptverantwortlicher die höchste Strafe aller Angeklagten. Bei Unterschlagung droht in Vietnam die Todesstrafe. Dieser entging Thanh laut dem Medienbericht, weil er sich während des Prozesses kooperationsbereit gezeigt habe.

Bereits im Januar hatte Thanh in einem anderen Prozess wegen Misswirtschaft eine 14-jährige Haftstrafe erhalten, die Verurteilung wegen Unterschlagung hatte ihm eine lebenslange Gefängnisstrafe eingebracht. 21 Mitangeklagte wurden in dem Verfahren zu Strafen zwischen 30 Monaten auf Bewährung und 22 Jahren Haft verurteilt, unter ihnen das ehemalige Politbüro-Mitglied Dinh La Thang.

Die kommunistische Einheitspartei Vietnams geht derzeit massiv gegen mutmaßlich korrupte Politiker und Wirtschaftsführer vor. Beobachter vermuten dahinter aber auch einen internen Machtkampf.

Thanh war 2016 nach Deutschland geflohen und beantragte hier Asyl, nachdem Fotos aufgetaucht waren, die ihn am Steuer eines Luxusautos mit Regierungskennzeichen zeigten. Ende Juli wurde er nach Angaben der deutschen Behörden vom vietnamesischen Geheimdienst aus dem Berliner Tiergarten verschleppt und nach Vietnam gebracht.

Der Entführungsfall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Berlin und Hanoi aus. Das Auswärtige Amt (AA) sprach von „Menschenraub“ und „Entführung“. Die vietnamesische Regierung bestreitet die Vorwürfe. Sie betont, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, um sich dem Verfahren zu stellen. (afp)

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