Axel Retz fragt vor Pfingsten: Luther, Reformation, Heiliger Geist – wo seid Ihr?

Rechtzeitig zum Pfingstfest erreichte uns eine ebenso traurig-komische wie sarkastische Betrachtung von Gastautor Axel Retz zum Evangelischen Kirchentag am letzten Wochenende und einige seiner Fragen dazu.

Beim Evangelischen Kirchentag in Berlin, den manche Kritiker als politisches Schaulaufen und Schulterschluss zwischen Politik und Kirche betrachten, kam es am Freitag der vergangenen Woche zu einem kleinen Eklat:

Als der Moderator die Anwesenden zum Aufstehen und einer Schweigeminute für die im Mittelmeer ums Leben gekommenen Flüchtlinge aufforderte, wollte einer der Anwesenden ganz und gar nicht schweigen. Und er bezichtigte die EKD des Unrechts und der Heuchelei:

 Eklat beim evangelischen Kirchentag: „Was hier geschieht ist Unrecht! Eine Heuchelei!“

Leider lässt sich akustisch nicht alles recht verstehen, der Anfang seiner Rede aber schon, in der er dem Westen die Gründe für das Elend in Afrika vor Augen und den Versammelten ihre scheinheilige Doppel­züngigkeit vorhält.

Der Mann wurde aus dem Saal geführt und vom Kirchentag ausgeschlossen. Ausgerechnet im „Lutherjahr“, in dem des Reformators gedacht wird, der sich gegen das Obrigkeitsdenken der Kirche und die Verbande­lung mit den Herrschenden richtete.

„Pfaffen sollen beten und nicht regieren.“, meinte Luther. Heute tritt die gutmenschliche EKD mit dem Droh­nenbaron, Ex-US-Präsident Obama, und der Kanzlerin der offenen Grenzen gemeinsam auf. Die Kirche, heißt es dazu, dürfte nicht wie im Dritten Reich schweigen, wenn es um Unrecht gehe. Ach ja?

Wo sind die Statements der EKD zu den deutschen Waffenexporten? Habe ich sie überhört? Wo ist ihr Statement zu US-Präsident Trump, der mit einer noch nicht ganz trockenen Unterschrift unter ein milliarden­schweres Rüstungsabkommen mit Saudi-Arabien in den Vatikan eilt, um mal mit dem Papst zu plaudern?

Wo ist die Stellungnahme zur Ausplünderung Afrikas und zur subventionierten Unterdrückung der dortigen Wirtschaft?

Wo sind ihre fast zeitgleich zur durchgeführten Schweigeminute erfolgten Statements zu der Ermordung von 28 ermordeten koptischen Christen in Ägypten, wo ihre Schweigeminuten für die durch Zuwanderer Ermor­deten, Vergewaltigten, Verprügelten, U-Bahn-Treppen Hinuntergestoßenen? Wo ihre Schweigeminuten für all die Frauen, die sich nicht mehr alleine auf die Straße trauen, wo ihre Schweigeminute für ein von einem Kameruner erstochenes, siebenjähriges Mädchen aus Karlsruhe? Wo sind ihre Statements zu der wach­senden Heerschar Obdachloser oder verarmender Rentner, die in Papierkörben nach etwas Verwertbarem kramen?

Wo sind ihre Statements zu Meinungsfreiheit, gegen Entdemokratisierung und gewollte Gleichschaltung? Wo sind ihre Statements zu Manchester? Wo ihre Schweigeminuten für die Opfer von Berlin oder Paris?

Weder von der EKD noch von der RK vernehme ich irgendetwas, was in Richtung Verteidigung des Christen­tums hinweist. Und höre und sehe eine zunehmende Anbiederung an den Zeitgeist. Und ein blindwütiges Eindreschen auf alles, was als „rechts“ gilt – und das ist heute jeder, der die Politik der gewollten und geför­derten Massenmigration in Frage zu stellen wagt. Und was „rechts“ auch ist, das hat auf dem Evangelischen Kirchentag Heinrich Bedord-Strohms Vorgängerin im Amt, Frau Margot Käßmann kundgetan: „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht.“

Der Aufschrei war groß. Erst im Netz. Und dann bei Frau Käßmann selbst, die ihre Aussage „aus dem Zusammenhang gerissen“ sah. Sehe ich mir diesen Zusammenhang an, wird‘s aber eher schlimmer als besser. Die frühere EKD-Ratsvorsitzende rückte die im Wahlprogramm der AfD nachzulesende Forderung nach einer höheren Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung (von „bio-deutsch“ steht da nichts) in die Nähe des „Arierparagrafen der Nationalsozialisten“.

Wer es sich als von Frau Käßmann definierter, genetischer Nazi antun will, hier Auszüge ihres Statements.

Wirbel um Margot Käßmann-Zitat: „Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: ‚Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht“

Ich weiß nicht, ich weiß nicht, aber irgendwie erinnert mich das arg an vehementen Rassismus und die nationalsozialistische „Rassenhygiene“ – nur dass sie sich diesmal gegen die deutsche Bevölkerung selbst richtet. Wer im Dritten Reich jüdische Eltern und Großeltern hatte, der galt als „Volljude“ Was bitte anderes betreibt Frau Käßmann als lupenreinen Rassismus?

Die Forderung nach einer höheren Reproduktionsrate der einheimischen Bevölkerung, Frau Käßmann, ist etwas, um das sich die Politik schon längst hätte kümmern müssen. Dann gäbe es das allseits beklagte demographische Problem überhaupt nicht. Stattdessen weicht die EKD, dem Zeitgeist treu ergeben, das christlich-abendländische Familienbild auf.

Bischöfin Petra Bosse-Huber, Vizepräsidentin des Kirchenamts der EKD, erklärte dazu: „Es braucht noch viel theologische Arbeit, um die Bilder auszurotten, dass nach der Bibel Mann und Frau füreinander geschaffen wurden.“

Na dann mal viel Spaß beim Ausrotten, Frau Bischöfin. 500 Jahre nach der Reformation besteht in der EKD selbst dringendster Reformationsbedarf!

Der EKD liefen die Gläubigen schon vor dem Kirchentag in Scharen davon, prozentual betrachtet noch schlim­mer als bei der von Missbrauchsskandalen durchgeschüttelten RK. Der Kirchentag dürfte diesen Exodus vermutlich noch einmal erheblich dynamisieren. Nicht zuletzt, weil die Kirche zu diesem Anlass flugs auch noch auf den Genderwahn aufgesprungen ist. Was selbst bei der FAZ das Fass zum Überlaufen brachte: Ändergender gegen Gott

Vielleicht hat auch hierzu Martin Luther ins Schwarze getroffen: „Die rechte, wahre Kirche ist gar ein kleines Häuflein, hat kein oder gar wenig Ansehen, liegt unter dem Kreuze. Aber die falsche Kirche ist prächtig, blühet und hat ein schön groß Ansehen wie Sodom.“

Der „positive“ Abschluss

Wie angekündigt, will ich jede Ausgabe meines Newsletters fortan mit einem „positiven“ Abschluss aus­klingen lassen. Diesmal aus gegebenem Anlass mit einem Witz:

Im Himmel beschließt man, wieder einmal die Erde zu besuchen. Aber wo? Der erste Vorschlag: Israel. Aber Jesus winkt ab und gibt zu bedenken, dass er da keine guten Erfahrungen gemacht habe. Zweiter Vorschlag: Rom. Dagegen sträubt sich Paulus und verweist darauf, dass er dort vor langer Zeit hingerichtet wurde. Dritter Vorschlag: Ein evangelischer Kirchentag in Deutschland. Allgemeine Unschlüssigkeit. Bis der Heilige Geist plötzlich ruft: Oh ja, da war ich ja noch nie!“

Was daran positiv ist? Positiv ist, dass ich diesen Witz am vergangenen Wochenende bei einem Tässchen Kaffee einem befreundeten Pfarrersehepaar erzählte, das ihn seinerseits voll und ganz bestätigte. Christliche Pfarrer gibt es noch. Nicht nur in der EKD, sondern auch in der RK. Aber, wie man mir sagte, leiden sie an der Kirche. Ich auch.

Axel Retz in weiteren Artikeln:

3. Juli 2016: So zerstören wir uns selbst: Zwei rechts – zwei links – und die Mitte fallengelassen!

7. Februar 2016: Die Welt zu Gast bei Freunden – oder – Die Welt schüttelt den Kopf über Merkels Kurs

19. September 2015: Dringende Aufforderung zum eigenen Denken: Über den inneren und den äußeren Frieden

Axel Retz ist seit über 25 Jahren als Chefredakteur von Börsenmagazinen und Börsendiensten tätig und betreibt die Portale www.private-profits.de und www.moneyversum.de

EPOCH TIMES: Die Meinungen unserer Gastautoren entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion oder der unserer anderen Gastautoren.