Damaskus spricht von „Kriegsverbrechen“: Dutzende syrische Soldaten bei US-geführtem Angriff getötet

Die von den USA angeführte Militärkoalition hat bei einem der bislang blutigsten Angriffe auf regierungstreue Kämpfer in Syrien dutzende Menschen getötet. Damaskus verurteilte ein "Kriegsverbrechen".

Die US-geführte Militärkoalition hat bei einem der bislang blutigsten Angriffe auf regierungstreue Kämpfer in Syrien dutzende Menschen getötet.

Ein US-Militärvertreter in Washington sprach am Donnerstag von mehr als hundert getöteten Kämpfern, die zuvor Stellungen der mit den USA verbündeten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) attackiert hätten. Damaskus sprach von einem „Kriegsverbrechen“. Derweil wurden bei Angriffen auf die Rebellenhochburg Ost-Ghuta erneut dutzende Zivilisten getötet.

Laut dem US-Militärvertreter hatten die Regierungstruppen das SDF-Hauptquartier in der Provinz Deir Essor mit Panzern und Artillerie beschossen. Daraufhin habe die US-geführte Koalition in der Nacht zu Donnerstag zur „Selbstverteidigung“ einen Gegenangriff mit Kampfflugzeugen und Artillerie gestartet.

Die Regierung in Damaskus verurteilte ein „Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Diese Angriffe bestätigten „die schändlichen Absichten der Amerikaner hinsichtlich Syrien und dessen Souveränität“, schrieb das syrische Außenministerium in einem Brief an UN-Generalsekretär Antonio Guterres und den Vorsitz des UN-Sicherheitsrates.

Bei den SDF handelt es sich um ein kurdisch-arabisches Bündnis, das von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) dominiert wird. Die USA gehen mit den SDF derzeit gegen die letzten IS-Kämpfer vor, wollen aber auch nach dem Sieg über die Dschihadisten an dem Bündnis festhalten und mit der SDF eine „Grenzschutztruppe“ aufbauen.

Türkei greift Kurden in Syrien an

Dies stößt nicht nur in Damaskus, sondern auch in Ankara auf scharfe Kritik, da die Türkei eine weitere Stärkung der syrischen Kurden verhindern will und in der YPG den syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sieht.

Die türkische Armee geht seit Januar gegen YPG-Kämpfer in der nordwestlichen Region Afrin vor. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Donnerstag, das bisherige Vorgehen in Afrin sei nur eine „Aufwärmübung“, in den kommenden Tagen werde es „weitere Schritte“ geben. Er hatte schon wiederholt gedroht, die Offensive auch auf die Stadt Manbidsch auszudehnen.

Anders als in Afrin sind in Manbidsch US-Soldaten zur Unterstützung der SDF-Einheiten stationiert. Ein türkischer Angriff könnte damit zu einer direkten Konfrontation zwischen den Nato-Partnern führen. Um dies zu vermeiden, werden kommende Woche US-Außenminister Rex Tillerson und Sicherheitsberater H.R. McMaster zu Gesprächen in die Türkei reisen.

Ankara teilte am Donnerstag zudem mit, dass Erdogan bei einem Telefonat mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin vereinbart habe, dass sie demnächst in Istanbul mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zu einem Dreiergipfel zusammenkämen. Auch mit Ruhani habe sich Erdogan telefonisch über ein solches Treffen verständigt. Die drei Länder setzen sich seit Anfang 2017 für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts ein.

Die syrischen Regierungstruppen verstärkten jedoch zuletzt ihre Angriffe auf die Rebellen und Terroristen.

UN fordert Waffenstillstand

Das US-Außenministerium unterstützte in einer Stellungnahme die UN-Forderung nach einem Waffenstillstand in Ost-Ghuta. Die gemeinsamen Angriffe der syrischen Regierung und russischer Streitkräfte „müssen jetzt aufhören“, sagte Sprecherin Heather Nauert.

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia bezeichnete eine solche Waffenruhe aber als „nicht realistisch“. Russland sei zwar für eine Waffenruhe; er sei aber nicht sicher, dass die Terroristen einverstanden seien.

Der UN-Sicherheitsrat wollte später am Donnerstag hinter geschlossenen Türen über die humanitäre Lage sprechen, nachdem die UN-Vertreter in Damaskus eine einmonatige Kampfpause gefordert hatten, um Hilfslieferungen zu erlauben. Allein in Ost-Ghuta leben rund 400.000 Menschen seit Jahren unter Belagerung, landesweit sind 13 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. (afp/so)

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