Dr. Asserate bei KenFM: Die Europäer müssen „Nein“ sagen lernen gegenüber den afrikanischen Herrschern + Video

Dr. Asserate, langjähriger Afrika-Berater von Unternehmen, sagte bei KenFM: Man hat mit Entwicklungshilfe alles probiert und kam zu keinem Ergebnis. Denn die "Gute Regierungsführung" wurde ausgelassen. "Es wurde den afrikanischen Herrschern nie die Meinung gesagt." Die Europäer müssen nun verstehen, dass sie "Nein" sagen müssen gegenüber den Gewaltherrschern, die ihrem eigenen Volk keine Zukunft geben.

„KenFM“ sprach Ende des Jahres 2016 mit Dr. Asfa-Wossen Asserate über „Die neue Völkerwanderung“. Asserate ist Experte aus Äthiopien und langjähriger Afrika-Berater von Unternehmen und Buchautor.

Seine Empfehlung ist nicht, mehr Geld in Flüchtlingslager oder Entwicklungszusammensarbeit zu stecken. Der Experte weiß, dass mit Entwicklungshilfe alles probiert wurde und es zu keinem Ergebnis kam. Das hat seinen Grund: Denn die „Good Governments“ – die „Gute Regierungsführung“ wurde ausgelassen.

„Es wurde den afrikanischen Herrschern nie die Meinung gesagt“

Dr. Asserate sagt im Gespräch mit dem Journalist Ken Jebsen: „Diese Kleptomaten lachten sich tot über den erhobenen Zeigefinder der Reden europäischer Regierungen zu besseren Menschenrechten im Land“. Die Europäer müssen nun verstehen, dass sie „Nein“ sagen müssen gegenüber den Gewaltherrschern, die ihrem eigenen Volk keine Zukunft geben.

Er plädiert dafür, die Bauern vor Ort zu unterstützen, dass sie – wenn sie wollen – sich zusammenschließen, einen Traktor und Saatgut kaufen. Die Regierung solle ihnen sagen, was sich im Anbau lohnt – „das ist doch machbar“. Bevor etwas exportiert werden könne, sollte die Nahrungsgrundlage für die Menschen vor Ort geschaffen werden. Erst dann könne sich Afrika selbst versorgen, so Asserate.

Gute Beispiele seien Botswana und Mauritius, „sie sind demokratisch, haben eine blendende Wirtschaft, gute Beziehungen und es gibt keine Unterdrückung in ihren Ländern.“

Die aktuelle Flüchtlingswelle ist selbstgemacht

Dr. Asserate weiß, dass die aktuelle Flüchtlingswelle hausgemacht ist. Westliche Agrarpolitik und Exportpolitik bedrohten die Lebensgrundlagen, hinzu komme der zunehmende Landraub durch Großkonzerne und Staaten, die aufgezwungene Globalisierung, Weltbank und IWF, betont er. Wegen Bodenschätzen würden afrikanische Regierungen unterstützt und auch mit Waffen beliefert, um demokratische Bewegungen im Keim zu ersticken.

Man müsse sich also nicht wundern, wenn der immer mehr zunehmende soziale Druck in Afrika zu einer Welle der Gewalt führe. Europa sollte nicht denken, dass die Menschen in Afrika nicht wüssten, was hier los ist.

„Sie wissen auch durch die Technik, dass in Europa die guten wirtschaftlichen Zeiten vorbei sind“, so Asserate. Er meint es wäre hilfreich, wenn abgelehnte Asylbewerber zu Hause erzählten, wie schlimm es in den Asylbewerberheimen zugehe, dass es nur Essensmarken gebe, etc. – jedoch seien dies für Afrikaner immer noch paradiesische Zustände.

Menschen mit Geld an der Flucht hindern?

Im Gespräch mit Ken Jebsen sagt der Experte deutlich: „Europa steht kurz davor, überrannt zu werden.“ Und: „Wenn es den Millionen Vertriebenen gelingt, sich bis an die afrikanischen Küsten des Mittelmeeres durchzuschlagen, kann sie niemand mehr aufhalten. Europa wird überrannt.“

Dr. Asserate erklärt auch: „Frontex kann vielleicht 100.000 illegale Einwanderer auffischen. Kommen Millionen, wird kein militärischer Schutzwall diese wütenden, hungrigen, um ihr Überleben kämpfenden Massen aufhalten.“

Nun gibt es die Idee, afrikanischen Staatsoberhäuptern Geld zu zahlen, um die Menschen an der Flucht zu hindern – „doch das ist höchstens Symbolpolitik“. Denn den lokalen Regierungen sei daran gelegen, die Zahlungen aufrechtzuerhalten. Hinzu kämen die Milliarden, die ausgewanderte Afrikaner nach Hause überweisen.

Dr. Asserate forderte deshalb im „Focus“ eine neue Afrika-Politik Europas: „Die Stärkung der lokalen Wirtschaft“ sei „der einzig sinnvolle Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit“.

Im Video: KenFM im Gespräch mit Dr. Asfa-Wossen Asserate „Die neue Völkerwanderung“

00:46:05 Wer profitiert von der Entwicklungshilfe für Afrika?
01:24:29 Die deutsche Flüchtlingspolitik und Rechtsruck in Europa
01:30:00 Lösungsansätze für Afrika und Europa: Eine Politik der „Good Gouvernance“

Zur Person Dr. Asserate und zu Äthiopien

Dr. Asserate ist königlicher Abstammung. Seine Familie war über fünfzehn Jahre in Sippenhaft durch die äthiopische Revolution 1974, sein Vater war der zweite Mann im Staate und wurde durch die sozialistische Militärdiktatur 1974 ermordet. Dr. Asserate war zu diesem Zeitpunkt zum Studium in Frankfurt und wurde zum ersten äthiopischen Flüchtling, der in Deutschland Zuflucht suchte und eine Duldung als Staatenloser erhielt. Für ihn ist Frankfurt seine Heimat und Äthiopien sein Vaterland.

Vor 1974 lebten 120 Ethien in Äthiopien und wurden durch den Kaiser zusammengehalten. Es gab damals nur acht äthiopische Flüchtlinge auf der ganzen Welt, die Misere Äthiopiens fing mit der Sozialistischen Militärdiktatur 1974 an, bis dahin lebten die Menschen Äthiopiens in ihrem Land. 1991 brach das System zusammen und seither kommt Äthiopien nur schwer zur Ruhe.