Düstere Töne bei diesjährigen Weihnachtsbotschaften: „Angst vor Fremden führt zu weiterer Gewalt“

Im Petersdom in Rom rief Papst Franziskus am Heiligabend die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit zum Mitgefühl mit allen Kindern auf, die Opfer von Krieg, Flucht und Obdachlosigkeit sind. Jeder sollte sich nicht nur vom "Kind in der Krippe" anrühren lassen, sondern sich auch der Kinder annehmen, die nicht von der Liebe einer Mutter oder eines Vaters umgeben seien, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Christliche Würdenträger vom Vatikan bis Bethlehem haben in ihren Weihnachtsansprachen düstere Töne angeschlagen. Viele sprachen von Krieg, Ängsten und einer zunehmenden Spaltung zwischen den Religionen und in der Gesellschaft. Aus Sorge vor islamistischen Anschlägen feierten viele europäische Städte Weihnachten unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen.

Im Petersdom in Rom rief Papst Franziskus am Heiligabend die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit zum Mitgefühl mit allen Kindern auf, die Opfer von Krieg, Flucht und Obdachlosigkeit sind. Jeder sollte sich nicht nur vom „Kind in der Krippe“ anrühren lassen, sondern sich auch der Kinder annehmen, die nicht von der Liebe einer Mutter oder eines Vaters umgeben seien, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Viele Kinder müssten heute im Bunker ausharren, um den Bombardierungen zu entkommen, „auf dem Bürgersteig einer großen Stadt“ oder „auf dem Boden eines mit Migranten überladenen Schleppkahns“, sagte der Papst. Viele hielten statt Spielzeug „Waffen in den Händen“. Franziskus mahnte, Weihnachten dürfe kein Fest werden, bei dem „wir uns abmühen für die Geschenke und den Ausgegrenzten gegenüber gefühllos bleiben“.

Auch der Leiter des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, forderte Hilfe für die notleidenden Flüchtlinge ein. „Wir fürchten uns vor dem Fremden, der an die Tür unseres Heims klopft oder an den Grenzen unserer Länder steht“, sagte Pizzaballa während der Mitternachtsmesse in der St. Katharinenkirche neben der Geburtskirche von Bethlehem, an der auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, ein Muslim, teilnahm. Dieses Verhalten sei Sinnbild der Angst, die stets zu weiterer Gewalt führe.

Das geistliche Oberhaupt der Anglikaner, der Erzbischof von Canterbury Justin Welby, sprach in seiner Weihnachtsbotschaft ebenfalls von einer gespaltenen Welt. „Zum Ende des Jahres 2016 finden wir uns in einer anderen Welt wieder; einer Welt, die weniger vorhersehbar ist und stärker als bisher von Angst und Spaltung überschwemmt“, sagte er laut vorab verbreitetem Redetext.

Unterdessen bereiteten sich die Christen, im von den syrischen Regierungstruppen inzwischen vollständig eingenommenen Aleppo, auf ihr erstes Weihnachtsfest seit langem vor. Mitglieder der katholischen Minderheit versuchten, die zum Teil zerstörte Kirche Sankt Elias in der Altstadt von Aleppo für die erste Weihnachtsmesse seit fünf Jahren herzurichten. „Wir wollen all diese Zerstörung in etwas Schönes umwandeln“, sagte einer von ihnen, Baschir Badawi.

Auch im Irak, in dem unweit von Mossul gelegenen Ort Bartalla, waren die Bänke der von Bränden schwer gezeichneten Kirche Mar Schimoni gut gefüllt. Dort feierte die Christen ihr erstes Weihnachtsfest, seit die Dschihadistenmiliz Islamischer Stadt (IS) vor zwei Jahren Bartalla eingenommen hatte. „Wir fühlen uns, als hätten wir unser Leben wieder“, sagte eine Einwohnerin des inzwischen wieder befreiten Orts.

Viele Städte in Europa feierten Weihnachten unter dem Eindruck des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem zwölf Menschen getötet wurden. Berliner und Touristen gedachten auf dem Weihnachtsmarkt der Opfer, während die Behörden unter Hochdruck nach möglichen Komplizen des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri suchten.

In Mailand, wo Amri am Freitag bei einer Polizeikontrolle erschossen wurde, herrschten rund um den Dom scharfe Sicherheitsvorkehrungen. In Frankreich waren 91.000 Polizisten, Gendarmen und Soldaten zur Bewachung von Kirchen, Weihnachtsmärkten und anderen öffentlichen Plätze im Einsatz.

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen wurden unterdessen mindestens 13 Menschen bei der Explosion eines Polizeiwagens vor einer Kirche verletzt. (afp)