„Eine Geschichte hat immer zwei Seiten“: Trump differenziert Sicht auf Charlottesville (+VIDEO)

„Es gab eine Gruppe auf einer Seite, die schlimm war und eine Gruppe auf der anderen, die auch sehr gewalttätig war." US-Präsident Trump hat auf einer Pressekonferenz seine Sicht auf die Ereignisse von Charlottesville dargelegt.

Bei einer Pressekonferenz in New York hat US-Präsident Donald Trump gestern ein weiteres Statement zu den Ereignissen von Charlottesville abgegeben. Dabei verteidigte er seine Kommunikationsstrategie, die ihm viel Kritik eingebracht hatte.

Im Gegensatz zu den meisten Politikern habe er sicherstellen wollen, „dass das, was ich gesagt habe, korrekt ist“, so Trump. „Mein Statement vom Samstag war ein feines Statement, aber man macht keine derart direkten Statements, solange man nicht die Fakten kennt.“

Trump hatte zunächst „Gewalt von vielen Seiten“ verurteilt und dann mit bemerkenswerter Betonung gesagt, dass kein Kind Angst davor haben sollte, nach draußen zum Spielen zu gehen. (Ein Statement, das völlig aus dem Zusammenhang fiel und an Geheimdienste und hochrangige Pädo-Kriminelle adressiert gewesen sein dürfte.)

Medien waren sodann empört, dass Trump nicht ausdrücklich Neonazis, Ku Klux Klan und Weißsuprematisten die Schuld an den gewalttätigen Ausschreitungen von Charlottesville gegeben hatte. In dem Ort war es zu Ausschreitungen rechter und linker Demonstranten gekommen, da die Polizei die beiden Lager nicht auseinander gehalten hatte. Zudem raste ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge, wobei eine Frau getötet und 19 weitere Menschen verletzt wurden.

Komplette Pressekonferenz:

Trump machte klar, dass die Gruppen, die er verurteile (Neonazis und Weißsuprematisten), lediglich Gruppen innerhalb einer größeren Menge von Demonstranten waren, von denen die meisten anständige Leute gewesen seien, ebenso wie bei den Gegendemonstranten anständige Leute waren, aber auch Unruhestifter, die in schwarzen Outfits, Helmen und mit Baseball-Schlägern ankamen.

Die Leute, die gegen die Entfernung einer Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee demonstrierten, hätten dies sehr legal, da mit Erlaubnis getan. Die Gegendemonstration habe dagegen ohne Erlaubnis stattgefunden, belehrte Trump die Journalisten. Und unter den Gegendemonstranten seien einige sehr gewalttätig gewesen.

Es gab eine Gruppe auf einer Seite, die schlimm war und eine Gruppe auf der anderen, die auch sehr gewalttätig war. Und niemand will das sagen. Aber ich sage das jetzt.“ US-Präsident Donald Trump

Als eine Journalistin ihn zur „Alt-Right“-Bewegung (deutsch: Alternative Rechte) befragen wollte, konterte Trump: „Definieren Sie mir die Alternative Rechte“. Man müsse außerdem über die „Alternative Linke“ sprechen, die ankam, um die Alternative Rechte mit Knüppeln zu konfrontieren, so Trump (der kurzerhand den Begriff „Alt-Left“ erfand). „Haben diese Leute ein Problem? Ich denke, ja.“

„Eine Geschichte hat immer zwei Seiten. Was passiert ist, war ein schrecklicher Moment für unser Land“, so der US-Präsident weiter.

Veränderung der Geschichte und Kultur

Trump äußerte außerdem, die Demontage der Robert E. Lee-Statue, gegen die Menschen friedlich demonstrieren wollten sei eine Veränderung der Geschichte und eine Veränderung der Kultur. George Washington sei Sklavenbesitzer gewesen, auch Thomas Jefferson sei ein großer Sklavenbesitzer gewesen. „Mögen Sie Thomas Jefferson?“, fragte er einen Journalisten, der bejahte. „Also müssen wir jetzt sein Denkmal demontieren“, so Trump. Er frage sich, wo das ganze noch ende.

Über den Autofahrer, der in eine Menschenmenge von Gegendemonstranten raste und eine junge Frau tötete, sagte Trump:

„Ich denke, der Autofahrer ist eine Schande für sich selbst, seine Familie und dieses Land“, ob man ihn nun Mörder oder Terroristen nenne, sei eine juristische Frage. „Der Autofahrer ist ein Mörder und was er tat war ein schreckliche Sache“, so der US-Präsident.

Hintergrund:

Wegen der Beteiligung rechtsradikaler Gruppen an der Demo in Charlottesville, zu der auch Trump-Unterstützer kamen, ist die Geschichte geeignet, um die Trump-Basis allgemein in Verruf zu bringen. Weil der US-Präsident sich weigerte, die „Alternativen Rechten“ komplett zum Sündenbock abzustempeln, wurde er scharf attackiert. Auch jetzt wird seine Pressekonferenz so berichtet, als habe Trump seine Statements über Neonazis relativiert.

Am Montag hatte Trump in Washington die „rassistische Gewalt“ von Charlottesville verurteilt und erklärt: „Rassismus ist böse.“ Diejenigen, die Gewalt im Namen des Rassismus ausüben würden, seien „Kriminelle und Verbrecher“. Explizit nannte der US-Präsident den Ku-Klux-Klan, Neonazis und Anhänger der „White Supremacy“-Bewegung.

Danach twitterte er: „… habe einmal mehr festgestellt, dass die Fake News Medien nie zufrieden sein werden … wirklich schlechte Menschen!“

Siehe auch:

Trump verurteilt „Gewalt von vielen Seiten“ nach tödlicher Südstaaten-Demo

Medienwirbel um tödliche US-Demo mit Auto-Attacke: Ein abgekartetesn Spiel?