Erdogan: Die Türkei „ist nicht der Prügelknabe“ der EU und „Europa wird bald türkisch sein“

Der türkische Staatschef Erdogan ist sicher: "Die Zukunft Europas werden unsere fünf Millionen Brüder formen, die sich aus der Türkei dort angesiedelt haben. Für Europa, dessen Bevölkerung altert, dessen Wirtschaft erlahmt und dessen Kraft versiegt, gibt es keinen anderen Ausweg."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will nach dem historischen Referendum am Sonntag Regierungsbeamte die künftigen Beziehungen der Türkei zu Europa überprüfen lassen.

Die Europäische Union habe den EU-Beitrittskandidaten Türkei unangemessen lange außen vor warten lassen, sagte Erdogan dem staatlichen Sender TRT. „Die Türkei ist nicht ihr Prügelknabe, jeder wird ihren Platz kennen“, sagte er.

Bei einer Wahlkampfveranstaltungin der Schwarzmeerstadt Giresun sagte Erdogan zudem: „Das Make-up im Gesicht Europas zerfließt. Das darunterliegende faschistische, rassistische, fremdenfeindliche, islamfeindliche Gesicht hat angefangen, sich zu zeigen. Sie haben nun angefangen zu zeigen, dass sie islamfeindlich sind. Sie können Muslime nicht ertragen.“

Die EU ist aus Sicht des türkischen Präsidenten trotz aller Zerwürfnisse auf die in Europa lebenden Türken angewiesen. „Was sie auch tun, es ist vergeblich. Die Zukunft Europas werden unsere fünf Millionen Brüder formen, die sich aus der Türkei dort angesiedelt haben“, so Erdogan. „Für Europa, dessen Bevölkerung altert, dessen Wirtschaft erlahmt und dessen Kraft versiegt, gibt es keinen anderen Ausweg.“

An diesem Sonntag sind 55,3 Millionen Wahlberechtigte in der Türkei zur Teilnahme an dem Referendum aufgerufen. Im Ausland – wo zusätzlich 2,9 Millionen wahlberechtigte Türken registriert sind – wurde bereits gewählt. Das Präsidialsystem würde Erdogan deutlich mehr Macht verleihen. Gegner der Verfassungsreform warnen vor einer Ein-Mann-Herrschaft. Umfragen – die allerdings nicht besonders zuverlässig sind – sagen ein knappes Rennen voraus.

Das Referendum findet im Ausnahmezustand statt, unter dem die Versammlungsfreiheit eingeschränkt ist und der noch bis zum kommenden Mittwoch andauert. Erdogan hat bereits angedeutet, dass der Ausnahmezustand – den er nach dem Putschversuch im Juli 2016 ausgerufen hatte – erneut verlängert werden könnte. (dpa/afp/so)

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