Harter Schlag: Anonymous greift IS-Bitcoin-Konten an – Terroristen verlieren drei Millionen Dollar

Anonymous schaffte es, mehrere Bitcoin-Konten des Islamischen Staates ausfindig zu machen. Eines der Konten wurde gesperrt, wodurch die Terroristen drei Millionen Dollar verloren. Das ist ein empfindlicher Schlag gegen den IS!

Nach den Anschlägen von Paris erklärte die Hackergruppe Anonymous den IS-Terroristen den Krieg. Die Hacker hoffen auf möglichst viele User, die im Cyberkrieg gegen den Terror mithelfen. Es werde diesmal nicht bei den üblichen, eine Webseite lahmlegenden DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service-Attacken) bleiben, gab Anonymous Bescheid. 

Vielmehr sollen jetzt auch tiefergehende Informationen über den IS gesammelt werden: "Die Seiten zu hacken, würde uns mehr Informationen darüber liefern, wie die Zellen funktionieren und wie wir sie Stück für Stück zerstören können", zitiert die "Welt" die Hacktivisten. Mit einfachen Schritten wird interessierten Amateuren eine mögliche Vorgehensweise erklärt, für gezielte Störungen zu sorgen. Spezielle technische Vorkenntnisse seien nicht nötig. Das proklamierte Fernziel des Acht-Stufen-Plans sei es, den IS vom Erdboden auszulöschen. (Siehe Bericht: Anonymous bittet Welt-Community um Mithilfe gegen den Terror)
Der Cyberkrieg gegen den Islamischen Staat wird jedoch viel tiefgreifender sein, als im Acht-Stufen-Plan beschrieben, berichtet der Kopp-Verlag unter Berufung auf Sicherheitsexperten. Anonymous hat vor, die Finanzströme der Militanten zu zerschlagen.
Anscheinend gelang es den Hacktivisten bereits, dem Islamischen Staat finanziell größeren Schaden zuzufügen. Laut Kopp-Verlag schaffte es Anonymous, ein Konto der Dschihadisten mit der Cyberwährung Bitcoin zu sperren. Dadurch verlor der IS drei Millionen Dollar. 
Die Attacke wurde von den Hackern der "Ghost Security Group" erfolgreich durchgeführt. Sie machte das Konto des IS mit 9554 Bitcoins, umgerechnet rund drei Millionen Dollar, ausfindig.

IS verwendet Bitcoin und Darknet

Der Bitcoin ist ein digitales Zahlungsmittel, das es seit 2009 gibt und das vor allem bei Online-Geschäften zur Anwendung kommt. Ursprünglich sollte damit ein Zahlungsverkehr ermöglicht werden, der unabhängig von staatlicher Kontrolle und Banken funktioniert, Transaktionsgebühren minimiert und Überweisungen beschleunigt. Bitcoins können am Computer errechnet oder mit etablierten Währungen wie Euro oder Dollar gekauft werden. Notenbanken warnen vor hohen Kursschwankungen und Sicherheitsrisiken.
Kriminelle wie der Islamische Staat nutzen den Bitcoin als Schattenwährung. Die Terroristen sammeln ihre Spenden, die unter anderem aus Saudi-Arabien, den Golfstaaten, Katar und anderen Ländern kommen, auch in Bitcoins.
Der IS wickelt seine Geschäfte meist im sogenannten Darknet oder Deep Web ab. Um dorthin zu gelangen, braucht man einen speziellen Browser: TOR (The Onion Router). Dieser ermöglicht es, anonym im Deep Web zu surfen. Zusätzlich ermöglicht das TOR-Netzwerk, anonym Internetseiten ins Netz zu stellen. Das ist vor allem für Journalisten praktisch, die nicht ins Gefängnis wollen oder es ablehnen, gefoltert zu werden, weil sie unglücklicherweise in einem Verbrecherstaat leben, berichtet vice.com. Das Darknet ist aber auch ein Platz, an dem sich alle Arten von Verbrechern tummeln. 

Da alle Daten, die über den Tor Browser geschickt werden, verschlüsselt sind, bleibt man normalerweise anonym. Nach Aussage von Andrew Lewman, Executive Director von Tor Project, ist es "praktisch unmöglich", jemanden zu identifizieren, schreibt vice.com weiter. Normalerweise, wenn man etwas im Internet verschickt, beziehungsweise Daten anfordert, kann der Inhalt entschlüsselt werden. Die moderne Verschlüsselungstechnik auf Darknet ist jedoch unknackbar, heißt es. Ein Hochleistungscomputer würde zwischen fünf und zehn Jahren brauchen, um auch nur den Inhalt einer E-Mail zu entschlüsseln.

Waffengeschäfte im Deep Web

Und dies nutzt der Islamische Staat für seine Vorteile. Er führt im Darknet seine Waffengeschäfte mittels Bitcoin durch.
Der Hacker Ali Amin schulte IS-Anhänger auf Twitter, wie sie das Bitcoin-Netzwerk für Terrorzwecke nutzen: "Dieses System ist simpel und wir bitten Allah, seine Verbreitung für uns zu beschleunigen", schrieb Amin, berichtet Kopp-Online weiter. Amin wurde daraufhin im Juli in den USA festgenommen und zu elf Jahren Haft verurteilt. 

Der IS ist gut organisiert. Die Terroristen haben sogar eigene Hacker, die sogenannten "CyberCaliphat". Aber anscheinend war Anonymous den IS-Hackern nun einen Schritt voraus und sie schafften es, mehrere Konten des IS ausfindig zu machen. Die Hacker-Gruppen wie Ghost Security Group würden die Konten des IS lediglich "finden" und den US-Behörden melden, erklärt die Webseite Bitcoin News Service, so "Kopp".
Sollte es Anonymous wirklich gelingen, die internationalen Geldströme der Terrormiliz im Bitcoin-Netzwerk aufzuspüren und zu zerschlagen, wäre dies ein harter Schlag für das Terrornetzwerk. Die radikalen Islamisten benötigen Millionen, um ihren Terrorkrieg zu finanzieren. Mittels Verkauf von Öl, Geiselnahmen, Organhandel, Drogenhandel und Unterstützung verschiedener Staaten konnte der IS in wenigen Jahren zur reichsten Terrorgruppe der Welt aufsteigen. (Siehe hier: Öl-, Drogen- und Organhandel: So verdient der IS sein Geld)
Das US-amerikanische Finanzministerium schätzt den Jahresetat auf zwei Milliarden Dollar, mit Rücklagen in Milliardenhöhe. Das Terrornetzwerk benötigt monatlich aber auch Unsummen, in zweistelliger Millionenhöhe, um sein Fortbestehen zu sichern. Sollte es Anonymous wirklich gelingen, den IS vom Bitcoin-Netzwerk abzuschneiden, könnte dies die Existenz der Dschihadisten bedrohen, weil sie enorme Geldsummen verlieren würden und vom regulären Bankensystem abgeschnitten sind. (so)