Junge Kurden kämpfen für die Heimatstadt

"Ich bin in Afrin aufgewachsen, genau wie meine Eltern und meine Großeltern. Daher ist es meine Pflicht, für Afrin zu kämpfen", sagt die 19-jährige Asmaa, die ihr Journalismus-Studium an der Universität von Afrin aufgegeben hat, um an die Front zu gehen.
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Bombeneinschlag in Afrin, Syrien.Foto: AHMAD SHAFIE BILAL/AFP/Getty Images
Epoch Times6. Februar 2018

Einige tragen Jeans, andere ein paar Uniformteile, die Munitionsgürtel hängen über der Schulter. Mehrere Dutzend junge Kurden sind an diesem Tag dem Aufruf zur „Generalmobilmachung“ gefolgt und haben sich im Zentrum von Afrin versammelt. Nicht wenige halten zum ersten Mal eine Waffe in der Hand, doch alle sind entschlossen, ihre Heimatstadt gegen die türkische Offensive zu verteidigen.

„Ich bin in Afrin aufgewachsen, genau wie meine Eltern und meine Großeltern. Daher ist es meine Pflicht, für Afrin zu kämpfen“, sagt die 19-jährige Asmaa, die ihr Journalismus-Studium an der Universität von Afrin aufgegeben hat, um an die Front zu gehen. Die junge Frau mit einem schwarz-weißen Tuch um den Hals sieht sich bereits nicht länger als Studentin, sondern als „Kämpferin“.

Die Behörden von Afrin haben alle Zivilisten aufgerufen, sich den Volksverteidigungseinheiten (YPG) anzuschließen, um sich dem türkischen Angriff entgegenzustellen. „Nein zur Besatzung!“ und „Lang lebe der heroische Widerstand“, rufen die Rekruten, als sie vor den umstehenden Ladeninhabern in zwei Reihen die Straße entlangmarschieren – eine Reihe für Frauen, die andere für Männer.

„Es gibt immer mehr Freiwillige. Jeder junge Mann und jede junge Frau kann entscheiden, bei welcher Institution sie sich melden will – entsprechend ihrer Erfahrung und ihren Fähigkeiten“, sagt der YPG-Medienberater Resan Haddu. Einige würde sich als Kämpfer melden, andere als Sanitäter, Fahrer oder als Koch, um die Truppen an der Front mit Essen zu versorgen.

Viel Zeit für die Ausbildung bleibt nicht. „Wir geben ihnen eine Woche militärisches Training und unterrichten sie im Gebrauch von Waffen“, sagt Dschinda Tulhaldan von der Kurdischen Jugendbewegung. „Wir wissen, dass eine Woche nicht ausreicht, doch wir werden angegriffen und müssen unsere Stadt mit allen Mitteln verteidigen, die wir haben“, sagt sie zur Rechtfertigung.

Ankara betrachtet die Präsenz der YPG an ihrer Grenze als Bedrohung, da die Gruppe enge Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterhält, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Am 20. Januar startete die türkische Armee deshalb mit verbündeten syrischen Rebellen einen Angriff auf Afrin, doch stößt sie seitdem auf erbitterten Widerstand.

Die Region Afrin im Nordwesten Syriens ist eines von drei kurdischen „Kantonen“ unter Kontrolle der YPG. Mit der stillschweigenden Duldung der syrischen Regierung haben die Kurden dort seit 2012 eine eigene Autonomieregion aufgebaut. Unter diesem System müssen alle Einwohner zwischen 18 und 32 Jahren einen einjährigen Wehrdienst ableisten.

Wie viele YPG-Kämpfer in Afrin sind, ist nicht bekannt. Die Türkei versichert, alles zu tun, um Zivilisten zu schützen, und betont, die Offensive richte sich ausschließlich gegen „Terroristen“.

Für die YPG-Rekruten ist die Offensive aber ein Angriff auf alle Kurden. „Türkische Kampfflugzeuge bombardieren Afrin, sie bombardieren Zivilisten“, sagt Farhad Akid, ein 21-jähriger Student in Agraringenieurswesen. „Als junge Männer haben wir geschworen, Widerstand zu leisten. Wir werden keinem einzigen türkischen Besatzer erlauben, unser gesegnetes Land zu betreten.“ (afp)



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