Saudi-Arabien will Bodentruppen nach Syrien schicken – Kampf gegen den IS oder um Gaspipelines?

Saudi-Arabien ist zu einer militärischen Initiative in Syrien bereit: Offiziellen Angaben zufolge, um die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Tatsächlich ist das politische System in Saudi-Arabien sehr ähnlich dem des IS. Es herrscht die Scharia - Enthauptungen, Steinigungen, und das Auspeitschen von Regime-Kritikern sind keine Seltenheit - Unterdrückung an der Tagesordnung. Friedensforscher Daniele Ganser erklärt, worum es wirklich im Syrien-Krieg geht.

Der Außenminister von Saudi-Arabien, Adel al-Jubeir, hat die Bereitschaft des Königreichs erklärt, zusammen mit den USA Truppen nach Syrien zu entsenden. Offiziellen Angaben zufolge soll dort gegen die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) gekämpft werden.

Er sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe): „Das Königreich und andere Golfstaaten haben erklärt, dass wir bereit sind, uns mit Spezialeinheiten an der Seite der USA zu beteiligen, auch einige Länder aus der Islamischen Koalition gegen Terrorismus und Extremismus sind bereit, Truppen zu stellen. Wir stimmen uns mit den USA ab, um zu sehen, was der Plan ist und was nötig ist, um ihn umzusetzen.“ (Siehe: Trump telefoniert mit Saudi-Monarch: Mit salafistischem Terrorpaten eine Allianz gegen „radikalislamischen Terror“?

Der neue US-Präsident Donald Trump hat seinen Verteidigungsminister James Mattis beauftragt, binnen eines Monats die Syrien-Strategie der USA zu überprüfen und ihm neue Handlungsoptionen vorzuschlagen, darunter den Einsatz von Bodentruppen.

Jubeir sagte, er rechne damit, dass diese Pläne bald vorliegen würden. Indirekt machte er deutlich, dass befreite Gebiete dann in die Kontrolle der Rebellen übergeben werden könnten. „Die grundlegende Idee ist, Gebiete vom IS zu befreien, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass sie nicht an Hisbollah, Iran oder an das Regime fallen“, sagte er.

Derzeit haben die USA etwa 500 Soldaten in Nordsyrien, die maßgeblich als Berater verschiedener sunnitischer und kurdischer Milizen fungieren, die dort gegen den IS kämpfen; Präsident Barack Obama hatte das Kontingent im Dezember noch kurz vor Ende seiner Amtszeit um 200 Soldaten aufgestockt. Außenminister Jubeir bekräftigte die Position seines Landes, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad abtreten müsse – auch wenn der zuletzt wichtige militärische Erfolge erzielt hat.

„Er wird immer noch gehen müssen“, sagte al-Jubeir. „Assad hat, nach all den Verbrechen, die in Syrien begangen worden sind, keine Zukunft. Er ist verantwortlich für 600.000 Tote, zwölf Millionen Flüchtlinge und die Zerstörung seines Landes.“

Ziel der am Donnerstag beginnenden Friedensverhandlungen in Genf müsse es sein, einen politischen Übergang zu organisieren „hin zu einem neuen Syrien ohne Baschar al-Assad“. Wenn es diesen Übergang nicht gebe, „kann ich mir nicht vorstellen, wie dieser Krieg zu Ende gehen soll“ sagte er. Der Schlüssel sei, den Druck auf die legitime Regierung in Syrien zu erhöhen, damit es auf „den politischen Prozess eingehe. Dies sei die einzige Lösung. „Anderenfalls werden wir für viele, viele Jahre einen Guerilla-Krieg in Syrien haben“, sagte der Außenminister.

Friedensforscher erklärt den wahren Grund des Krieges

Der Friedensforscher Daniele Ganser erklärt die Hintergründe im Syrien-Krieg: Im Persischen Golf, der zwischen Saudi-Arabien und dem Iran liegt, befindet sich das größte Gasfeld der Welt. Dieses Gasfeld wird von zwei Ländern genutzt – Katar und dem Iran. Beide Länder möchten ihr Gas auf dem europäischen Weltmarkt verkaufen. Aber nicht in Kooperation. Denn die beiden Länder stehen im Clinch. Es herrscht ein Konflikt zwischen den Schiiten im Iran und den Sunniten in Katar, Saudi-Arabien und der Türkei.

Der Iran und Katar gewinnen bereits heute Erdgas von diesem Feld, erklärt Ganser. Um es wirklich profitabel zu machen, müssen die beiden Länder es nach Europa befördern. Dort wartet ein Milliardengeschäft. Zur Beförderung des Gas, wollen Katar sowie der Iran eine eigene Pipeline bauen. Katar hatte den Plan, die Pipeline durch Saudi-Arabien, weiter durch Syrien und dann in die Türkei zu bauen. Von dort aus sollte das Gas auf den europäischen Markt gelangen. Das Projekt sollte 2009 starten – zwei Jahre vor dem Kriegsausbruch in Syrien. Saudi-Arabien und die Türkei stimmten dem Bau der Pipeline zu, Syrien nicht.

Nach Ansichten des Historikers sind diese Gaspipelines ein Grund, warum in Syrien bereits seit über fünf Jahren Krieg herrscht. (Siehe: Historiker Daniele Ganser über den illegalen Syrien-Krieg: „Merkel betreibt Luftaufklärung für die Al-Qaida“) (so/dts)

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