„Spiegel“: Türkei spionierte in mehreren europäischen Ländern

Mitarbeiter der türkischen Botschaften und Konsulate hätten in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Freitag unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente.
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Pro-Erdogan Demonstration nach dem Putschversuch in der Türkei. 15. Juli 2016Foto: OZAN KOSE/AFP/Getty Images
Epoch Times17. Februar 2017

Türkische Diplomaten haben einem Medienbericht zufolge nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiteren europäischen Ländern Regierungsgegner ausspioniert. Mitarbeiter der türkischen Botschaften und Konsulate hätten in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Freitag unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente.

Demnach wurden Namen von mutmaßlichen Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen nach Ankara übermittelt sowie Informationen zu Schulen, Kitas, Kultur- und Studentenvereinen der Gülen-Bewegung. In der Türkei wird die Bewegung für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich gemacht. Zehntausende mutmaßliche Anhänger wurden seitdem aus dem Staatsdienst entlassen und inhaftiert.

In Deutschland stehen mehrere Imame des türkischen Moscheeverbands Ditib im Verdacht, im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet Gülen-Mitglieder ausspioniert zu haben. Der Diyanet-Direktor Mehmet Görmez wies die Vorwürfe am Freitag zurück und äußerte scharfe Kritik am Vorgehen der deutschen Behörden, die am Mittwoch in Westdeutschland die Wohnungen von vier Imamen durchsucht hatten.

Auch die Außen- und Justizminister der Türkei kritisierten die Razzien. Die Regierung in Ankara wirft Deutschland seit Monaten vor, Gülen-Anhängern Zuflucht zu gewähren, und nichts gegen ihre Schulen zu tun. Diese Vorwürfe belasten zunehmend das Verhältnis. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war bei ihrem Ankara-Besuch Anfang Februar gedrängt worden, gegen die Gülen-Bewegung vorzugehen.

Diyanet unterhält neben Ditib auch in Österreich und den Niederlanden Ableger. Der große Einfluss der türkischen Religionsbehörde auf diese Moscheeverbände ist umstritten. Im Dezember wurde der Diyanet-Vertreter in den Niederlanden auf Drängen der niederländischen Regierung abberufen, nachdem er zugegeben hatte, eine Liste mit mutmaßlichen Gülen-Anhängern erstellt zu haben. (afp)

 



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