Syrien-Konflikt: US-Kampfjets bombardieren Aleppo – Russland wird verantwortlich gemacht

Aktuell wird Russland als Hauptschuldiger im Syrien-Konflikt dargestellt. Die russischen Luftangriffe in Aleppo hätten mehrere Hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben. Am Mittwoch hätten die Russen sogar zwei Krankenhäuser in Aleppo bombardiert. Russland dementiert den Vorwurf.

Die Schlacht um die syrische Stadt Aleppo intensivierte sich in der letzten Woche zusehends. Für die Eskalation und die Hunderttausenden Flüchtlinge wird Russland verantwortlich gemacht. Die USA beschuldigte Moskau am Mittwoch auch, zwei Krankenhäuser in Aleppo bombardiert zu haben. Aus Russland heißt es aber, dass an diesem Tag nachweislich keine russischen Kampfeinsätze über der Stadt stattgefunden hätten.

Jedoch habe es an diesem Tag US-Angriffe in der Region um Aleppo gegeben: Kampfflugzeuge der US Air Force vom Typ A-10 Thunderbolt II hätten laut russischem Verteidigungsministerium am Mittwoch Luftangriffe auf Aleppo durchgeführt und dabei mindestens neun Einrichtungen zerstört.

"Am Mittwoch um 13:55 Moskauer Zeit [10:55 GMT] sind zwei amerikanische A-10 Angriffsflugzeuge aus der Türkei kommend in den syrischen Luftraum eingedrungen, flogen direkt zur Stadt Aleppo und bombardierten dort mehrere Ziele," sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums Igor Konaschenkow am Donnerstag vor Pressevertretern, berichtet "RT".

Dabei verwies Konaschenkow auch darauf, dass Pentagon-Sprecher Colonel Steven Warren russische Kampfflugzeuge beschuldigte, angeblich zwei Krankenhäuser in Aleppo bombardiert zu haben. 

"Nach seinen Worten wurden mehr als 50.000 Syrier angeblich lebenswichtiger Dienstleistungen beraubt", so der Sprecher. Er fügte hinzu, dass Warren vergessen habe, die Koordinaten von Krankenhäusern oder die Zeit der Luftangriffe oder auch nur seine Informationsquellen zu erwähnen. "Absolut nichts," sagte der Russland-Sprecher. 

Konaschenkow dementierte die Vorwürfe jedoch vehement: "Keine russischen Kampfflugzeuge griffen gestern in Aleppos Stadtgebiet an. Das nächste [von Russland] angegriffene Ziel war mehr als 20 Kilometer von der Stadt entfernt."

Viel mehr wäre das Gegenteil der Fall gewesen: Flugzeuge aus der US-geführten Anti-IS-Koalition wären über Aleppo aktiv gewesen,"Flugzeuge und Drohnen [UAVs]." 

Befragt zu den konkreten Angriffszielen der US-amerikanischen Luftwaffe in Aleppo erklärte Konaschenkow laut "RT": "Ich werde ehrlich mit Ihnen sein: Wir hatten nicht genug Zeit, um zu klären, was genau diese neun Objekte waren, die gestern von US-Flugzeugen in Aleppo ausgebombt wurden. Wir werden es uns noch genauer anschauen."

Davor sagte der Pentagon-Sprecher im Rahmen einer Pressekonferenz des Pentagon: "Die Situation in und um Aleppo wird aus unserer Sicht immer schlimmer. […] Mit der Zerstörung der beiden wichtigsten Krankenhäuser in Aleppo durch russische Angriffe und die der Regierung sind mehr als 50.000 Syrer jetzt ohne jeden Zugang zu lebenrettender Hilfe."

Warren meinte auch, dass es in Aleppo "wenig oder gar keine" IS-Terroristen gebe.

Ähnlichkeit zu Kunduz-Bombardements 

Im Zuge der Pressekonferenz erwähnte der russische Sprecher laut "RT" auch die nachweislich von Amerika verübten Luftangriffe auf das von Ärzte ohne Grenzen (MSF) geführte Krankenhaus in Kunduz, Afghanistan, und die US Bombardierung der Positionen der irakischen Armee in Falludscha.

"Zuerst bringen sie unbegründete Anschuldigungen gegen uns vor – um die Schuld von sich abzulenken. Wenn es so weitergeht, werden wir bald zwei Medienbriefings machen: eins für uns, ein weiteres für diese Koalitions-Typen", sagte Konaschenkow.

Er kritisierte auch, dass der Westen bislang noch keine Informationen über die Terroristenstellungen in Syrien an Russland weitergegeben habe. Aber Russland habe dem Pentagon Karten mit markierten Positionen von Terroristen geschickt, die von den US-Militärs auch akzeptiert wurden. 

"Jetzt kritisieren sie uns und sagen, dass wir falsch fliegen und die falschen Orten bombardieren. Sollten wir ihnen weitere Karten schicken?" fragte Konaschenkow.

Er meint auch, dass je mehr Terroristen Russland eliminiere, desto mehr wird es wahlloser Luftangriffe beschuldigt. Es sehe so aus, als ob die Teile Syriens die nicht vom Assad-Regime kontrolliert werden, "voll friedlicher Opposition und Menschenrechtsaktivisten wären."

Konaschenkow versicherte, dass bei der Planung der Luftangriffe immer darauf geachtet werde zivile Opfer zu vermeiden.

Den westlichen Medien warf er vor, alte Ruinen der Stadt Aleppo, die lange vor Russlands Eingreifen in den Syrien-Konflikt, verwüstet wurden, als die Ergebnisse russischer Luftangriffe zu präsentieren.

Russland griff Ende 2015, auf Bitten des syrischen Führer Baschar al-Assad, in den fünfjährigen Bürgerkrieg ein. Davor bombardierte die US-geführte Koalition bereits über ein Jahr Syrien und den Irak. Die Angriffe Seitens der USA finden ohne Zustimmung der herrschenden Regierung und ohne UN-Mandat statt. (so) 

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