Trump will FBI-Chef Comey behalten – den Mann, der gegen Clinton weiterermitteln wollte

FBI-Chef James Comey soll auf Trumps Wunsch weitermachen. Das wurde aus Insiderkreisen bekannt. Comey hatte im US-Wahlkampf Ermittlungen gegen Hillary Clinton eingestellt und kurz vor der Wahl wiedereröffnet, was ihn massiv in die Schusslinie brachte. Dahinter steckten dramatische Entwicklungen um geleakte Emails und die Pädophilen-Affaire "Pizzagate".

Der Direktor der US-Bundespolizei FBI, James Comey, soll offenbar im Amt bleiben. Der neue US-Präsident Donald Trump habe Comey gebeten, auf seinem Posten zu bleiben, berichtete am Dienstag die „New York Times“ unter Berufung auf informierte Kreise.

Comey hatte im US-Wahlkampf Ermittlungen gegen Hillary Clinton eingestellt und kurz vor der Wahl wiedereröffnet. Dahinter steckten dramatische Entwicklungen um geleakte Emails und die Pädophilen-Affaire „Pizzagate“. Comey war sowohl von Demokraten als auch Republikanern scharf wegen seines Verhaltens kritisiert worden.

Comey moralisch massiv unter Druck

Der FBI-Chef hatte anderthalb Wochen vor der Wahl eine Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Hillary Clinton bekanntgegeben. Er begründete dies damit, dass weiterer Mailverkehr aufgetaucht sei, das Anhaltspunkte gebe. Nur zwei Tage vor der Wahl teilte Comey dann mit, auch in den neu entdeckten Mails seien keine Hinweise auf strafbare Handlungen Hillary Clintons gefunden worden.

Die britische „Daily Mail“ hatte Ende Oktober unter Berufung auf einen Insider geschrieben, dass die Sache ein Alleingang Comeys war – und das auch US-Präsident Obama sehr wütend gewesen sei. Comey habe die Ermittlungen in der Email-Affäre wieder aufgenommen, da er dem moralischen Druck von rebellierenden FBI-Mitarbeitern nicht mehr länger standhalten konnte. Die Stimmung im FBI sei vergiftet gewesen, seitdem Comey im Juli von einer Anzeige gegen Clinton abgesehen hatte. Auf dem Schreibtisch des FBI-Chefs sollen sich Kündigungsschreiben enttäuschter Kollegen gestapelt haben. Langjährige und hochrangige Mitarbeiter hätten ihm ihr Vertrauen entzogen und Begünstigung Clintons vorgeworfen.

Sorge vor Anklage wegen Begünstigung Clintons

Comey hatte außerdem Sorgen, dass die Republikaner ihn nach der Wahl wegen politischer Begünstigung Clintons anklagen könnten. Der neue Email-Fund war für ihn deshalb eine willkommene Gelegenheit, die Sache zu drehen, schrieb die „Mail“: Bisher unbekannte Emails waren auf einem Laptop von Anthony Weiner aufgetaucht waren – dem Noch-Ehemann von Clintons Vertrauter Huma Abedin. Insgesamt soll es um 650.000 Emails gehen, berichtete das Wallstreet Journal. Gegen Weiner wird wegen einer Sexting-Affäre ermittelt. Auch „Pizzagate„, die Hinweise auf ein Pädophilen-Netzwerk um Clintons Wahlkampfmanager Podesta, waren am 15. Oktober durch eine Wikileaks-Veröffentlichung ans Tageslicht gekommen.

FBI-Chefs dienen 10 Jahre

FBI-Chefs werden vom US-Präsidenten ernannt und dienen im Regelfall zehn Jahre. Comey war 2013 von Obama an die Spitze der US-Bundespolizei berufen worden. Trump hatte in Bezug auf Comey bisher gesagt, er werde mit ihm reden und dann entscheiden, ob Comey weitermachen soll.

Siehe auch:

Wurde der Begriff „Fake News“ erfunden, um Pädophilenring um Clinton und „Pizzagate“ zu vertuschen?

(Mit Material von AFP)