Was steckt hinter dem mysteriösen Laptop-Verbot auf US- und UK-Flügen?

Die USA und Großbritannien sind sich einig, dass eine Terrorbedrohung durch elektrische Geräte an Bord von Flugzeugen besteht. Offenbar entwickelten Terroristen explosive Stoffe, die in elektronischen Produkten wie Laptops, Tablets oder portablen DVD-Spielern versteckt werden könnten.

Die USA und Großbritannien haben aus Furcht vor Anschlägen die Mitnahme von Laptops auf Flügen aus der Türkei und mehreren Ländern des Nahen Ostens verboten.

Das am Dienstag in Washington verkündete Verbot betrifft Passagiere, die von zehn Flughäfen in acht Ländern auf direktem Weg in die USA fliegen – darunter die wichtigen Drehkreuze Istanbul und Dubai. Das britische Verbot gilt für Direktverbindungen aus sechs Ländern.

Ein US-Regierungsvertreter begründete das Verbot, das zeitlich nicht befristet ist, mit Erkenntnissen der Geheimdienste. Diese deuteten darauf hin, dass Extremisten versuchen könnten, Sprengsätze in Elektronikgeräten an Bord zu schmuggeln. „Terrorgruppen haben nach wie vor die zivile Luftfahrt im Visier und arbeiten aggressiv an neuen Methoden, wie sie ihre Anschläge ausführen können“, sagte er.

Bombe von Laptop-Batterie kaum zu unterscheiden

US-Medien berichteten am Dienstag unter Berufung auf US-Sicherheitskreise, dass Erkenntnisse über neue Bombentechniken der Terrororganisation Al-Qaida der Auslöser gewesen sein sollen.

Es gebe Geheimdienst-Hinweise, dass Al-Qaida-Terroristen auf neuartige Weise explosive Stoffe in elektronischen Produkten wie Laptops, Tablets oder portablen DVD-Spielern verstecken könnten, so das Heimatschutzministerium.

Demnach habe ein US-Kommando im Januar im Jemen einen Posten des Al-Qaida-Ablegers Aqap eingenommen und Hinweise auf die neue Bombentechnik gefunden.

Nach den Informationen des Geheimdienstes habe Aqap US-Flugzeuge zum Absturz bringen wollen. Die Miliz bekannte sich bereits zu einem gescheiterten Bombenangriff auf ein amerikanisches Flugzeug über der US-Stadt Detroit im Dezember 2009. Der Sprengsatz, den der Terrorist unbemerkt mit sich führte, explodierte nicht. Zudem verübte die Terrororganisation nach eigenen Angaben den Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo in Paris vor zwei Jahren.

Den Berichten zufolge habe Aqap ihre technischen Fähigkeiten verfeinert und sei nun in der Lage Bomben zu bauen, die sich von einer Laptop-Batterie kaum noch unterscheiden ließen.

Eine solche Laptop-Bombe ist bereits an Bord eines Flugzeugs der dschibutischen Daallo Airline explodiert. Der Vorfall ereignete sich im Februar 2016, wo die Maschine – vom als unsicher geltenden Flughafen – Mogadischu in Somalia aus gestartet war. Die Bombe riß ein Loch in den Rumpf des Airbus – der Pilot konnte das Flugzeug aber sicher landen. Zu dem Anschlag hatte sich die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab bekannt. Sie steht der Aqap und der Al-Qaida nahe.

Auch Kanada denkt über Laptop-Verbot nach – Deutschland nicht

Das nun verhängte Verbot bezieht sich auf Geräte, die größer sind als Smartphones – also etwa Laptops, Tablet-Computer, Spielekonsolen und Kameras. Diese müssen künftig beim Einchecken mit dem Gepäck abgegeben werden. Mobiltelefone dürfen weiter mit an Bord genommen werden, ebenso dringend benötigtes medizinisches Gerät.

Die US-Luftfahrtbehörde gab den neun betroffenen Fluggesellschaften von Dienstagfrüh an 96 Stunden Zeit, das Verbot umzusetzen. Für die Einhaltung der neuen Vorschrift sind die Airlines selbst verantwortlich; bei Versäumnissen könnten ihnen die Landerechte in den USA entzogen werden.

US-Fluglinien werden von der Maßnahme nicht berührt, weil sie keine Direktflüge zwischen den zehn betroffenen Flughäfen und den USA anbieten. Neben Istanbul und Abu Dhabi handelt es sich dabei um Dubai, Doha, Kuwait, Casablanca, Kairo, Riad, Dschiddah und Amman. Betroffen sind die Fluglinien Qatar Airways, Emirates, Etihad, Turkish Airlines, Saudi Airlines, Royal Air Maroc, EgyptAir, Kuwait Airways und Royal Jordanian.

Die Geheimdiensterkenntnisse seien gründlich geprüft worden, und das Verbot sei nötig, „um die Sicherheit der reisenden Öffentlichkeit zu gewährleisten“, sagte der Regierungsvertreter.

Das Laptop-Verbot stieß auch bei den oppositionellen Demokraten auf Zustimmung. Adam Schiff, demokratisches Mitglied im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, sagte, das Verbot habe seine „volle Unterstützung“. „Diese Maßnahmen sind sowohl notwendig als auch der Bedrohung angemessen“, sagte Schiff.

Die Türkei kritisierte das Laptop-Verbot, von dem die Fluggesellschaft Turkish Airlines betroffen ist. Verkehrsminister Ahmet Arslan sagte, die Anweisung müsse noch einmal überarbeitet oder ganz zurückgenommen werden.

Am Nachmittag gab auch die britische Regierung ein entsprechendes Verbot bekannt. Betroffen davon sind Flugreisende, die direkt aus Ägypten, Jordanien, dem Libanon, Saudi-Arabien, Tunesien oder der Türkei nach Großbritannien reisen. Das Verbot gilt für sechs britische Fluggesellschaften, darunter British Airways und EasyJet, sowie acht ausländische Airlines. Während Jordanien und der Libanon nicht auf der US-Liste sind, stehen auf der britischen Liste nicht Marokko, Katar und die Emirate.

Der Entscheidung seien mehrere Sitzungen zur Luftsicherheit in den vergangenen Wochen vorausgegangen, die von Premierministerin Theresa May geleitet wurden, sagte ein Regierungssprecher in London. „Oberste Priorität“ sei „die Sicherheit der britischen Staatsbürger. London sei in engem Kontakt mit den US-Behörden gewesen, „um ihre Position vollständig zu verstehen“ und habe die Entscheidung nach gründlicher Überlegung getroffen.

Auch die kanadische Regierung denkt über ein entsprechendes Verbot nach. Verkehrsminister Marc Garneau sagte, den kanadischen Behörden seien Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt worden, die nun genau geprüft würden. Er werde über die möglichen Bedrohungen mit Innenminister Ralph Goodale beraten.

Deutschland will zur Zeit keine neuen Verbote für die Mitnahme von Handgepäck in Flugzeugen erlassen, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage mitteilte. (so/afp)