Woher kommen die Denkverbote? Psychologie-Prof. erklärt die neue Verpackung des Kommunismus

Die Denk- und Diskussionsverbote unserer Tage haben ihren Ursprung in der „Postmoderne". Deren Denken prägt Intellektuelle weltweit und bestimmt heute unsere Gesellschaft. Ein Psychologieprofessor klärt auf.

„Postmoderne“ – unter diesem Begriff breitete sich kommunistisches Denken seit den 70er Jahren weltweit aus. Nur wurde es nicht mehr als solches erkannt. Die Verpackung war neu.

Die Postmoderne behauptete, dass Wissen und Wahrheit lediglich soziale Konstrukte sind – und erreichte damit erstaunlichen Einfluss auf die Intellektuellen.

Eine Welle der Skepsis und des Misstrauens überrollte von da an alles: Man zweifelte an Philosophie, Geschichte und allen Überzeugungen, die bis dato Grundpfeiler westlicher Zivilisation gewesen waren.

En vogue wurde der Postmodernismus in den 1970er Jahren, „nachdem der klassische Marxismus, speziell der wirtschaftliche, derart gründlich diskreditiert war, dass niemand, außer einer absolut verwerflichen Person, ihn öffentlich befürworten konnte“, sagt der kanadische Psychologieprofessor Jordan Peterson von der Universität Toronto. Er gab EPOCH TIMES dazu ein ausführliches Interview.

Die Entzauberung der kommunistischen Regime

Es sei nicht möglich, unsere gegenwärtige Gesellschaft zu verstehen, ohne die Postmoderne in Betracht zu ziehen, meint Peterson: „weil die Postmoderne in vielerlei Hinsicht – speziell wie sie sich politisch zeigt – die neue Verkleidung des alten Marxismus ist“.

„Sogar die französischen Intellektuellen mussten Ende der 1960er Jahre zugeben, dass der Kommunismus wirklich eine üble Sache war“, sagt er. Von da an verpassten die Kommunisten ihrer Ideologie ein neues Images – sie verbreitete sich nun unter dem Pseudonym des Postmodernen.

„Die Identitätspolitik entstand auf diese Weise“, sagt Peterson. Und sie verbreitete sich wie ein Lauffeuer von Frankreich über das Englisch-Institut der Yale Universität in die Vereinigten Staaten und dann „überallhin“.

„Der Marxismus predigte, dass die natürlichen und ökonomischen Gegebenheiten ein Kampf zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie seien. Er behauptete, dass ökonomische Systeme die Menschen versklaven und unten halten“, so Peterson.

Das Experiment war gescheitert

In seiner praktischen Umsetzung zeigte der Kommunismus mehrfach, dass er die Verhältnisse verschlimmerte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde er an vielen Orten der Welt mit „absolut mörderischen Resultaten“ etabliert. „Er war die zerstörerischste ökonomische und politische Doktrin, die je von der Menschheit erfunden wurde“, so Peterson. Mit seinem System des Terrors und der politischen Morde stellte der Kommunismus alles bisher dagewesene in den Schatten – in weniger als hundert Jahren wurden über 100 Millionen Menschen getötet.

Und doch wird heute „das volle Ausmaß der Katastrophe“ den Schülern in der Schule kaum noch beigebracht. „Meine Studenten wissen meist gar nicht, was zwischen 1919 und 1959 in der Sowjetunion unter Stalin und Lenin passierte. Sie haben keinen Schimmer davon, dass Millionen, sogar mehrere Zigmillionen Menschen von diesem Regime getötet wurden und noch mehr gefoltert wurden und verrohten – von Mao gar nicht zu sprechen.“

Deshalb mussten Ende der 1960er Jahre sogar französische Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre zugeben, dass das kommunistische Experiment – egal ob es als Marxismus, Stalinismus, Maoismus oder eine sonstige Variante daher kam – ein „absoluter, katastrophaler Fehlschlag“ war.

Ende der 60er Jahre konnte man nicht mehr behaupten, Marxist und Mensch gleichzeitig zu sein“ (Jordan Peterson)

Die neue Verpackung

Doch anstatt ihre Ideologie aufzugeben, verpassten sie ihr einfach ein neues Image und einen anderen Namen. „Sie waren alle Marxisten. Aber sie konnten keine Marxisten mehr sein, weil man Ende der 60er Jahre nicht mehr behaupten konnte, Marxist und Mensch gleichzeitig zu sein“, so Peterson.

Die Postmodernisten benutzten deshalb folgenden Trick: „Sie spielten nicht länger die Arbeiterklasse gegen die Bourgeois aus, sondern allgemein die Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Das eröffnete die Möglichkeit, viele Gruppen in Unterdrücker und Unterdrückte einzuteilen.“ Dasselbe Narrativ vom Klassenkampf wurde dann unter anderem Namen fortgesponnen.

„Es ging um Macht“

„Es ging nicht mehr speziell um Wirtschaft. Es ging um Macht. Für die Postmodernen geht es immer nur um die Macht. Das ist auch der eigentliche Grund, warum sie so gefährlich sind. Denn wenn man mit jemandem diskutiert, der nur an Macht glaubt, ist dieser Jemand von nichts anderem als Machterwerb motiviert, denn was bleibt ihm sonst?“, meint Peterson.

Und dies sei auch der Grund für die politischen Sackgassen und Diskussionsverbote unserer Tage. „Da gibt es keine Logik, keine Hinterfragungen, keine Verhandlungen, keinen Dialog, keine Diskussion, und es gibt auch keinen Gedankenaustausch und keinen Konsens. Da geht es halt um Macht.“

„Also sehen wir seit den 1970er Jahren, wie sich die Identitätspolitik unter der Maske des Postmodernismus an den Universitäten rapide ausbreitet“, sagt er. „Mittlerweile dominiert sie alle geisteswissenschaftlichen Fakultäten – die meiner Meinung nach schon alle tot sind – und zugleich einen Löwenanteil der Sozialwissenschaften.“

„Wir haben die ganze Zeit extrem radikale, postmoderne linke Denker finanziert, denen es nur darum geht, die fundamentalen Substrukturen der westlichen Zivilisation zu zerstören. Und das ist keine Paranoia. Das ist ihr selbsterklärtes Ziel.“

Gruppenidentitäten werden gehypt

Die postmoderne Philosophie basiere stark auf den Ideen des französischen Philosophen Jacques Derrida, „der, wie ich finde, am beißendsten die anti-westliche Philosophie formulierte, die so beflissen von der radikalen Linken verfolgt wird.“

Menschen, die diese Lehre hochhalten – diese radikale, postmoderne, kommunitaristische Lehre, welche rassische Identität, sexuelle Identität, Geschlechtsidentität oder irgendeine Art Gruppenidentität zum Höchsten erhebt – die haben die Kontrolle über die meisten bürokratischen Strukturen der niedrigen bis mittleren Ebenen erlangt, ebenso über viele Regierungen“, so Peterson. „Aber auch in den Vereinigten Staaten, wo bekanntermaßen viele staatliche Institutionen auf die republikanische Seite zurückgewechselt sind, haben die postmodernen Typen bürokratische Organisationen auf der mittleren bis oberen Ebene infiltriert.“

„Ich finde, dass die Gefahren nicht genug betont werden können,“ meint Peterson. „Ich finde auch, dass der Grad, bis zu dem unsere Kultur infiltriert wurde, nicht genug betont werden kann.“

Siehe auch:

Der dunkle Ursprung des Kommunismus: Satanisten, Illuminaten und ihr Hass auf die Welt

New York Times idealisiert Ideologie, die über 100 Mio. Menschenleben kostete