Foto: dapd/Gerit Borth
Berlin – Auch zwei Tage nach den Schüssen auf ein Spiel von Hobby-Fußballern im Berliner Jahn-Sportpark fehlt von dem Schützen jede Spur. "Wir ermitteln intensiv", sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag. Der angeschossene Hobbykicker sprach unterdessen in einem Interview davon, dass er sich als Zufallsopfer der Tat sehe. "Ich habe keine Feinde, weder im Privatleben noch auf der Arbeit", sagte der 33-Jährige der "Bild"-Zeitung. Auch der Polizei zufolge deutet nichts auf einen gezielten Angriff hin. Der Fußballer war am Sonntagnachmittag von einem Schuss in den rechten Oberschenkel getroffen worden.
"Es gibt einige Hinweise von Zeugen, die nun abgearbeitet werden müssen", sagte der Sprecher weiter. Eine "heiße Spur" sei jedoch nicht dabei gewesen. Am Dienstag machten die Ermittler demnach Übersichtsaufnahmen von dem Sportplatz. "Auf diese Weise soll geklärt werden, von welcher Stelle die Schüsse abgegeben wurden", sagte der Sprecher. Zunächst hatte es geheißen, dass die Umgebung des Platzes noch einmal mit Sprengstoffspürhunden abgesucht werden sollte, um das zweite Projektil zu finden. Es sei sich jedoch kurzfristig dagegen entschieden worden.
Das erste Projektil hatte der Platzwart des Jahn-Sportparks am Montag auf einer Zufahrt zum Gelände entdeckt. Da der Fundort mehrere 100 Meter vom Standort des angeschossenen Spielers entfernt ist, sei es unwahrscheinlich, dass der Schuss das Projektil dorthin trug. "Möglich ist, dass jemand es unter seinem Schuh versehentlich dort hingetragen hat", sagte der Sprecher. Die Untersuchung des Projektils dauere noch an. Dadurch erhoffe sich die Polizei Rückschlüsse auf die Tatwaffe und auch auf den Täter.
Das Fußballspiel war am Sonntagnachmittag jäh durch zwei Schüsse unterbrochen worden. "Es gab gerade einen Eckstoß und ich wollte zum Kopfball ansetzen", sagte der 33-Jährige der "Bild"-Zeitung. "Da klatschte etwas an meinen Oberschenkel." Er habe zunächst gedacht, jemand hätte einen Stein geworfen. Doch dann sei der Schmerz größer geworden, "ich hielt mein Bein. Ich bemerkte Feuchtigkeit in meiner Hose, sah Blut." Er habe seinen Mitspielern zugerufen, dass er beschossen wurde. Alle Fußballer auf dem Platz im Jahn-Sportpark flüchteten daraufhin und brachten sich und ihn in Sicherheit.
Nach Angaben des 33-Jährigen durchschlug das Projektil den Muskel und verfehlte eine Arterie um Zentimeter. "Ich habe wirklich Glück gehabt", sagte er. Ruhe kann er aber noch keine finden. "Ich habe Angst um meine Familie, so lange der Typ noch nicht gefasst ist."
Unterdessen fanden am Montagabend wieder Fußballspiele im Jahn-Sportpark statt. "Wir haben Kräfte in der Gegend im Einsatz, die dort Streife fahren und sensibilisiert sind", sagte der Sprecher. Es sei jedoch nicht so, dass die Spiele dort nun unter erhöhtem Polizeischutz stattfänden. Der Platz selbst sei wieder für den Sport freigegeben worden, da er gründlich auf Spuren abgesucht wurde, fügte er hinzu.
dapd
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