Minsk - Fünf Tage nach der Präsidentschaftswahl in Weißrussland haben Bereitschaftspolizisten am Freitagmorgen das Zeltlager der Opposition in Minsk gestürmt. Die rund 200 dort ausharrenden Demonstranten wurden festgenommen. Die meisten leisteten keinen Widerstand, 40 bis 50 lieferten sich kleine Rangeleien mit den mit Knüppeln bewaffneten Polizisten. Binnen 15 Minuten hatten die Beamten alle Demonstranten in Mannschaftswagen verfrachtet, wenig später räumten städtische Bedienstete auch die Zelte und Habseligkeiten der Oppositionsanhänger ab.
Der bei der Wahl am Sonntag unterlegene Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch erklärte in einer ersten Stellungnahme: «Die Behörden zerstören Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit.» Die gewaltsame Auflösung des Zeltlagers zeige «das Wesen des Regimes, das sich in Weißrussland etabliert hat». Er lobte die Demonstranten in dem Zeltlager für ihren Mut: «Sie haben sich von ihren Knien erhoben, und mit ihnen ist ganz Weißrussland aufgestanden.»
Das Zeltlager war am Montagabend auf dem Oktoberplatz errichtet worden, mit der Mahnwache verlieh die Opposition ihrem Vorwurf des Wahlbetrugs Nachdruck. Der seit zwölf Jahren regierende Präsident Alexander Lukaschenko gewann die Wahl am Sonntag nach offiziellen Angaben mit 83 Prozent der Stimmen. Die Opposition fordert eine Neuauszählung und hat für Samstag zu einer Massenkundgebung aufgerufen.
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