Konjunktur – Portugal will Antrag auf EU-Finanzhilfe bald stellen – Barry Hatton / AP
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Börsenkurse steigen Portugal will Antrag auf EU-Finanzhilfe bald stellen

Barry Hatton / AP

07.04.2011

Lissabon/Madrid – Kurz vor dem offiziellen Antrag Portugals auf Finanzhilfen der Europäischen Union hat die Börse in Lissabon eines ihrer besten Ergebnisse seit Monaten erzielt. Die politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten hielten die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen jedoch weiterhin hoch.

Der Minister für Präsidialangelegenheiten, Pedro Silva Pereira, sagte zu Journalisten, der offizielle Antrag auf Finanzhilfe werde noch am Donnerstag in Brüssel eingereicht. Zuvor werde die portugiesische Regierung mit Delegationen der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank in Lissabon über die Voraussetzungen für das Rettungspaket verhandeln.

Zuvor hieß es aus Regierungskreisen, das Kabinett wolle zunächst mit der Opposition über die möglichen Bedingungen für die Finanzhilfe beraten. Dazu zähle auch, welche Garantien das hoch verschuldete Portugal bieten könne. Die oppositionellen Sozialdemokraten hatten bereits erklärt, sie würden Sparmaßnahmen unterstützen. Parteivorsitzender Pedro Passos Coelho plädierte jedoch dafür, vor dem kompletten Rettungspaket zunächst nur geringfügige Finanzhilfen in Anspruch zu nehmen.

An der Lissaboner Börse stiegen die Kurse portugiesischer Banken nach der Ankündigung vom Mittwochabend. Die größten Finanzinstitute des Landes legten am Donnerstag um mehr als vier Prozent zu, der PSI-20-Index stieg um 1,6 Prozent und erzielte damit eines der besten Ergebnisse in Europa. Die Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit lagen am Donnerstag hingegen noch immer bei 8,5 Prozent.

Portugal ist nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das internationale Finanzhilfe beantragt. Die Märkte hatten diesen Schritt seit längerem erwartet. Experten schätzen Portugals Finanzierungsbedarf auf bis zu 80 Milliarden Euro.

Regierungskrise in Portugal erschwert Verhandlungen über EU-Finanzhilfen

Die Verhandlungen dürften durch die Tatsache erschwert werden, dass sich Portugal in einer Regierungskrise befindet. Die sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident José Sócrates trat Ende März zurück, weil die Opposition ihr die Zustimmung zu weiteren Haushaltskürzungen verweigerte. "Im Gegensatz zu Griechenland und Irland ist Portugal bereits bankrott. Außerdem hat es derzeit keine Regierung, die ein Kredit- und Sparprogramm durchführen könnte", sagte Jeremy Batstone-Carr, Analyst bei Charles Stanley & Co.

Die spanische Finanzministerin Elena Salgado erklärte unterdessen dass Madrid – anders als Portugal – keinesfalls um Finanzhilfe der EU bitten werde. Die spanische Wirtschaft sei diversifizierter und mächtiger, stehe auf einer gesunden Grundlage und sei wettbewerbsfähiger, sagte Salgado am Donnerstag dem Rundfunksender Cadena Ser.

Die Zinsen für dreijährige spanische Staatsanleihen sanken leicht. Nach Angaben des Finanzministeriums in Madrid vom Donnerstag nahm das hoch verschuldete Land bei einer Versteigerung von Staatsanleihen 4,13 Milliarden Euro ein, der Zinssatz betrug 3,57 Prozent. Bei der letzten derartigen Versteigerung am 3. März betrug der Zinssatz 3,59 Prozent. Die Anleihen waren fast zweifach überzeichnet.

Die Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen am Donnerstag leicht von 5,21 auf 5,27 Prozent. Der Abstand zu vergleichbaren deutschen Anleihen, die als Referenzpapiere gelten, betrug nur noch 1,82 Prozent. Experten werteten dies als Zeichen für ein neues Vertrauen der Investoren in die spanische Wirtschaft.

Portugals Politik der Schuldenreduzierung hatte in jüngster Zeit zu einer Reihe von Protesten und Streiks geführt. Die Gewerkschaft der Beamten kündigte an, dass ihre Mitglieder am 6. Mai die Arbeit niederlegen werden.

(dapd)

 

 

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