Foto: David Hecker
Emden – Premierenort Emden: Erstmals widmet ein deutsches Museum den Kindern großer Künstler eine eigene Themenausstellung. Die Kunsthalle in der ostfriesischen Stadt zeigt ab Samstag (15. September, 11.00 Uhr) 140 Künstlerkinder-Bildnisse, etwa von Lovis Corinth, Pablo Picasso und Gerhard Richter. "Die Frage, wie Künstler ihren Nachwuchs sehen und porträtieren, ist bislang nicht thematisiert worden", sagte der wissenschaftliche Direktor der Kunsthalle und Kurator der Ausstellung, Frank Schmidt, am Freitag in Emden.
Dabei sei das Thema allgegenwärtig. "Jeder war mal Kind, viele haben Kinder, jeder hat zum Thema etwas beizusteuern", fügte Schmidt an. Zusammengetragen wurden Werke von 60 Künstlern, zur Verfügung gestellt von 70 Leihgebern aus dem In- und Ausland. Neben Gemälden und Papierarbeiten sind auch Skulpturen sowie Foto- und Videoarbeiten vertreten.
Die Schau "Künstlerkinder, von Runge bis Richter, von Dix bis Picasso" ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt im 19. Jahrhundert, als Kinder auch in der Kunst als eigene Individuen wahrgenommen wurden. Künstler und Kinder kommen in Zitaten zu Wort, die direkt neben den Werken hängen.
"Neugeborenes Kind" von Dix erstmals öffentlich zu sehen
Erster Hingucker ist Philipp Otto Runges Ölgemälde seiner Kinder Otto Sigismund und Maria Dorothea, auf dem die Tochter ihren properen Bruder umarmt. "Das kleine Kind ist sehr dick und nähert sich der Vollkommenheit, nämlich der Kugelform, immer mehr", wird Runge zitiert. "Er sieht nicht nur sein eigenes Kind, sondern immer auch Formen", kommentiert Schmidt Werk und Zitat.
Otto Dix hat seiner Tochter Nelly sogar eine ganze Serie gewidmet. "Nelly als Flora" zeigt sie als 17-Jährige vor malerischer Naturkulisse. Die Bleistift - und Aquarell-Zeichnung "Neugeborenes Kind" entstand direkt nach der Geburt. Das Bild galt nach Schmidts Angaben lange als verschollen, ehe es im Depot des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg wieder auftauchte. Es wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Neben den niedlichen und schönen Seiten der Kindheit wird auch das Leid thematisiert. Der Schweizer Künstler Albert Anker malte seinen an Diphterie gestorbenen Sohn Rudolf auf dem Totenbett.
Für Besucher ist die Schau ab Samstag, 11.00 Uhr, zugänglich. Offiziell eröffnet wird sie um 17.00 Uhr von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Die Ausstellung läuft bis zum 20. Januar.
dapd
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
Wallraf-Richartz-Museum feiert Erfolg mit Mission-Moderne-Schau
(30.12.2012)
Das Schaffen eines Alles-Könners
(04.12.2012)
Kunstsammlungen Dresden erwerben prunkvollen Becher
(04.12.2012)
(08.11.2012)
Picasso-Museum zeigt Marc Chagall
(05.10.2012)
Neuseeland zwischen Konflikt und Kunst
(04.10.2012)
Überblicksschau zu Ernst Wilhelm Nay in Bonn
(18.09.2012)