Unternehmen – ProSiebenSat.1 will konzernweit 200 Stellen einsparen – Maria Marquart
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ProSiebenSat.1 will konzernweit 200 Stellen einsparen

Maria Marquart

17.07.2007

Der Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat1, Guillaume de Posch legt am heutigen Tag während der Hauptversammlung der Gruppe auf dem Messegelände in München vor den Aktionären Rechenschaft über die Geschäftslage ab.  (AP Photo/Diether Endlicher)
Der Vorstandsvorsitzende von ProSiebenSat1, Guillaume de Posch legt am heutigen Tag während der Hauptversammlung der Gruppe auf dem Messegelände in München vor den Aktionären Rechenschaft über die Geschäftslage ab. (AP Photo/Diether Endlicher)

München – Nach der Fusion mit der Sendergruppe SBS tritt der Medienkonzern ProSiebenSat.1 auf die Kostenbremse und will bis 2009 konzernweit 200 Stellen einsparen. Am Standort Berlin seien 100 Stellen betroffen, in München 80, sagte Konzernchef Guillaume de Posch am Dienstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in München. Auch in Amsterdam sollen durch die Schließung der SBS-Zentrale in den nächsten drei Monaten 20 Stellen wegfallen. Bei insgesamt 80 der betroffenen Mitarbeiter würden die Verträge sowieso auslaufen, sagte de Posch.

Besonders hart trifft der Jobabbau den Fernsehsender Sat.1. Die Sendungen „Sat.1 am Mittag“ und „Sat.1 am Abend“ wurden am Montag mit sofortiger Wirkung eingestellt – allein davon sind 55 Mitarbeiter betroffen. De Posch wies Vorwürfe, Sat.1 streiche in erster Linie Nachrichtensendungen, zurück. Die beiden Formate seien „reine Boulevardmagazine“, die den Informationsanteil des Senders nicht beträfen, erklärte er.

Darum rechne er auch nicht mit Konsequenzen durch die Medienaufsicht, die Privatsendern einen gewissen Informationsanteil im Programm vorschreibt. Die für Sat.1 zuständige rheinland-pfälzische Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) hatte dem Sender bei Einstellung seiner Nachrichtensendungen mit dem Entzug von Privilegien bei der Einspeisung in die Kabelnetze gedroht.

Neben den beiden Boulevard-Magazinen soll auch die vom Schwestersender N24 produzierte Sendung „Sat.1 News – Die Nacht“ zum 31. August eingestellt werden. Der Konzernchef machte schlechte Quoten und die Unrentabilität der drei Sendungen verantwortlich. De Posch betonte aber, eine Einstellung der Hauptnachrichtensendung „Sat.1 News“ um 18.30 stehe nicht zur Diskussion. N24 solle der modernste Nachrichtensender Europas werden. „Wie sie sehen, machen wir viel im Nachrichtenbereich“, sagte er.

De Posch wies vor etwa 150 Aktionären auch auf die im vergangenen Jahr auf 29,4 Prozent gesunkenen Marktanteile der Sendergruppe hin: „Der Verlust von Zuschauer-Marktanteilen geht vor allem auf das Konto von Sat.1“, erklärte er. Die Einsparungen durch den Personalabbau wolle man vor allem ins Sat.1-Abendprogramm investieren. Mit neuen Formaten strebe der Sender bis zum kommenden Frühjahr einen Zuschaueranteil von „11 Prozent plus x“ an, sagte de Posch. Zuletzt lag er bei 10,4 Prozent.

Die Einsparungen begründete de Posch auch mit der Fusion mit der Senderkette SBS. Man habe festgestellt, dass der Konzern an manchen Stellen effizienter aufgestellt sein könne. Ziel sei es, die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 22,2 Prozent auf 25 bis 30 Prozent zu steigern. Durch die Fusion sei ProSiebenSat.1 der zweitgrößte europäische Fernsehkonzern mit einem Jahresumsatz von etwa 3 Milliarden Euro und Aktivitäten in 13 europäischen Ländern geworden, sagte de Posch, der weitere Zukäufe in den kommenden 18 Monaten ausschloss.

Aktionäre kritisieren Kaufpreis für SBS

Aktionärsvertreter kritisierten den Kaufpreis von 3,3 Milliarden Euro für SBS als zu hoch. Der Kauf sei „ein guter Deal zum unverschämten Preis“ gewesen, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Das Unternehmen brauche mindestens 14,7 gute Geschäftsjahre, um den Kaufpreis zu finanzieren.

Als Dividende wurde den Aktionären 89 Cent pro Vorzugs- und 87 Cent pro Stammaktie vorgeschlagen. Zudem sollten neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden, größtenteils Vertreter der Finanzinvestoren KKR und Permira, die ProSiebenSat.1 im vergangenen Jahr übernommen hatten. (AP)

 

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