Aktuelle Nachrichten – China - Politik
01.07.2012
Foto: aaron tam/AFP/GettyImages
Hongkong – Starke Proteste gegen die chinesische Regierung haben die Amtseinführung von Hongkongs neuem Regierungschef Leung Chunying begleitet. Ein Mann unterbrach mit Zwischenrufen die Rede von Chinas Staatschef Hu Jintao, später demonstrierten Zehntausende Menschen gegen die chinesische Herrschaft in der ehemaligen britischen Kolonie. Leung ersetzt Donald Tsang, der das Amt 2005 übernommen hatte und nun keine weitere Amtszeit mehr antreten darf.
Mehrmals versuchte der Demonstrant, Hus Rede zu stören und schwenkte dabei eine kleine Flagge. Er forderte lautstark eine Verurteilung des brutalen Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 und ein Ende der Ein-Parteien-Herrschaft in China. Hu ließ sich von den Zwischenrufen nicht beirren und trug seine Rede weiter vor. Der Mann wurde zügig von der Polizei abgeführt.
Foto: Richard A. Brooks/AFP/GettyImages
Am Nachmittag füllten sich Hongkongs Straßen mit Demonstranten, die mit Trommeln und britischen Kolonialflaggen vor das Regierungsgebäude zogen. Die Organisatoren sprachen von 400.000 Teilnehmern, die Polizei von 63.000. Sie protestierten gegen das klaffende Einkommensgefälle, die in den Himmel schießenden Immobilienpreise und die Einflussnahme Chinas.
Der 57-jährige Selfmade-Millionär Leung ist der dritte Amtsinhaber seit der Übergabe der früheren britischen Kolonie an China vor 15 Jahren. Er wurde bereits im März von einem Komitee aus 1.200 führenden Geschäftsleuten zum Regierungschef gewählt, die ihre Entscheidung größtenteils an den Wünschen Pekings ausrichteten. Leungs Popularität litt außerdem darunter, dass er auf seinem Anwesen nicht genehmigte Anbauten hatte. In Hongkong, wo sich die meisten Bewohner gerade einmal ein kleines Appartement leisten können, kam das nicht gut an.
Die 3,4 Millionen registrierten Wähler Hongkongs dürfen zwar Nachbarschaftsräte und die Hälfte der Abgeordneten wählen, bei der Wahl ihres Regierungschefs hatten sie jedoch keine Stimme. Peking versprach den Menschen in Hongkong indes, frühestens 2017 erstmals ihren Regierungschef und 2020 alle Abgeordneten selbst wählen zu dürfen.
(dapd)
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