Foto: © 2012 AP. Photographer: Mark Lennihan/AP/dapd
München – Am Ende der hitzigen Debatte waren auf dem Podium dann doch noch warme Worte zu vernehmen. "I love Google", sagte Sky-Deutschland Chef Brian Sullivan in seinem Schlusswort. Ansonsten hielt sich die Begeisterung für den Internetriesen am Mittwoch in engen Grenzen: Die anderen Diskutanten der "Elefantenrunde" präsentierten sich angriffslustig und kritisierten Google-Deutschland-Chef Stefan Tweraser mit deutlichen Worten.
Ihr Vorwurf: Der US-Konzern agiere wie ein Medienunternehmen, halte sich aber nicht an die Spielregeln. Google dringe in die Geschäftsbereiche klassischer Medienunternehmen ein und betätige sich mit seiner Videoplattform Youtube als TV-Sender, sagte ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert.
Kritik an Googles Geschäftsmodell
Google selektiere Nachrichten, "das ist eine Medientätigkeit", befand Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen. Daher müsse der Suchmaschinenbetreiber auch die Verantwortung für die Inhalte übernehmen, etwa bei Fällen von Verleumdung. Auch RTL-Medienpolitikchef Tobias Schmid beklagte auf dem Podium Beschränkungen für TV-Sender etwa bei der Werbung, von denen Google nicht betroffen sei.
Die Medientage stehen in diesem Jahr unter dem Motto "Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt". Dazu treten rund 500 Referenten aus dem In- und Ausland auf. Die Veranstalter rechnen insgesamt mit etwa 6.000 Besuchern. Der "Mediengipfel" zum Auftakt wurde in diesem Jahr erstmals von Miriam Meckel moderiert. Die Kommunikationswissenschaftlerin bemühte sich auch mit spitzen Kommentaren, den launigen Schlagabtausch in Gang zu halten.
Während sich Bayerns Staatskanzleichef Thomas Kreuzer (CSU) und Sullivan nur selten zu Wort meldeten, machte auch Telekom-Chef René Obermann seinem Ärger über Google Luft. Der Branchenriese profitiere vom Ausbau der Netzinfrastruktur, ohne sich an den Kosten zu beteiligen. "Das funktioniert so nicht."
Google-Deutschland-Chef Stefan Tweraser konterte die Angriffe kühl. Google sei ein Suchmaschinenbetreiber und biete selbst keine Inhalte an: "Wir stellen nur die Links zur Verfügung." Auch den Vorwurf der mangelnden Transparenz wies er zurück. "Die Google-Suche ist nicht kaufbar", betonte Tweraser. Er forderte weniger Regulierung für alle.
Weniger Regulierung gefordert
Zumindest in diesem Punkt waren sich die Diskutanten einig. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel bemängelte eine "unterschiedliche Regelungsdichte", die in den klassischen Medien höher sei als im Netz. RTL-Manager Schmid forderte einen medienübergreifenden Ordnungsrahmen und eine engere Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden. Die Bundesnetzagentur, das Kartellamt und die Landesmedienanstalten sollten "zumindest mal die Telefonnummern austauschen", sagte er.
Piel forderte einen Runden Tisch, an dem diese Fragen geklärt werden sollen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte zu, ein solches Treffen im kommenden Jahr zu organisieren. In seiner Eröffnungsrede hatte er zuvor bereits "mehr Freiheit" für die Medien in Deutschland angemahnt. Er wolle "so wenig politische und rechtliche Hürden wie nötig", sagte Seehofer. Allerdings müsse das Urheberrecht geachtet werden.
Obermann macht Sky-Chef Avancan
Die Medientage im Kongresszentrum der Neuen Messe München gelten als der größte und bedeutendste Treff der Branche in Deutschland. Bis Freitag stehen zahlreiche Debatten, Workshops und Vorträge auf dem Programm. Auf der begleitenden Messe präsentieren sich Unternehmen, Verbände und Institutionen der Medienwirtschaft. Auch das Geschäftliche soll bei den Medientagen nicht zu kurz kommen.
Obermann, der zum ersten Mal zum "Mediengipfel" eingeladen war, ging da gleich mit guten Beispiel voran. Mehrfach bot er Sky-Chef Sullivan auf dem Podium einen Zusammenarbeit bei der Ausstrahlung der Fußball-Bundesliga an. Der Bezahlsender hatte sich im April die Übertragungsrechte, an denen auch die Telekom interessiert war, für die vier Spielzeiten von 2013/2014 bis 2016/2017 gesichert. Sullivan signalisierte großes Interesse an einer Kooperation. Zu einem Vertragsabschluss auf der Bühne ließ er sich dann aber doch nicht drängen.
dapd
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