Stuttgart – Psychiatrische Gutachten zur Frühberentung bei Depressionen scheinen nicht sehr zuverlässig zu sein. In einer Studie wurden 22 Nervenärzte und Psychiater gebeten, einen konstruierten Fall zu begutachten. In der Zeitschrift „Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie“ nannten die Autoren das Ergebnis der Untersuchung „erschütternd“: Es scheine eher zufällig zu sein, ob sich ein Gutachter für oder gegen eine Berentung ausspreche.
Obwohl der Fall so konstruiert gewesen sei, dass die Voraussetzungen für eine dauerhaft aufgehobene Erwerbsunfähigkeit gegeben wären, habe die Mehrheit der Gutachter die medizinischen Voraussetzungen höchstens für eine Teilerwerbsfähigkeitsrente als gegeben angesehen. Acht Gutachter hätten keine wesentliche Einschränkung der Erwerbsfähigkeit gesehen. Nur vier Experten hätten das Leistungsvermögen geringer als drei Stunden pro Tag eingeschätzt, was die Voraussetzung für die Gewährung einer Rente gewesen wäre. Acht Gutachter hätten eine Arbeit von drei bis sechs Stunden pro Tag noch für möglich gehalten, was als Voraussetzung für eine Teilerwerbsminderungsrente gegolten hätte.
Gutachter seien gehalten, Klagen von Patienten ernst zu nehmen. Da es grundsätzlich keine objektiven Urteile geben könne, sondern nur Wertentscheidungen, müsse man damit leben, dass man als Patient in einem solchen Verfahren an einen strengen oder an einen gutherzigen Gutachter geraten könne, so das Fazit der Autoren. (AP)
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