Foto: Alan Diaz/AP Photo
Key West – Gesicht und Lippen sind aufgedunsen, der Körper kreuz und quer gezeichnet von geschwollenen roten Striemen. Zwei Jahre lang hatte Diana Nyad hart dafür trainiert, von Kuba nach Florida zu schwimmen – ein Traum, den sie seit über 30 Jahren verfolgt. Doch nach zwei Attacken Portugiesischer Galeeren, einer Quallenart mit besonders schmerzhaftem Nesselgift, warf die 62-jährige Amerikanerin das Handtuch: Weitere Quallenstiche, so hatten ihre medizinischen Betreuer gewarnt, könnten tödlich sein.
Als ihr Boot "Sunluver" am Sonntagabend in Key West anlegt, versucht Nyad ihre Leistung positiv zu sehen. 40 Stunden hat sie im Wasser verbracht und mit 130.098 Schwimmzügen bereits 126 der 166 Kilometer von Kuba bis zu den Florida Keys zurückgelegt, vorbei an Haien und Barrakudas und Portugiesischen Galeeren. Doch die Enttäuschung des Scheiterns schmerzt nicht weniger als das Quallengift. "Mein Stolz wird ganz schön leiden, wenn jemand anders über die Distanz schwimmt und nicht ich", sagt sie den Freunden, die sie begrüßten. "Das ist so eine bittere Pille. Ich kann die Strecke bewältigen. Aber jetzt ist Schluss."
Nyad schiebt den Ärmel ihres weißen Bademantels hoch und zeigt am Unterarm die glühendroten Striemen, die die Tentakel hinterlassen haben. "Diese verdammten Quallen", ärgert sie sich. Die Fangarme hätten sie umschlungen "wie ein Ding aus einem Science-Fiction-Film".
Schon als 28-Jährige hatte sie 1978 einen ersten Anlauf unternommen, damals noch in einem stählernen Käfig als Schutz vor Haien. Nach 42 Stunden hatte sie abbrechen müssen. 1997 schaffte es die Australierin Susie Mahoney in einem Käfig, die von Haien wimmelnden Gewässer zu durchschwimmen. Im August nun versuchte Nyad, als erste die Strecke ohne Haikäfig zurückzulegen, musste aber wegen eines heftigen Asthmaanfalls aufgeben. Auch jetzt hatte sie zum Schutz nur ein elektrisches Feld zum Abschrecken von Haien und Begleittaucher, um die Raubfische im Notfall abzulenken. Ein neugieriger Weißspitzen-Hochseehai, der ihr am Samstag zu nahe kam, wurde so verscheucht.
Nach der ersten schmerzhaften Begegnung mit Portugiesischen Galeeren, deren Tentakel meterlang werden können, wurde Nyad im Wasser mit Sauerstoff und Medikamenten behandelt. Vor weiteren Stichen versuchte sie sich mit langen Hosen, einem langärmeligen Oberteil und einer Gesichtsmaske zu schützen, die nur den Mund freiließ. Prompt wurde sie in die Lippen gestochen. Sie hätten ausgesehen wie Angelina Jolies berühmter Schmollmund, sagt Nyad ironisch.
Danach musste sie sich auf dem Boot behandeln lassen und ihr Ziel eines Non-Stop-Versuchs auf einen "Etappen"- Rekordversuch herunterschrauben. Doch das Nesselgift machte sich bemerkbar, und die Etappen, die sie schwimmen konnte, wurden immer kürzer. "Du kriegst Krämpfe, das Rückgrat fühlt sich an wie gelähmt. Ich hatte schon mal Nierensteine, aber die sind mit diesen Schmerzen gar nicht zu vergleichen."
Trotzdem trieb sie ihr lang gehegter Traum an. "Ich stellte mir vor, die Küste von Florida zu sehen. Die Lichter, die Palmen, so lange hab ich mir das schon vorgestellt. Seit 1978 hab ich mir das vorgestellt,", sagt die 62-Jährige. "Es ist schwer, loszulassen, aber ich kann es und werde es. Ich werde euch nicht anrufen und sagen, ich versuche es noch einmal."
Ausschlaggebend für den Abbruch war schließlich die Warnung der Begleitmannschaft, dass weitere Stiche lebensbedrohlich werden könnten. Aus der Traum. "Ich bin auch nur ein Mensch, und ich darf sagen, ich bin stinksauer, dass es so gekommen ist. Ich bin sehr enttäuscht", sagt Nyad. "Ich habe so hart für diesen großen Traum trainiert, den ich all die Jahre hatte. Und jetzt machen diese dämlichen kleinen Portugiesischen Galeeren alles zunichte."
(dapd)
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