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EHEC-Darminfektionen Quelle entdeckt: Sprossen sind Infektionsquelle für EHEC

Annika Schulze

10.06.2011

Trotz der Erfolgsmeldung besteht noch kein Grund zur Entwarnung, so der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Burger. Foto: wrw/www.pixelio.de
Trotz der Erfolgsmeldung besteht noch kein Grund zur Entwarnung, so der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Burger.

Foto: wrw/Pixelio

Berlin – Die Quelle für die EHEC-Darminfektionen in Deutschland ist identifiziert. Bei der Überprüfung der Lieferwege seien mit dem Erreger verunreinigte Sprossen als Auslöser für die schweren Erkrankungen ausfindig gemacht worden, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Freitag in Berlin. Damit entfällt die Warnung vor Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Ein Nachweis des gefährlichen Erregertyps O104 in einem niedersächsischen Herstellerbetrieb ist allerdings noch nicht gelungen.

Die Eingrenzung sei anhand ausführlicher Befragungen der Patienten und der Auswertung von Lieferdokumenten möglich gewesen, sagte Burger. So gebe es Fotos vom Restaurantbesuch einer Reisegruppe, auf denen die Salatteller vor den später erkrankten Personen zu sehen sind.

Trotz der Erfolgsmeldung bestehe aber noch kein Grund zur Entwarnung, sagte Burger. Es gebe weiterhin Neuerkrankungen, auch wenn deren Zahl zurückgehe. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, riet den Verbrauchern, alle Sprossenvorräte aus dem Bio-Betrieb "Gärtnerhof" in Bienenbüttel zu vernichten. Generell sollten Sprossen zudem nur gekocht verzehrt werden, sagte er.

Betrieb in Bienenbüttel als "Spinne im Netz"

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) hatte zuvor den Bio-Betrieb als "die Spinne im Netz" bezeichnet. Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden. Eine Verunreinigung des Betriebs sei durch den Kauf verunreinigten Saatguts oder auch mangelnde Hygiene der Mitarbeiter denkbar, die den Erreger mitgebracht haben könnten.

Einen terroristischen Hintergrund für die in Deutschland grassierende Erkrankungswelle hält der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, dann auch für ausgeschlossen. Es gebe "keinerlei Anzeichen, die auf einen terroristischen Hintergrund hindeuten", sagte er. Anderslautende Mutmaßungen seien Verschwörungstheorien.

Bahr räumt Probleme bei Kommunikation ein

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) beklagte verwirrende Informationen im Zusammenhang mit der EHEC-Epidemie in Deutschland. Gegen die vor allem von "selbst ernannten Experten" in die Welt gesetzten Vermutungen habe er "gar nicht anarbeiten können", sagte er. Das Gesundheitsministerium habe sich dagegen immer streng an die Empfehlungen des RKI gehalten.

Eine sofortige Diskussion über die auf Bund und Länder verteilten Zuständigkeiten für das Krisenmanagement lehnte Bahr erneut ab. Die Strukturen hätten sehr gut funktioniert, über eine Verbesserung werde man nach der Epidemie sprechen.

Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) widersprach Vorwürfen der Opposition, bei den Absprachen und Kompetenzverteilungen zwischen Bund und Ländern herrsche Chaos. "Die Opposition macht es sich mit ihren billigen Sprüchen leicht", sagte sie. Zwar gebe es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten, doch insgesamt leisteten die Mitarbeiter des Verbraucherschutzministeriums und der zuständigen Behörden hervorragende Arbeit.

(dapd)

 

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