Aktuelle Nachrichten – Sport
16.02.2011
Foto: Laurent Lebours/AP Photo
Chicago – Der siebenmalige Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong beendet erneut seine Karriere – diesmal endgültig. Knapp einen Monat nach einem enttäuschenden 65. Platz bei seinem letzten großen Rennen in Australien will der 39-Jährige einen Schlussstrich ziehen. Trotz des missglückten Comebacks ab dem Jahr 2009 bereue er nichts, sagte der Texaner in einem Exklusivinterview mit der Nachrichtenagentur AP. Den Wettkampf werde er vermissen – und nicht zuletzt das Dominieren einer Sportart. Das knallharte Training, durch das dies erst möglich wurde, hingegen nicht.
"Ich kann nicht sagen, dass ich irgendetwas bereue. Es war eine großartige Zeit", sagte Armstrong am Dienstag. Mit seinem ersten Sieg bei der Tour de France im Jahr 1999 hatte er eine einzigartige Serie begonnen. Siebenmal in Folge war er von niemandem zu schlagen. Nach einer dreijährigen Pause wollte er es 2009 erneut versuchen. Doch diesmal schaffte er es nur auf Rang 3. Ein Jahr später landete er gar auf Platz 23. "Die Stürze, die Probleme mit dem Rad – das waren Dinge außerhalb meiner Kontrolle", sagte Armstrong im Rückblick.
Seine Siegesserie bei dem wichtigsten Radrennen der Welt grenzte an ein Wunder. Doch das eigentliche Wunder war dabei, dass er überhaupt auf den Sattel steigen konnte. Im Jahr 1996 schien seine Karriere bereits beendet. Wegen einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung musste er mehrfach operiert werden und war lange Zeit in nahezu ständiger Behandlung. 1999 schaffte er es trotzdem zurück in den Profisport – und war besser als je zuvor.
"Sein Beitrag zum Radsport war enorm, sowohl aus sportlicher Sicht, als auch von seiner Persönlichkeit her", sagte der Vorsitzende des Radsport-Weltverbandes UCI, Pat McQuaid. Jede Sportart brauche seine Ikonen und Armstrong sei die globale Ikone des Radsports gewesen.
Der Ausnahme-Athlet aus den USA war und ist ein Weltstar. Dabei hat er jedoch nicht nur Freunde. Denn bei allem Erfolg war Armstrong nicht unumstritten. Immer wieder stand er im Verdacht, bei seiner Siegesserie mit unlauteren Mitteln nachgeholfen zu haben. Nachdem sein ehemaliger Teamkollege Floyd Landis seinen Tour-de-France-Sieg des Jahres 2006 wegen Dopings aberkannt bekam, erhob dieser auch schwere Vorwürfe gegenüber Armstrong – er habe nicht nur ebenfalls Doping genommen, sondern zudem anderen Sportlern erklärt, wie sie die Kontrollen umgehen könnten.
Armstrong selbst bezeichnete sich als den "meistgetesteten Athleten des Planeten" und streitet bis heute ab, jemals Dopingmittel genutzt zu haben. Die juristischen Untersuchungen zum Fall sind noch nicht abgeschlossen. "Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern. Ich weiß was ich weiß und daran wird sich nichts ändern", sagte Armstrong.
Doch auch auf der Rennstrecke machte sich der Texaner nicht nur Freunde. Mit seiner Art, das Feld zu kontrollieren, bestimmte er stets das Tempo und verteilte damit zuweilen Platzierungen, wie es ihm gefiel. "Vieles ist überanalysiert oder falsch dargestellt, aber das gehört eben zum Radsport dazu, so läuft das Geschäft", sagte Armstrong. Im Sport gebe es immer Machtkämpfe, Eifersucht und Verbitterung. Und gerade wenn einer eine spektakuläre Leistung abliefere, versuche jeder, ihn auseinanderzunehmen.
Als Grund für seinen Rücktritt nennt der 39-Jährige nicht nur sein Alter und die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen. Er sei müde, ja, aber er wolle sich auch anderen Verantwortungen stellen und sich mehr um seine Familie kümmern. Gerüchte, er werde sich in der Politik versuchen, weist er von sich – zumindest vorerst.
Diesen Sommer will er trotz allem wieder zur "Tour" nach Frankreich, gemeinsam mit dem ältesten seiner fünf Kinder, dem 11-jährigen Luke. Vielleicht werde er sogar als Berater in einen der Team-Wagen steigen, die bei all seinen früheren Teilnahmen immer neben ihm her gefahren sind.
(dapd)
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