Aktuelle Nachrichten – Deutschland
08.12.2009
Nürnberg – Mit einer Zentralstelle für die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse wollen die Länder die Arbeitschancen von Migranten verbessern. Die Integrationsbeauftragten der Länder forderten am Dienstag in Nürnberg, die neue Anlaufstelle solle beim Bund eingerichtet werden und müsse Migranten binnen sechs Monaten Auskunft geben, ob ihre Qualifikationen in Deutschland anerkannt werden.
Bisher müssten ausländische Fachkräfte zum Teil jahrelang auf einen solchen Bescheid warten, „und irgendwann verlieren sie dann den Anschluss“, beklagte der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer, CSU. Etwa 300.000 bis 500.000 gut ausgebildete Migranten könnten ihr Wissen und Können in Deutschland nicht einsetzen. Nur 16 Prozent der Migranten arbeiteten in ihrem erlernten Beruf. Viele hoch qualifizierte Akademiker müssten sich mit niedrigen Jobs oder als Hilfsarbeiter durchschlagen.
„Dadurch geht uns, vor allem mit Blick auf den bestehenden Fachkräftemangel, ein wichtiges Potenzial verloren“, kritisierte Neumeyer. Der Anspruch auf ein rasches Anerkennungsverfahren müsse gesetzlich verankert werden, forderten Neumeyer und die sachsen-anhaltinische Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD).
Derzeit gibt es etwa 300 verschiedene Anlaufstellen für Migranten, um ausländische Berufs- oder Studienabschlüsse anerkennen zu lassen – darunter die Arbeitsagenturen und Ausländerbehörden. Aber in jedem Bundesland gelten andere Maßstäbe. Für die meisten Betroffenen sei dies nicht mehr zu durchschauen, sagten die Integrationsbeauftragten.
Die neue „Clearing-Stelle“ solle einheitliche Kriterien entwickeln. Über Weiterbildung und Zusatzprüfungen sollen die Migranten deutsche Standards erreichen und ihren Beruf ausüben können. Widerstand sei von Berufsgruppen oder Handwerkskammern zu erwarten, die ausländische Konkurrenz befürchteten. „Hier ist noch ein dickes Brett zu bohren“, sagte Möbbeck. (AP)
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