Aktuelle Nachrichten Europa – Ratko Mladic steht zum ersten Mal vor dem UN-Tribunal – Mike Corder / AP
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"Schlächter von Srebrenica" Ratko Mladic steht zum ersten Mal vor dem UN-Tribunal

Mike Corder / AP

03.06.2011

Bosnische Muslime warten auf die Ankunft von Ratko Mladic. Ihm wird das Massaker an 8.000 muslimischen Jungen und Männern vorgeworfen. Foto: AP Photo/Cynthia Boll
Bosnische Muslime warten auf die Ankunft von Ratko Mladic. Ihm wird das Massaker an 8.000 muslimischen Jungen und Männern vorgeworfen.

Foto: AP Photo/Cynthia Boll

Den Haag – Drei Tage nach seiner Auslieferung ist der mutmaßliche bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic zum ersten Mal vor dem UN-Tribunal in Den Haag erschienen. Der 69-Jährige beschrieb sich in der ersten Anhörung als schwer kranker Mann, der mehr Zeit brauche, um die elf Anklagepunkte zu verstehen. Einzelheiten zu seinem Gesundheitszustand nannte er allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

"Ich bin General Mladic und die ganze Welt weiß, wer ich bin", erklärte der Angeklagte zum Abschluss der Anhörung, die eine Stunde und 40 Minuten dauerte. Der Vorsitzende Richter Alphons Orie setzte die nächste Anhörung für den 4. Juli an. Dann bekommt Mladic erneut die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, was er am Freitag nicht tun wollte. Er sprach von "widerlichen Anschuldigungen" und "monströsen Worten".

In barschem Ton beschied er Orie, er wolle "nicht einen einzigen Buchstaben oder Satz" von seiner Anklage im Gericht hören. Orie begann dennoch mit dem Verlesen der Anklage. Mladic wird darin vorgeworfen, die schlimmsten Gräueltaten des Bosnienkrieges mit 100.000 Toten organisiert zu haben, darunter das Massaker von Srebrenica.

Von der Galerie aus bekamen Überlebende des Bosnien-Kriegs, Diplomaten und Journalisten einen Mann zu sehen, an dem das Leben auf der Flucht nicht spurlos vorüberging. Mladic schien seine rechte Hand nicht bewegen zu können. Er benötigte Hilfe, um den Kopfhörer aufzusetzen, damit er die serbische Übersetzung der Anhörung hören konnte. Er sprach langsam und teilweise undeutlich. Seine Familie sagte nach seiner Festnahme in der vergangenen Woche, Mladic habe während der Flucht zwei Schlaganfälle erlitten.

Live-Übertragung im serbischen Fernsehen

Die Anhörung wurde live im serbischen Fernsehen übertragen, wo die Zuschauer allerdings meist gleichgültig erschienen oder neugierig waren, wie Mladic heute aussieht. Borjo Jancic aus Belgrad sagte, Mladic sehe alt aus. "Das ganze ist wirklich traurig", erklärte er. "Ich kann nicht glauben, dass sie ihn jetzt zu dem Prozess zwingen." Dragan Tosic, ebenfalls aus Belgrad, fand dagegen, Mladic sehe Anbetracht der Umstände gut aus. "Das hätte schon vor langer Zeit passieren sollen", sagte er über den Prozess.

"Schlächter von Srebrenica"

Unter den zahlreichen Menschen auf der Galerie waren Mütter und Witwen aus Srebrenica. Die Vorsitzender der Vereinigung Mütter von Srebrenica, Munira Subasic, erklärte, einerseits freue sie sich darüber, Mladic endlich vor Gericht zu sehen. Andererseits sei sie traurig, weil viele Mütter diesen Moment nicht mehr erlebten, "Mütter, die Knochen ihrer Kinder fanden und sie beerdigten, ohne Köpfe und Hände und das einzige, was sie sich wünschten, war seine Festnahme. Aber sie haben das nicht mehr erlebt."

Vor dem Gericht stand ein Mann mit einem weißen Plakat, auf dem in roten Buchstaben "Mladic, Schlächter von Srebrenica" geschrieben stand.

(dapd)

 

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