Berlin – Die deutsche Wirtschaft und die Bundesregierung haben die weltweit wachsende Produktpiraterie angeprangert und die Käufer gefälschter Waren vor unkalkulierbaren Risiken gewarnt. Mittlerweile seien auch in der Bundesrepublik nachgemachte Medikamente aufgetaucht, berichtete Bundesjustizministerin Brigitte Zypries am Mittwoch in Berlin. Bedenklich und gesundheitsgefährdend sei auch manche gefälschte Kleidung, deren illegale Zusatzstoffe Allergien und Ausschlag auslösen könnten, warnte die SPD-Politikerin.
Die Ministerin erklärte: „Wer Piraterieprodukte kauft, gefährdet sich und andere und verursacht massive volkswirtschaftliche Schäden.“ Weltweit summieren sich die Umsatzeinbußen laut OECD-Statistiken mindestens auf 170 Milliarden Euro pro Jahr, die Internationale Handelskammer ICC schätzt sie sogar auf weit über 400 Milliarden Euro.
Die meisten Fälschungen kommen aus China, Russland, Indien, Brasilien und Indonesien, wie ICC-Präsident Manfred Gentz bei der Vorstellung eines neuen Internetportals berichtete. Er nannte Produktpiraterie „das Verbrechen des 21. Jahrhunderts“; es gebe intensive Kontakte zur organisierten Kriminalität einschließlich Geldwäsche im großen Stil.
Axel Nitschke vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnete vor, dass allein in Deutschland jährlich Umsatzeinbußen von 20 bis 30 Milliarden Euro anfallen. Umgerechnet bedeute dies den Verlust von rund 70.000 Arbeitsplätzen. Weil die Nachfrage das Angebot bestimme, verlangte er einen Bewusstseinswandel bei den potenziellen Käufern. Eine wirkliche Trendumkehr sei aber leider nicht zu erkennen, sagte Nitschke. „Besonders im Internet lässt mancher Käufer bei vermeintlichen Schnäppchen ein gesundes Misstrauen vermissen.“
http://www.original-ist-genial.de/ (AP)
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