Berlin – Ausbildungsbetriebe sollen eine Belohnung vom Staat bekommen, wenn sie schwer vermittelbare Jugendliche als Lehrlinge einstellen. Das hat Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) angekündigt. „Wir wollen einen Ausbildungsbonus für zusätzliche Lehrstellen einführen, der gezahlt wird, wenn Altbewerber, die schon lange vergeblich nach einem Ausbildungsplatz suchen und maximal einen Realschulabschluss haben, eingestellt werden“, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Der Bonus soll rund die Hälfte der Azubi-Vergütung betragen und an die Betriebe gezahlt werden. Scholz erwartet, dass damit rund 90.000 Altbewerber zusätzlich innerhalb der nächsten drei Ausbildungsjahre eine Lehrstelle erhalten.
FDP, Grüne und die Gewerkschaften äußerten sich skeptisch. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach in der ARD von einer „grotesken Vorstellung“, dass Arbeitsmarktinstrumente, die schon seit Jahrzehnten nicht wirkten, nun helfen sollten. Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bezeichnete den Vorstoß als „komplett absurde Idee“. Auch Unternehmen hätten die Pflicht, ihren Teil zum Gemeinwesen beizutragen, und das heiße Lehrstellen zu schaffen. Der DGB monierte, in Deutschland bildeten viel zu wenig Betriebe aus; das müsse sich angesichts des Fachkräftemangels ändern.
Die Koalition hatte im Sommer eine Qualifizierungsoffensive beschlossen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Wir haben im Großen und Ganzen keinen Fachkräftemangel, den wir nicht mit den in Deutschland lebenden Menschen beheben könnten“, sagte Scholz der „Welt am Sonntag“. „In einzelnen Branchen fehlt es an qualifizierten Akademikern. Aber da können wir passgenau reagieren“, erklärte er. „Angesichts der vielen Arbeitslosen und derjenigen, die vergeblich eine Lehrstelle suchen, wäre es aber absurd, im großen Stil im Ausland nach Fachkräften zu suchen.“
Experten der SPD-Bundestagsfraktion wollen zudem gesetzliche Regelungen prüfen, wie sich die Rechte von Praktikanten in Unternehmen stärken lassen. Ziel soll es laut „Spiegel“ sein, ihren Missbrauch als Ersatz für festangestellte Arbeitskräfte einzudämmen. Im Gespräch ist, dass Praktikanten künftig einen Vertrag und eine kleine Entlohnung erhalten. Zudem wird über eine Befristung der Praktika nachgedacht.
Grund für den Vorstoß sind zwei Petitionen an den Bundestag. Gut 100.000 Unterzeichner hatten darin gesetzliche Regelungen gegen die Ausbeutung von Praktikanten angemahnt. Eine der Initiativen war im vergangenen Jahr vom Deutschen Gewerkschaftsbund gestartet worden. (AP)
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