Kultur – Reich-Ranicki und Gottschalk sprechen über Qualität im Fernsehen – DAPD
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Kritik erwünscht Reich-Ranicki und Gottschalk sprechen über Qualität im Fernsehen

DAPD

13.10.2008

Der Literarturkritiker Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk, links. (AP Photo/Roberto Pfeil)
Der Literarturkritiker Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk, links. (AP Photo/Roberto Pfeil)

Mainz – Nach der Verweigerung des Deutschen Fernsehpreises diskutiert Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki mit Thomas Gottschalk jetzt über Qualität im Fernsehen. Das ZDF sendet das Gespräch am Freitagabend um 22.30 Uhr, wie der Mainzer Sender am Montag mitteilte. Der 88-jährige Reich-Ranicki bekräftigte unterdessen seine Kritik am TV-Angebot in Deutschland, Unterstützung erhielt er von Elke Heidenreich.

„Aus gegebenem Anlass“ heißt die Sendung, die am 17. Oktober nach dem „Heute-Journal“ ausgestrahlt wird. Die Aufzeichnung ist für Mittwoch geplant. Damit werde das Versprechen eingelöst, das Gottschalk Reich-Ranicki bei der Preisverleihung gegeben habe, hieß es. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut zeigte sich erfreut über die Zusage von Reich-Ranicki und erklärte: „Wir sind offen für Kritik und räumen ihr gerne Raum ein.“

Der Literaturkritiker, der bei der Gala des Deutschen Fernsehpreises in Köln für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, hatte die Ehrung auf der Bühne zurückgewiesen. Er begründete dies mit seiner Kritik an der Qualität des Fernsehens. Im Bayerischen Rundfunk sagte er am Montag: „Der Preis war eine Beleidigung. Da wurden lauter miserable Sachen preisgekrönt. Da gehöre ich nicht dazu.“

Seinen Preis in Form eines Plexiglas-Obelisken ließ er stehen, die Produzentin Katharina Trebitsch nahm ihn mit. Auf die Frage, wo sie ihn aufbewahre, antwortete Reich-Ranicki im BR: „Das weiß ich nicht. Vielleicht auf ihrem Klo.“

Die Idee, seine Meinung zu sagen, sei ihm spontan gekommen, erklärte er. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte er: „Eines ist sicher: Ich bin nicht nach Köln gefahren, um Krach zu schlagen.“ Es habe ihn wütend gemacht, dass fast alle preisgekrönten Darbietungen auf einem erbärmlichen Niveau gewesen seien.

„Ich wurde eingeladen, dachte, es handelt sich um einen ernsthaften Preis. Aber es hat sich herausgestellt, dass dies ein sehr unseriöser Preis ist, deshalb habe ich die Annahme verweigert“, begründete Reich-Ranicki sein Verhalten in einem vorab veröffentlichten Interview des Fernsehmagazins „RTL Exclusiv“. „Fernsehen muss nicht so verblödet sein“, wird er zitiert. Denn große Literatur sei immer auch große Unterhaltung. Dies gelte etwa für Shakespeare.

„Von mir aus schmeißt mich jetzt raus“

Elke Heidenreich, die im ZDF die Literatursendung „Lesen!“ präsentiert, unterstützte Reich-Ranicki in seiner Kritik. „Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich“, schrieb sie in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

„Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse“, erklärte sie mit Blick auf Reich-Ranicki. „In jeder Hinsicht, einen so alten Mann lässt man nicht derart lange warten, und man mutet einem so intelligenten Mann nicht einen solchen stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse zu (...)“.

„Wo waren die Programmdirektoren und Intendanten in diesem Augenblick, warum kam keiner von ihnen auf die Bühne, um etwas zu sagen? Weil es verknöcherte Bürokarrieristen sind, die das Spontane längst verlernt haben, das Menschliche auch, Kultur schon sowieso“, schrieb die Moderatorin weiter. Sie schäme sich, „in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten“. „Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde“, erklärte sie.

Ein ZDF-Sprecher erklärte dazu auf AP-Nachfrage, der Sender habe die Kritik zur Kenntnis genommen. Über die Zukunft der Sendung „Lesen!“ sei man ohnehin seit einiger Zeit im Gespräch. (AP)

 

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