Moos: Alpine Perle im Südtiroler Passeiertal

„Ötzi“ – ein Kriminalfall mit Klärungsbedarf? „Ötzi“ gehörte zu den Mitbegründern einer alpinen Siedlungskultur, die sich nach der Eiszeit – ausgehend von den Berggipfeln – immer weiter in die Täler …

„Ötzi“ – ein Kriminalfall mit Klärungsbedarf? „Ötzi“ gehörte zu den Mitbegründern einer alpinen Siedlungskultur, die sich nach der Eiszeit – ausgehend von den Berggipfeln – immer weiter in die Täler hinein ausbreitete. Eine schützenswerte Kultur, die heute davor bewahrt werden muss, von den Städtern zu einer Art „Heidiland“ umfunktioniert zu werden. Begrüßenswert ist daher die alpine Eigeninitiative „Sanfte Mobilität“, wie sie sich neuerdings in kleinen Zentren im gesamten Alpenbereich abzeichnet. Dafür haben sich 24 Gemeinden zu „Alpine Pearls“ zusammengeschlossen, um zukunftsweisende und nachhaltige ökologische Maßnahmen zu ergreifen.


Die südtiroler Gemeinde Moos im Passeiertal ist eine dieser Perlen, die den „Alpine Pearls“ vor drei Jahren beitrat. Nicht weit entfernt von der „Ötzi“-Fundstelle, arbeitet sie mit Nachdruck daran, mit der Bereitstellung öffentlicher Verkehrsmittel den Urlaub für ihre Gäste attraktiver zu machen. Und dies in einer Bilderbuchlandschaft, die sich zwischen 1000 und 1600 Höhenmetern eine natürliche Ursprünglichkeit bewahrt hat.
Angestrebt wird zunächst eine CO2-freie Mobilität, ein Ziel, das bei kostengünstiger gemeindeeigener Stromversorgung wohl nicht zu hoch gesteckt ist. Gerade hat die erste Elektro-Zapfsäule zum Auftanken von E-Autos das Licht der Welt erblickt. In der Zwischenzeit sollen eine Minibahn, Fahrräder, Reitpferde sowie ein exzellent getakteter feinmaschiger Busverkehr die Mobilitätslücke schließen. So können auswärtige Besucher getrost mit der Bahn anreisen oder das Auto während ihres Urlaubs am Dorfrand stehen lassen.
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Pferdekutsche oder Schusters Rappen
Ein Konzept, das zugleich eine Steigerung des Ferienerlebnisses, besonders für Familien mit Kindern, darstellt. Zum Beispiel die Fahrt mit der Pferdekutsche hinauf zum Lazinserhof, einer Gasthof-Jausestation in 1800 Metern Höhe. Kutscher Christian Ennemoser hält seine beiden Haflinger „Irma“ und „Goldi“ fest am Zügel. Dreimal täglich macht er diese Tour. Von Weihnachten bis Ostern bringt er in der üppigen Schneelandschaft sogar einen komfortablen Schlitten zum Einsatz.
Der Weg aus dem Tal hinauf ins Gebirge ist auch auf Schusters Rappen gut zu bewältigen. Mehrere hundert Kilometer ausgebaute Wanderwege führen hinauf zu einer der Berghütten wie der Zwickauer- oder der Stettiner Hütte. Oder hinauf zur Hütte St. Martin am Schneeberg, der ein kleines Bergbaumuseum angeschlossen ist.
Denn immerhin war hier in fast 2500 Metern Höhe das höchst gelegene Bergwerk Europas, in dem in einem verzweigten Stollensystem Metalle wie Silber, Blei und Zink ganzjährig aus dem Felsen herausgeschlagen wurden. Noch heute vermittelt der Karlsstollen einen Eindruck von der harten Arbeit, die die Bergknappen an diesem exponierten Ort zu verrichten hatten, wie Geologe Walter Innerhofer beim Einstieg erklärt. 800 Jahre lang wurde hier gefördert, bis nach einem Großbrand im Knappendorf vor fünfzig Jahren die Förderung endgültig eingestellt wurde.
„Leuchtturmprojekte“ im Gebirge
Aber auch die Zeitgeschichte machte vor dem Ort nicht Halt. Dies wird deutlich im „BunkerMooseum“ (!), das gerade erst von Museumsführer Johannes Haller eingerichtet wurde. Es ist einer jener Bunker, die Mussolini noch während des Zweiten Weltkrieges anlegen ließ, um sich für alle Fälle vor dem nördlichen Verbündeten zu schützen.
Höhepunkt des Erlebnisses jedoch ist das nicht alltägliche „Gondeldinner“ in der Gemeinde-Gondelbahn des Ortsteiles Pfelder. Sechs Gäste finden bei Sonnenuntergang in jeweils einer der Gondeln am festlich gedeckten Tisch Platz. Fünf Berg- und Talfahrten umfasst das Event, wobei an der Bodenstation jeweils fünf Gourmet-Gänge des Sternekochs Armin Mainhofer mitsamt erlesener Weine in die  geöffnete Kabinentür hineingereicht werden. Eine feierliche und zugleich ausgelassene Stimmung, die diese unvergleichliche Situation zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
Zweifellos ist dies auch eines jener „Leuchtturmprojekte“, die Peter Brandauer, der Erfinder und Präsident der „Alpine Pearls“ für die Mitgliedsgemeinden in Deutschland, Frankreich, Österreich, Italien, Slowenien und in der Schweiz im Auge hat. Für ihn ist es wichtig, dass die Alpen bestmöglich erhalten bleiben und die dazu notwendigen 1000 kleinen Schritte auch gegangen werden. Und die „Alpine Pearls“ sieht er dabei schon längst auf dem richtigen Weg.