Färöer-Inseln als neues Reiseziel: Felsenfestung im Nordatlantik (+FOTOS)

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft richtet sich der Blick verstärkt auf die Färöer-Inseln, den Außenposten im Nordatlantik. Musste Deutschland zittern? Vor einer Fußball-Nationalmannschaft der entlegenen Färöer-Inseln, die in früheren Jahren mit unerwarteten …

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft richtet sich der Blick verstärkt auf die Färöer-Inseln, den Außenposten im Nordatlantik.

Musste Deutschland zittern? Vor einer Fußball-Nationalmannschaft der entlegenen Färöer-Inseln, die in früheren Jahren mit unerwarteten Siegen bereits die Österreicher und Litauer das Fürchten gelehrt hatte? Und dies bei einer Bevölkerungszahl von nicht einmal 50.000 Einwohnern in einem Nationalstadion von gerade einmal 3.500 Plätzen? „Die Färöer sind nicht San Marino“, hatte Joachim Löw seinen Spielern in der Vorrunde der letzten Fußball-Weltmeisterschaft  mit auf den Weg gegeben. Eine Warnung, die die deutsche Mannschaft mit ihrem 3:0-Sieg zum Glück nicht in den Wind schlug.
Nur selten richtete sich bisher die Aufmerksamkeit der Europäer auf die kleine Inselgruppe im Nordatlantik. Eine von Fjorden und Meerengen zerfurchte Gebirgslandschaft irgendwo im Dreieck zwischen Schottland, Norwegen und Island, die völkerrechtlich zu Dänemark gehört. Deren Bewohner sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich einen respektablen Autonomiestatus vom Mutterland erstritten. Mit eigenem Parlament, eigener Regierung und nicht zuletzt mit einer eigenen Fußball-Nationalmannschaft.
Überleben in der Gegenwart
An Selbstbewusstsein scheint es den Färingern, so die Bezeichnung der Inselbewohner, demnach nicht zu fehlen. Woher jedoch beziehen sie ihre Stärke, die sie so erfolgreich sein lässt? Mit Bauprojekten wie 19 modernen Tunnels, die trotz mächtiger Felsmassive und allgegenwärtiger  Meerengen die 18 Inseln fast lückenlos miteinander verbinden? Oder mit einer beeindruckenden Wirtschaftsleistung, die den Inselbewohnern einen für diese abgelegene Region unerwarteten Wohlstand beschert.

Farmer Joannes Patursson in KirkjuböurFarmer Joannes Patursson in KirkjuböurFoto: Bernd Kregel

Farmer Joannes Patursson aus dem Örtchen Kirkjuböur meint, die Antwort zu kennen. Er schwört auf die Traditionspflege, die mit ihrem Wissen aus der Vergangenheit das Überleben in der Gegenwart erleichtert. Seit die irischen Mönche die Inselgruppe während ihrer Nordland-Mission entdeckten und die Wikinger sich auf den Inseln als Zwischenstation in Richtung Westen niederließen.       
Herbe Schönheit

Lückenlos über 17 Generationen hinweg reicht selbst seine eigene Familientradition bis zurück in das Zeitalter der Reformation. Und nun steht mit einem seiner Söhne bereits die 18. Generation bereit, um das Familienerbe anzutreten. Keine einfache Aufgabe, wo doch die ständigen Herausforderungen der Natur bereits den Vorfahren bei Wind und Wetter stets härtesten Einsatz abverlangten.

Ist es aber nicht gerade die herbe Schönheit dieser von den Naturgewalten zerzausten Insellandschaft, die die Abenteurer aus ihrem gebändigten mitteleuropäischen Umfeld in den hohen Norden zieht? Zu den schroffen Vogelfelsen in der Meerenge von Vestmanna, wo in den steilen verwitterten Klippen und Klüften rotschnäbelige Papageientaucher aus ihren Nestern heraus bei schrillem Geschrei mit der lautstark anrollenden Brandung konkurrieren.
Steinpyramiden zur Orientierung
Oder vorbei an neugierig dreinblickenden Schafen entlang den zahlreichen Wanderwegen auf den Hauptinseln Eysturoy und Streymoy? Wo kein Ort weiter als fünf Kilometer vom Meer entfernt ist und massive Steinpyramiden entlang der Wegstrecke selbst bei plötzlich auftauchenden Nebelschwaden oder Wolkenfetzen die Orientierung gewährleisten.   

Doch wie könnte man bei einer solch unberechenbaren Witterung die lieblichen Seiten dieser Inselwelt übersehen? Wenn die aufgehende Sonne bei Gjogv die Graslandschaft an den hoch aufragenden Berghängen in einen flauschig grünen Teppich verwandelt? Oder die untergehende Sonne den im Meerwasser versinkenden dreihundert Meter hohen Steilfelsen von Eidi mit glutrotem Licht zum Leuchten bringt?
Brillanter Gastgeber
Doch auch innerhalb geschlossener Räume kann man den Färöer-Inseln Genussvolles abgewinnen. Vor allem dann, wenn dabei die gute Inselküche mit ins Spiel kommt. Musterbeispiel ist der Schoner „Nordlysid“ (Nordlicht) im Hafenbecken von Torshavn. Er steht unter dem Kommando von Kapitän Birgir Enni, einem Multitalent, das sich nicht nur als Maler und Musiker einen Namen gemacht hat, sondern zugleich einen guten Ruf genießt als Taucher, Koch und brillanter Gastgeber.

Leckerbissen im Torshavner Café ÖströmLeckerbissen im Torshavner Café ÖströmFoto: Bernd Kregel

Denn regelmäßig holt er persönlich vom Meeresgrund herauf, was er für seine kleine aber feine Bordküche benötigt. Von der Muschel bis zum Seeigel, den er nach eigenem Rezept zubereitet und sogar gekrönten Häuptern wie unlängst dem König von Dänemark serviert. Ja, wenn Birgir beim Nachtisch zu erzählen beginnt, denkt niemand so schnell an Aufbruch.

Küche als Kraftquell

Ebenso wenig bei dem Farmerehepaar Anna und Oli Rubeksen in dem kleinen Ort Velbastadur während einer Einladung zum Dinner in seinen eigenen vier Wänden. Sie zelebrieren es genau so, wie es hierzulande üblich ist, mit Aquavit-Empfang, fruchtig abgeschmecktem Aperitif und einem warmen Platz am Kamin. Alles ist von Anna und Oli fachgerecht vorbereitet, vom Lachsgericht bis zur Hammelkeule, die Oli mit einem großen Messer tellergerecht zerteilt. Und abschließend ein cremiger Nachtisch  mit knusprigen Nussstückchen. 
Einfach göttlich, soweit Donnergott Thor eine solche Bezeichnung in seinem traditionellen Herrschaftsbereich akzeptiert. Kein Wunder, dass die Färinger auch aus einer solchen Küchenkultur ihre Stärke gewinnen. Und so ist es nicht auszuschließen, dass hier bei der nächsten Gelegenheit auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wieder auf einen nicht zu unterschätzenden Gegner treffen wird.  
www.visitfaroeislands.com, www.visittorshavn.fo , www.hotelforoyar.fowww.smyrilline.de,