„Lido Palace“ am Gardasees nicht nur für Schweinsteiger & Co.

Ganze hundert Jahre lang wartete das Nordufer des Gardasees auf die Wiedereröffnung einer Institution. Im Juni 2011 war es so weit das Traditionshaus „Lido Palace“ öffnete wieder seine Zimmer, Suiten …

Ganze hundert Jahre lang wartete das Nordufer des Gardasees auf die Wiedereröffnung einer Institution. Im Juni 2011 war es so weit das Traditionshaus „Lido Palace“ öffnete wieder seine Zimmer, Suiten und auch moderne Wellness.   

„Wozu braucht man einen Schlüssel, wenn es ohnehin nichts zu stehlen gibt?“ Goethe hatte, wie immer, ein offenes Auge für seine Umgebung. Und ganz besonders während seiner legendären „Italienreise“, die ihn im Jahr 1786 mit der Pferdekutsche von Rovereto aus an das Nordufer des Gardasees führte. Den langen Stiefel der Appenin-Halbinsel noch vor sich und die „Iphigenie“ in sich, an der er gerade intensiv arbeitete.
Doch sein Blick galt nicht nur der Armut dieser Region, sondern auch der Schönheit der Landschaft. Stolze Zweitausender standen sich hier direkt gegenüber und umschlossen in weitem Bogen den See. So recht nach dem Geschmack der Fürstbischöfe von Trient, die hier von ihrem Außenposten Riva del Garda aus nach dem Rechten sahen.

Offenbarung der „Belle Epoque“
War diese eher unaufdringliche Präsenz der geistlichen Macht ein Grund dafür, dass der kleine Ort im Schatten der Festung zu einigem Wohlstand gelangte? Dieser war sicherlich auch Napoleon nicht verborgen geblieben, der schon bald ein Auge auf die gesamte Region warf. Und schon gar nicht dem österreichischen Kaiserpaar Franz -Josef und Elisabeth, die Riva del Garda vom fernen Wien aus einen Besuch abstatteten und sich hier sogar am Seeufer einquartierten.
Denn der Ort hatte mit dem Übergang von Frankreich zum Habsburger Reich wieder einmal seinen Herrschaftsbereich gewechselt. Und dieser glückliche Umstand bedeutete für das Städtchen die Initialzündung für seine spätere Blüte. Bis hin zu einem aus dem Rahmen fallenden Hotelneubau, der alle Unterkünfte der Umgebung von Ausstattung und Lage her in den Schatten stellen sollte. Dazu galt sein Jugendstil als eine Offenbarung für alle Liebhaber  der „Belle Epoque“.
Dornröschenschlaf
Am vorletzten Tage des Jahrhunderts, am 30. Dezember 1899, wurde es als „Lido Palace“ feierlich eröffnet. Als eine standesgemäße Bleibe für die High Society der damaligen Zeit durch alle Gesellschaftsbereiche hindurch. Von den milliardenschweren Vanderbilts bis hin zur geistigen Elite wie Franz Kafka, Thomas Mann und Friedrich Nietzsche. Ja selbst Erzherzog Franz Ferdinand, der österreichische Kronprinz, konnte seinen Wunsch nicht unterdrücken, diesem angesagten Ort einen persönlichen Besuch abzustatten.
Wie hätte er auch ahnen können, dass sein plötzlicher Tod vor genau hundert Jahren dieser kurzen aber stolzen Tradition ein jähes Ende setzen sollte? Denn nach dem verhängnisvollen Attentat auf ihn im serbischen Sarajewo zerstörte der Erste Weltkrieg das habsburgische Reich, und weite Teile fielen an Italien. So auch Riva del Garda samt seinem „Lido Palace“. Und dieses verfiel, verglichen mit seinen einstigen Standards,  für lange Jahrzehnte in einen tiefen Dornröschenschlaf. War es das stolze Habsburger Erbe, das die neuen Besitzer des Trentino davon abhielt, diese Tradition fortzusetzen?
Gläserne Krone
Im Juni 2011 war es dann schließlich so weit. Das „Lido Palace“ wurde in alter und neuer Pracht wiedereröffnet und erfreut sich seitdem, so Hotelchef Gabriele Galieni, regen Zuspruchs. Für den Neuentwurf hatte man den venezianischen Architekturprofessor Alberto Cecchetto verpflichten können, der dem alten Gebäudetrakt mit einem unauffälligen neuen Stockwerk gleichsam eine repräsentative gläserne Krone aufsetzte.

Auch der Gartenbereich wurde in Cecchettos Neuplanung einbezogen. Er verwandelte sich in ein neues gastronomisches Zentrum, in dem die Restaurants unmittelbar in den Parkbereich eingebunden sind. So fühlt sich jeder, während er die Köstlichkeiten von Sternekoch Giuseppe Sestito zu sich nimmt, beim Blick in den Garten eher umgeben von der Natur als von der Architektur.
Sommer-Trainingscamp
Supermodern auch die Wellness-Anlage mit ihrer legendären „Salzmauer“, ihrem Wärmeparcours, der finnischen Saune sowie ihrem Außen- und Innenpool. Allein die blumige Beschreibung der unterschiedlichen Wellness-Behandlungsmöglichkeiten lässt aufhorchen. Da ist die Rede von einem antiken Bade-Ritual aus Japan, dem Garten der Genüsse, einem südamerikanischen Sonnenuntergang bis hin zu einem Birmanischen Traum. Die Entscheidung fällt für eine sinnliche „Reise in die Südsee“ die nach kurzer atmosphärischer Einstimmung  beginnt.
Sie ist unter den zarten Händen von Sylvia nur zu beschreiben mit assoziativen Bildern totaler Hingabe an  tropische Genüsse wie der Hitze auf der Haut, dem Rauschen der Wellen und der Wiedergeburt eines neuen Menschen, der da schließlich rundum erneuert wieder aufersteht. Auch nördlich der Alpen muss sich dies herumgesprochen haben. Warum sonst hätte sich im letzten Jahr der FC Bayern München mit seinem Trainer Josep Guardiola hier im Rahmen des Sommer-Trainingscamps eine Woche lang einquartiert? Man sieht es förmlich, wie Schweinsteiger & Co. hier am Pool ausgelassen ihren Unsinn treiben.
Italienische Nacht
Wenn dann der Abend seine dunkle Decke über den See wirft, leuchtet vom gegenüber liegenden Gipfel des Rocceta-Berges die Fassade der Sta. Barbara-Kapelle herunter. Und erweckt für einen Augenblick die Illusion, als sei in leichtem Abenddunst gerade der Mond aufgegangen.
Wen würde es da wundern, wäre Goethe heute Zeuge dieser einzigartigen Stimmung, wenn er sofort sein Schreibgerät zücken würde, um seine Eindrücke zu Papier zu bringen. Und sicherlich könnte ihn nichts davon abhalten, in mediterraner Vorahnung den Zauber dieser italienischen Nacht in Versform zu kleiden. Vielleicht sogar mit dem Unterton: „Verweile doch, du bist so schön?“
www.rivadelgarda.com, www.gardatrentino.it, www.lido-palace.it