Vietnam-Reise zur inneren Mitte – begleitet von zärtlichem Lächeln und heilenden Händen

Mit unwiderstehlichem Charme entwickelt sich Südvietnam zu einem bevorzugten Reiseziel in Fernost. Mit gepflegtem Understatement auf dem Weg zurück zur Natur, bei dem Wellness in vielfältiger Form praktiziert wird.

„Immer im selben Bett?“ Mit penetranter Ungeduld meldet sich die Lebenskrise, wenn bisher praktizierte Gewohnheiten an ihre Grenzen stoßen. In unberechenbarer Launenhaftigkeit treibt sie dann plötzlich Menschen jeglichen Alters vor sich her und setzt deren bisheriger Beständigkeit ein jähes Ende.  Ein ähnliches Schicksal, wie es auch größere Flüsse heimsucht. So wie den Mekong, dem in ganz Südostasien Beständigkeit und Verlässlichkeit nachgesagt werden. Doch plötzlich und unerwartet spielt er verrückt. Sollte er etwa beim Überqueren der vietnamesischen Grenze ahnen, dass er schon bald auf Nimmerwiedersehen im Südchinesischen Meer verschwinden muss?   

So entscheidet er sich, für den Rest seines Daseins in vielen verschiedenen  Betten seine Lebenserfüllung zu finden. Das Resultat dieses Altersleichtsinns ist ein Deltasystem mit stets neu abzweigenden Flussbetten. Inmitten eines überaus fruchtbaren Schwemmlandes, in dem versehentlich vergessene Holzstühle angeblich bereits über Nacht Wurzeln schlagen. Von dieser Üppigkeit zeugen die schwimmenden Märkte, auf denen in aller Herrgottsfrühe von wendigen Booten aus Früchte und Gemüsesorten verschiedenster Art den Besitzer wechseln. Asien in seiner wohl buntesten und vielleicht sogar attraktivsten Form?

Gepflegtes Understatement

Fast unauffällig dem riesigen Mekong-Delta vorgelagert findet sich die kleine Con Son-Inselgruppe, die man bisher vergeblich in den Reiseführern des Landes suchte. Wohl aus gutem Grund, war doch Con Dao, die Hauptinsel des Archipels, früher eine gefürchtete Gefangeneninsel. Mit Furcht einflößenden Gefängnisbauten, ausgestaltet im effektvollen und zugleich Menschen verachtenden „Papillon“-Stil. So wie sie mit ihren berüchtigten „Tigerkäfigen“ auch anderswo im französischen Kolonialbereich  zu trauriger Berühmtheit gelangten.

Musikerin in The Reverie SaigonMusikerin in The Reverie SaigonFoto: Bernd Kregel

Doch dann, welch ein Imagewandel, als vor wenigen Jahren im Halbkreis der weit ausladenden Sandbucht von Con Dao ein hochkarätiges Resort errichtet wurde. Die geräumigen Strandvillen gearbeitet mit gediegenen heimischen  Materialien, für die sich sogar Angelina Jolie und Brad Pitt samt Familie begeistern können. Gepflegtes Understatement auf dem Weg zurück zur Natur, bei dem Wellness in angenehmer und vielfältiger Form praktiziert wird. Berühmt für die individuelle Reise zur inneren Mitte sind die ausgefeilten Yoga-Übungen des indischen Arztes Aneesh mitsamt seinen einfühlsamen  Meditations-Anleitungen, mit denen er jeden Tag beginnen lässt.

Stadt in Bewegung

Und doch führen nach Tagen der Ruhe und Entspannung alle Wege zurück in die südvietnamesische Metropole Ho Chi Minh City. Von vielen der Einfachheit und der inneren Verbundenheit halber immer noch Saigon genannt. Deutlich sichtbar der Hubschrauber-Landeplatz auf der Dachterrasse des  Wiedervereinigungs-Palastes, auf der sich – unvergesslich eingebrannt in das kollektive Gedächtnis – in höchster Panik jene dramatischen Fluchtszenen abspielten, um durch dieses winzige Nadelöhr zumindest noch das eigene Leben in Sicherheit zu bringen.

Massage im Six Senses Ninh Van BayMassage im Six Senses Ninh Van BayFoto: Bernd Kregel

Eine ganze Generation später hat der Alltag längst von der Stadt Besitz ergriffen. Mit Hotel- und Bürotürmen, die in der Stadtmitte wie Pilze aus dem Boden schießen. Seine unübertroffene Einmaligkeit gewinnt Saigon jedoch  als „Stadt in Bewegung“. Nicht allein wegen der von Musik begleiteten gymnastischen Übungen, mit denen die Menschen zu Scharen im Stadtpark den Sonnenaufgang begrüßen. Vielmehr tragen zu diesem Eindruck Hunderttausende von Mopeds und Motorrädern bei, die sich während der Verkehrs-Stoßzeiten alle gleichzeitig in Bewegung zu setzen scheinen und bis zur nächsten Grün-Phase die Ampelanlagen verbarrikadieren.

Verpatzter Liebesbrief nach Paris

Eine Insel der Ruhe findet sich dagegen mitten in der Altstadt, gleich gegenüber der ganz in Rot gehaltenen Kathedrale. In dem wohl schönsten Postamt Asiens, dessen verspielte gelbe Fassade den Besucher ehrfurchtsvoll verstummen lässt. Der Ehrenplatz in der Mitte der Innenhalle steht einem kleinen, bescheiden auftretenden Gentleman zu. Seit Jahrzehnten sitzt er fast täglich an einem unscheinbaren Tischchen und bildet für viele Bewohner Saigons aus ganz praktischen Gründen das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Meerblick über die Ninh Van BayMeerblick über die Ninh Van BayFoto: Bernd Kregel

Bereitwillig stellt er sich mit flüssiger Handschrift vor als „Duong Van Ngo, Public Writer, Saigon Central Postoffice“. Mit seinen 85 Jahren der letzte öffentliche Briefschreiber seiner Art. Also jemand, der hier an diesem Stammplatz den Briefverkehr übernimmt für alle, die des Lesens und Schreibens unkundig sind. Keine Aufgabe für jedermann. Denn würde ein verpatzter Liebesbrief  nach Paris, so gibt er zu bedenken, nicht womöglich einer sich anbahnenden Beziehung sogleich ein jähes Ende bereiten? Und eine enttäuschte „Miss Saigon“ wüsste in diesem akuten Notfall nicht einmal genau, was sie denn bis dahin falsch gemacht hätte.

Zupackende Hände

Frühlingsrolle in der KochschuleFrühlingsrolle in der KochschuleFoto: Bernd Kregel

Der Kreis einer Reise nach Südvietnam schließt sich  in Nha Trang. Jener belebten Stadt an der Südostküste des Landes mit ihrem Inselresort von Ninh Van Bay. Noch großzügiger konzipiert als das von Con Dao und reichlich versehen mit echten „Papillons“, die tagsüber in allen Größen und Farben lebhaft in den Baumkronen der Strand-Bungalows ihrer Lebensfreude Ausdruck verleihen. Und mit ihrem bewegten Spiel alle anstecken, die sich auf ihr nach eigenem Geschmack konzipiertes Tagesprogramm freuen.
Auf ein Unterwasser-Abenteuer am Hausriff, auf das Erlernen heimischer Kochkünste mit Kräutern aus dem hauseigenen Bio-Garten bis hin zu einem der vielfältigen Massageangebote im stilvoll eingerichteten Spa. Hier beeindrucken besonders Nga und Hue, unter deren zarten und zugleich kräftig zupackenden Händen jeder augenblicklich dahin schmilzt. Entspannt bis hinunter in den tiefsten Seelenkern. Und zugleich auch in dem Bewusstsein, durch heilende Zuwendung dieser Art bei der Reise nach Fernost an der richtigen Stelle gelandet zu sein. Denn längst hat Vietnam unter all den „Ländern des Lächelns“ seinen angemessenen Platz gefunden.  
Einreise: Nur Reisepass bei einmaliger Einreise für 15 Tage; bei längerem Aufenthalt ist ein Visum erforderlich, das als “visa on arrival” jedoch mit dem Reiseveranstalter vorher arrangiert werden sollte.
Reisezeit: Günstigste Reisezeit sind die monsunfreien Monate Dezember bis Juni; stärkste Regenzeit sind die Monate Oktober und November.

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