Reiseziel zum ESC: Die Wiener Ringstraße feiert im Mai 2015 ihr 150-Jahre Jubiläum

Auch nach 150 Jahren gelingt in Wien das Zusammenspiel von imperialer Pose und bürgerlichem Glanz. 2015 wird das 150-jährige Jubiläum gefeiert. Die Wiener Ringstraße wurde am 1. Mai 1865 im …

Auch nach 150 Jahren gelingt in Wien das Zusammenspiel von imperialer Pose und bürgerlichem Glanz. 2015 wird das 150-jährige Jubiläum gefeiert. Die Wiener Ringstraße wurde am 1. Mai 1865 im Beisein von Kaiser Franz Joseph pompös eröffnet.

Ob sich der türkische Großwesir Kara Mustafa Pascha aus dem Jenseits heraus wohl ungläubig den Bart raufte? Denn immerhin hatte die Wiener Stadtmauer während des letzten Türkenkrieges mit ihren mächtigen Wehranlagen bis zuletzt seiner geballten militärischen Schlagkraft  standgehalten.  
Was damals jedoch seine wuchtig aufschlagenden Kanonenkugeln nicht geschafft hatten, das vollbrachten nun seine einstigen  Gegner aus freien Stücken mit Hilfe einfacher Spitzhacken. Als Voraussetzung genügten allein die unaufhaltsame Bevölkerungsexplosion im Inneren des Mauerringes sowie ein einziger schwungvoller Federstrich von Kaiser Franz Joseph, um eine der widerstandsfähigsten Festungsanlagen des Abendlandes dem Erdboden gleich zu machen.

Aufbruchsstimmung der Gründerjahre
So beängstigend diese verteidigungstechnische Selbstentblößung für manche auch sein mochte, so befreiend wirkte sie demgegenüber auf viele Andere. Schienen doch, so Stadtbegleiterin Alexa Brauner, ganze Heerscharen von Städteplanern und Architekten, Baumeistern und Ingenieuren bereits auf diese Gelegenheit gewartet zu haben.  
Denn bot nicht die frei gewordene Fläche mitsamt ihrem vorgelagerten Grüngürtel eine nie dagewesene Möglichkeit, um städtebaulich etwas ganz Besonderes zu schaffen? „Etwas Außergewöhnliches“, so Alexa weiter, „das nicht nur die imperiale Größe des Habsburger Kaiserreiches atmete, sondern darüber hinaus auch dem Repräsentationsbedürfnis des aufstrebenden Bürgertums in der Aufbruchsstimmung der Gründerjahre Rechnung trug.“
Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. So entstand innerhalb kürzester Zeit ein fünf Kilometer langer Alleenring, der sich trotz aller unterschiedlichen Baustile und ornamentalen Verschiedenheiten in harmonischer Einheit verdichtete zur städtebaulichen  Essenz des neuzeitlichen Wiens. Über lange 150 Jahre hinweg, seit die Wiener Ringstraße am 1. Mai 1865 im Beisein von Kaiser Franz Joseph pompös eröffnet wurde. Erstanden nach beispiellosem Bauboom wie ein Phönix aus der Asche und seitdem einer der schönsten und prächtigsten Boulevards der Welt.
Universum Staatsoper
Jedes dieser Gebäude in seinen Dimensionen gleichsam ein Universum für sich. Dies gilt ganz besonders für die Wiener Staatsoper, als Haus mit dem größten Repertoire eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt. Fast so unübersichtlich wie das Labyrinth von Knossos verfügt der Bühnenbereich hinter dem „Eisernen Vorhang“ neben der Hauptbühne über eine jederzeit aktivierbare Drehbühne sowie zusätzliche Nebenbühnen.  
Oliver Sturm, Technischer Assistent in diesem Bühnen-Wirrwarr, zeigt sich beim Abstieg in die für den Besucher ungewohnte Unterwelt mit jeder von ihnen bestens vertraut. Vom ihrem Modernisierungsgrad her zwar nicht unbedingt auf dem allerneuesten Stand, ist der Bühnenfachmann doch fest davon überzeugt, dass von ihm und seinen Kollegen „technisch das Maximale herausgeholt wird“. Mit dem Erfolg, dass unvorhergesehene Patzer kaum vorkommen. Nicht einmal nach längerem Überlegen fällt ihm zu diesem Albtraumthema etwas ein, außer irgendwann einmal ein defekter Bühnenscheinwerfer.
Kaffee-Raffinessen

Auch die Kaffeehäuser an der Ringstraße sind wie die städtischen Bühnen aus dem Wiener Kulturleben nicht wegzudenken. Ihre unfreiwilligen Gründungsväter, so die Legende, seien die vom Kaffeegenuss berauschten  Türken, die damals bei ihrer übereilten Flucht die prall gefüllten Kaffeesäcke vor den Mauern Wiens zurückließen. Unvermeidlich fällt beim Ring-Rundgang der Blick auf das Café Prückel am Stubenring oder das Café Landtmann in unmittelbarer Nähe des Burgtheaters. Weltweit einzigartig und mitsamt den anderen Wiener Kaffeehäusern  unlängst gar in den Rang eines „immateriellen Landeskulturerbes  der UNESCO“ erhoben.

Wien: Kaffeespezialität im Café LandtmannWien: Kaffeespezialität im Café LandtmannFoto: Bernd Kregel

Die Begründung dafür liefern vor allem die klassischen Kaffee-Spezialitäten in ihrer Vielfalt und geschmacklichen Raffinesse: vom Kleinen Schwarzen, dem Kleinen Braunen, dem Franziskaner und der Melange über die Kleine Schale  Gold, den Kaffee Verkehrt, den Verlängerten Schwarzen oder Braunen bis hin zum Einspänner, Kapuziner, Fiaker oder der berühmten Maria Theresia als ein doppelter Mokka mit einem Schuss Orangenlikör und Schlagobers im Glas serviert.“
Wiener Schmäh
Zeigt sich bei dieser immer noch unvollständigen Aufzählung seiner Getränkekarte nicht gar ein stolzes Lächeln im Gesicht von Kommerzialrat Maximilian Platzer? Als Besitzer von Café Weimar und zugleich Obmann der Wiener Kaffeesieder  kennt er die Eigenheiten der Wiener Kaffeehauskultur wie kein Anderer. Mit ihm sich zu unterhalten ist belebend wie eine seiner vielfältigen Kaffeekreationen. Und schon schnell gewinnt der Zuhörer einen Einblick in all die Geheimnisse, die mit dem Kaffeesieder-Handwerk  zusammenhängen.  Garniert mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh rückt er dabei die Maßstäbe innerhalb und außerhalb seiner Zunft zurecht.   

Wien: Treppenaufgang im Kunsthistorischen MuseumWien: Treppenaufgang im Kunsthistorischen MuseumFoto: Bernd Kregel

Doch unter dem Strich bricht er eine Lanze für das Wiener Kaffeehaus, dem er sein Leben verschrieben hat: „Wer bisher überlebt hat“, so zeigt er sich überzeugt, „wird auch weiter leben“. Damit bescheinigt er bei zunehmender Allerwelts-Kaffeekonkurrenz selbstbewusst und von höchster Stelle aus dem Wiener Kaffeehaus auch nach 300 Jahren seiner Existenz  eine tragfähige Zukunft.
Hauch von Jubiläumsfieber
So zeigt sich Wien am Vorabend des Ring-Jubiläums auf allen Ebenen bestens gerüstet und versprüht bereits einen Hauch des zu erwartenden Jubiläumsfiebers. Nicht zuletzt im Stolz darauf, als festes Bollwerk im Südosten mit seiner Widerstandskraft der europäischen Kultur einen nicht zu unterschätzenden  Dienst erwiesen zu haben.
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