Salzburg und sein „Domquartier“: Glanzstücke des Barock (+ Fotogalerie)

Ein architektonischer Geniestreich in Salzburg eröffnet vielfältige Einblicke in das Zentrum bischöflicher Prachtentfaltung. Mozart ist Kult. Nirgendwo mehr als in seiner Geburtsstadt Salzburg mit ihrem üppigen Mozart-Musikleben und ihrer allgegenwärtigen …

Ein architektonischer Geniestreich in Salzburg eröffnet vielfältige Einblicke in das Zentrum bischöflicher Prachtentfaltung.

Mozart ist Kult. Nirgendwo mehr als in seiner Geburtsstadt Salzburg mit ihrem üppigen Mozart-Musikleben und ihrer allgegenwärtigen Mozart-Gedenkkultur. Bis hin zu den unvermeidlichen Mozart-Kugeln, seien sie nun „echt“ oder „original“. Schwebt da nicht sogar Mozarts Geist göttergleich über den Wassern der Salzach? Getragen vom Aufwind bewundernder Ehrfurcht, die ihm Einheimische und Zugereiste in gleicher Weise entgegen bringen.
Besonders schwer haben es daher alle jene, die einst das wahre Genie Mozarts nicht erkannten oder gar versuchten, seinem Schaffensdrang Zügel anzulegen. Wie der aus diesem Grund oftmals zur Unperson erklärte Graf Colloredo. Jener Salzburger Fürsterzbischof, der dem aufstrebenden Ausnahmetalent Mozart gelegentlich seine finanzielle Unterstützung versagte und damit dem größten Sohn der Stadt zuweilen das Leben vergällte.
Macht und Glanz der Fürsterzbischöfe
Doch selbst wenn Mozart heute in seiner Heimatstadt als das Maß aller Dinge gilt, wäre es vermessen, die selbstbewussten Salzburger Fürsterzbischöfe unter Generalverdacht zu stellen. Denn waren nicht gerade sie es, die aus ihrer Machtfülle heraus Salzburg jenen Glanz verliehen, den einst schon der Weltreisende Alexander von Humboldt in höchsten Tönen zu würdigen wusste?

Allein das Stadtzentrum ist voll von beeindruckenden Baudenkmälern, die im Bereich des Domes und der Residenz räumlich ineinander greifen. Umso stärker das Bedauern, dass es um deren Zugänglichkeit bislang nicht besonders gut bestellt war. Ganze Türen und Trakte waren seit der napoleonischen Zeit zugemauert und verhinderten eine systematische  Zusammenschau dieses architektonisch ineinander verschachtelten  Areals.
Das Projekt „Domquartier“
So suchten in den letzten Jahren kreative Stadtplaner nach einer Möglichkeit, um die einstige Begehbarkeit durch geeignete Baumaßnahmen wiederherzustellen. Und schon war das Projekt „Domquartier“ aus der Taufe gehoben. Ziel sollte es sein, so Maximilian Brunner, Geschäftsführer der Salzburger Burgen und Schlösser, mit einer einzigen Tageskarte die zehn Einzelkomplexe des Gesamtareals besuchen zu können.
Angefangen bei den fünfzehn Prunkräumen der Residenz, in denen sich der aus Gold- und Salzgewinnung erzielte Reichtum der Kirchenfürsten immer noch am unmittelbarsten widerspiegelt. Nach dem prächtig ausgestalteten Audienzsaal vor allem im geräumigen Thronsaal der Residenz.
Neuer Zugang zum Dom
Als weiterer Höhepunkt präsentiert sich auch die Residenzgalerie mit ihren elf Sälen ausgesuchter  europäischer Meisterwerke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Direktorin Dr. Gabriele Groschner macht beim Rundgang aufmerksam auf einen der Ausstellungslieblinge, die „Kinder im Fenster“ von Ferdinand Georg Waldmüller. Ein Motiv, das wegen seiner unbändigen Lebensfreude zu Herzen geht.

Gleich danach kündigt sich der erste große Coup der „Domquartier“-Gestalter  an. Denn über die Dombogenterrasse mit ihrem wundervollen Ausblick auf die Stadt und vorbei am Nordoratorium des Doms führt ein neuer öffentlicher Zugang hinüber zur Orgelempore. Von diesem bisher unerreichbaren Standort aus, gelegen unmittelbar am Fuße der mächtigen Orgel-Pedaltürme, ergibt sich ein überwältigender Blick hinunter in das langgezogene Kirchenschiff.
Kunstschätze und Kuriositäten
So wie die Residenz hat natürlich auch der Dom sein eigenes Museum. Hier werden die unterschiedlichsten Kunstschätze mit einer Spannbreite von 1300 Jahren präsentiert, wie Direktor Dr. Peter Keller beim Rundgang nicht ohne Stolz betont. Hinzu kommen Kuriositäten  der benachbarten Kunst- und Wunderkammer. Ein Eldorado von Absonderlichkeiten aus Kunst und Natur, das sicherlich schon in der Barockzeit  die Neugier anregte.
Und dann plötzlich die zweite Sensation: Am Ende der „Langen Galerie“, einst Gemäldegalerie der Fürsterzbischöfe, führt eine Rampe hinauf zu einer von einem wuchtigen Marmorrahmen eingefassten  Türöffnung. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, wäre sie nicht die letzten zweihundert Jahre zugemauert gewesen und erst vor kurzem in Zusammenhang mit der „Domquartier“-Planung wieder geöffnet worden.
Illustre Museumslandschaft
Sie führt hinein zu den Kunstschätzen des Museums St. Peter, des ältesten Klosters im deutschen Sprachraum mit ungebrochener Kontinuität. Aus 40.000 Sammlungsstücken habe man die schönsten herausgesucht und thematisch geordnet, so der Benediktiner-Erzabt Korbinian bei seiner Begrüßung. Zunächst unter den dankbaren Schwerpunktthemen „Kunst und Musik in St. Peter“.
Im dritten Ausstellungsbereich mit dem Titel „St. Peter in Geschichte und Verfassung“ legte Innenarchitekt Thomas Wizany noch kurz vor der Eröffnung des „Domquartiers“ Hand an, um mit Kennerblick einige der Exponate und Bildschirme aus ihren Verpackungsfolien zu befreien.
Mirabell und Leopoldskron
Abschließend noch ein Blick aus ungewohnter Perspektive hinein in das Innere der Franziskanerkirche, die mit ihrem berühmten Sternrippengewölbe und ihren  barocken Einbauten beide Stilrichtungen auf eigenwillige und dennoch überzeugende Weise  in sich vereinigt. Wer aber mit seiner Konzentrationsfähigkeit während des Rundgangs durch die zehn Museumseinheiten  haushalten muss, der kann mit seiner Tageskarte zwischendurch  nach Bedarf  Verschnaufpausen einlegen.
Bei einem Spaziergang durch den barocken Mirabell-Schlossgarten mit Blick auf die weltbekannte Stadtsilhouette. Oder bei einem Abstecher zum Schloss Leopoldskron, dessen strahlend weiße Barockfassade sich schillernd im Schlossteich widerspiegelt. Offenbart sich Salzburg in seiner barocken Fülle damit nicht wieder einmal als das sprichwörtliche „Rom des Nordens“?
www.domquartier.at; www.salzburg.info; www.schloss-leopoldskron.com;