Aktuelle Nachrichten – Deutschland
31.08.2011
Foto: Sebastian Willnow/dapd
Passau – Die Renten sollen in den kommenden Jahren wesentlich geringer steigen als die Durchschnittseinkommen. Auf diese – aus demografischen Gründen planmäßige – Entwicklung wies das Bundessozialministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hin. Linksparteichef Klaus Ernst forderte daraufhin am Mittwoch eine Mindestrente von 850 Euro. Der Sozialverband VdK forderte die Bundesregierung auf, den Sinkflug der Renten zu stoppen.
Das Sozialministerium teilte in der Antwort mit, das für die maßgeblichen Durchschnittseinkommen von 2011 bis 2025 mit einer Steigerung von 30.268 Euro im Jahr auf 46.700 Euro gerechnet werde. Der Rentenwert soll entsprechend von 27,47 Euro auf 36,75 Euro steigen. Der Wert entspricht der monatlichen Altersrente, wenn ein Jahr lang Beiträge nach dem Durchschnittsverdienst eingezahlt wurden. Damit fällt das sogenannte Sicherungsniveau von jetzt 50,8 auf 45,2 Prozent. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis zwischen der Rente, die ein Durchschnittsverdiener nach 45 Jahre erhält, und dem aktuellen Durchschnittseinkommen an.
Ein Sprecher des Sozialministeriums sprach in Berlin von einem "planmäßigen Absenken des Rentenniveaus". Diese Modellrechnung sei auch nicht neu. "Dämpfungsfaktoren" sorgten für ein langsameres Ansteigen der Rente, um die Rentenversicherung finanzierbar zu halten. Wer seinen Lebensstandard halten wolle, müsse zusätzlich vorsorgen, sagte er.
Ernst sagte der "Passauer Neuen Presse", die Renten seien im freien Fall. Deshalb müsse mit einer Mindestrente eine Untergrenze eingezogen werden. In Berlin erklärte er darüber hinaus, private Altersvorsorge in Form einer Riester-Rente könne armutsfeste Renten nicht ersetzen. "Wer die Rente über die Finanzmärkte organisiert, kann auch ein Krankenhaus auf dem Ätna bauen", sagte er.
VdK-Präsidentin Ulrike Mascher forderte die Bundesregierung auf, zur früheren Berechnung der Rente nach Mindesteinkommen zurückzukehren. "Damit wäre ein Mindeststandard an Alterssicherung für Millionen Geringverdiener gewährleistet, die ein Leben lang gearbeitet haben und mehr als Grundsicherung im Alter verdient haben."
Beim bevorstehenden "Regierungsdialog Rente" müsse das Thema Altersarmut nach oben auf die Tagesordnung, sagte Mascher. Diese Runde bei Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll in der kommenden Woche beginnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft sowie der Sozialverbände und Tarifpartner an einen Tisch bringen.
(dapd)
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