Madrid – In Spanien haben begeisterte Fußballfans den 1:0-Sieg ihrer Nationalmannschaft über Deutschland im Endspiel der Europameisterschaft gefeiert. Nach dem Schlusspfiff im Wiener Ernst-Happel-Stadion ertönten am Sonntagabend in Madrid und anderen Städten des Landes Hupkonzerte, Feuerwerksraketen stiegen auf. Auf der zentralen Plaza Colón, wo 35.000 Menschen das Spiel beim Public Viewing verfolgt hatten, schwenkten viele Fans rot-gelbe Nationalflaggen.
Anschließend zogen tausende Menschen zur Plaza de Cibeles, wo üblicherweise die Siege von Real Madrid in der spanischen Liga gefeiert werden. Torjäger David Villa, der beim Finale verletzungsbedingt auf der Bank saß, rief die Fans im Fernsehen auf, die Mannschaft bei ihrer Heimkehr mit dem Pokal am Montag in Madrid zu begrüßen. Das siegreiche Team von Trainer Luis Aragonés soll um 19.00 Uhr auf dem Flughafen Barajas eintreffen und anschließend zum Colón-Platz fahren.
„Danke, dass ihr bei uns wart – ich hoffe, ihr betrinkt euch heute Nacht alle“, rief Mittelfeldspieler Cesc Fabregas in die Fernsehkameras. Der 69-jährige Trainer Aragonés sagte: „Wir haben auf brillante Weise gewonnen, und wir sind alle glücklich.“ Torschütze Fernando Torres sagte, er sei glücklich, denn er habe seinen Job erledigt. Das Ergebnis sei auch für den Fußball gut, denn die beste Mannschaft habe gewonnen.
König Juan Carlos erklärte mit Blick auf den letzten spanischen Gewinn eines größeren Titels vor 44 Jahren: „Wir haben gelitten, aber schließlich war es den Schmerz wert.“ Und Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero, der das Spiel wie der Monarch in Wien verfolgte, sagte, er sei der erste Regierungschef seit dem Ende der Diktatur 1975, der eine solche Leistung erleben dürfe. „Aber das ist erst der Anfang. Als nächstes kommt die Weltmeisterschaft.“
Angesichts der Temperaturen von fast 30 Grad auf dem Colón-Platz versprühten Feuerwehrleute Wasser, um die erhitzten Fans abzukühlen. Nach dem Spiel kam es vereinzelt zu Ausschreitungen, die Polizei setzte Gummigeschosse ein. In Madrid wurden laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Efe 25 Menschen verletzt in Krankenhäuser eingeliefert. Eine Person war mit Kopfverletzungen in kritischem Zustand. Insgesamt behandelten die Rettungsdienste 120 Personen.
Ähnliche Jubelszenen wie in Madrid spielten sich in zahlreichen Städten des Landes ab. In der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona und in Bilbao im Baskenland waren allerdings keine Public-Viewing-Arenen errichtet worden, dort hielt sich der Jubel nach dem Sieg auch in Grenzen. (AP)
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